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Mathe-Cracks in Flensburg : Wettstreit der Rechenkünstler

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

197 Schüler nahmen an der 56. Mathe-Olympiade an der Europa-Universität Flensburg teil - die besten Zwölf fahren zum Bundesentscheid.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2017 | 07:51 Uhr

Ein Fall für alle, die Spaß am Lösen schwieriger mathematischer Aufgaben haben: Zwei Tage lang vergnügten sich 197 Rechenkünstler aus Schleswig-Holstein an der 56. Mathematik-Olympiade in der Europa-Universität Flensburg. „Wir wollen mathematisch Interessierte mehr begeistern, ihre Faszination wecken und ihr Talent fördern“, sagte Hinrich Lorenzen, Professor der Mathematik und Didaktik und seit 14 Jahren Landesbeauftragter der Mathematik-Olympiade in Schleswig-Holstein.

Kinder sind kreativ, und so soll auch die Herangehensweise an Aufgaben aussehen: Vier Stunden lang saßen Mathe-Fans am ersten Nachmittag an komplexen Aufgaben und suchten nach kreativen Lösungswegen. „Es soll zu Erfolgserlebnissen kommen“, erhoffte sich Uwe Leck, Mathematikprofessor an der Europa-Uni. Hart erkämpften sich die schleswig-holsteinischen Schüler aus den Klassen 5 bis 13 ihre Qualifikation zum Landeswettbewerb: In der ersten Runde, die im September begann, qualifizierten sich die Schüler in ihren Schulen durch erbrachte Leistungen bei den Hausaufgaben und in Klausuren. Die besten Mathematikschüler konnten sich dann in der Kreisrunde für die Landesrunde qualifizieren.

Die elfjährige blinde Schülerin Lilly Kastner aus dem Leibniz-Gymnasium Bad Schwartau ist dieses Jahr schon zum vierten Mal dabei. Ihre Begeisterung für Mathematik erwachte in der 3. Klasse: „Mathe macht Spaß“, sagt sie. Besonders ihrem Vater hat sie die Freude zur Mathematik zu verdanken, der sie ab der 3. Klasse in diesem Fach besonders förderte. Die Erfolgserlebnisse in Mathe führten dazu, dass sie sogar an einem Fachcamp im vergangenen Sommer teilnahm. Wegen ihrer angeborenen Blindheit fällt ihr das dreidimensionale Denken bei der Geometrie besonders schwer. Aber das logische Denken und Knobeln ist für sie nicht schwieriger als für andere Schüler. Auf die Frage, wie sie sich Zahlen vorstelle, antwortet sie: „Man stellt sich Zahlen doch gar nicht vor.“ Diese Abstraktion ist ein natürlicher Prozess, der in der zweiten Klasse stattfindet, bestätigen Mathematiker.

Unterstützung bekommt die Gymnasiastin von der Blindenpädagogin Imke Wißmann: Sie wandelt Zeichnungen für Lily in taktile Abbildungen, also eine Vorlage, die sie ertasten kann, um.

Lilly Kastner kam nicht unter die besten Zwölf, die am 30. April nach Bremerhaven zum bundesweiten Wettbewerb reisen dürfen. Aber im nächsten Jahr besteht für sie als Sechstklässlerin die Chance, sich für den Bundesentscheid zu qualifizieren.

Für die 197 Teilnehmer ging es nach dem ersten Tag in die Jugendherberge nach Glücksburg, wo für Unterhaltung und Programm gesorgt war. Auch ein Ausflug in die Phänomenta war geplant. Am zweiten Tag konnten sich die Mathematik-begeisterten Schüler erneut auf die Suche nach kreativen Lösungswegen machen. Zur gleichen Zeit korrigierten Mathe-Studierende der Europa-Uni, Lehrer, Professoren und ehemalige Mathe-Olympiade-Teilnehmer die Aufgaben vom Vortag.

Der Vorsitzende des Vereins der Mathematik- Olympiade Jürgen Prestin erkündete stolz ein weiteres Erfolgserlebnis: Dieses Jahr seien sogar zwei Schleswig-Holsteiner bei der internationalen Mathe-Olympiade in Rio de Janeiro dabei.

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