Kolumne „Fördeschnack“ : Westliche Kogel

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shz.de von
15. Juni 2018, 14:29 Uhr

Flensburg | Onkel Dagobert hätte sofort zugegriffen. Vielleicht sogar noch einen extra-Bonus herausgeholt. Aber Onkel Dagobert ist ja auch eine Comic-Figur und wohnt in Entenhausen auf dem Glatzenkogel, wo sein Geldspeicher steht und nicht etwa in der Roonstraße oder im oberen Marienhölzungsweg. Die Stadtwerke haben es aufgedeckt: Ausgerechnet Flensburgs wohlhabendstes Viertel hat gar keine Lust auf schnelle Leitungen.

Am 7. Juli verstreicht die Subskriptionszeit, in der man dort einen digitalen Anschluss gratis bekommt. Die Bewohner von Tarup, Engelsby, Klues, der Gartenstadt – sie schnappten sich blitzschnell das Schnäppchen und surfen überlichtschnell mit ihrem High-Tech-Anschluss, für den sie keinen Kreuzer bezahlen mussten. Aber die Westliche Höhe spielt da einfach nicht mit. Sie pfeift auf Sonderangebote, macht weiter wie bisher und zählt ihre Taler.

Natürlich muss es ein Unternehmen schwer ins Grübeln bringen, wenn superattraktive Angebote zum Nulltarif niemanden aus den Kaschmirsocken hauen. Aber vielleicht liegt es ja auch genau und gerade daran. Nulltarif! Den kundenfreundlichen Ansatz der Stadtwerke in allen Ehren, aber es gibt Gegenden, wo die Leute ein gutes Angebot ganz anders buchstabieren. Vielerorts ist der reflexartige Griff nach billigem Tand ein Ausweis schlechten Benehmens, deshalb wären die Stadtwerke auf der Westlichen Kogel...äh Glatzen Höhe, nein, Westlichen Höhe ! besser mit einer anderen kaufmännischen Strategie angetreten und hätten den neuen Hausanschluss einen Monat lang exklusiv zum Subskriptionspreis von nur 15.000 Euro angeboten, ehe der Rest für lau über den Tresen wandert. „Je mehr Du zahlst, desto mehr ist’s wert“ ist natürlich keine Verkaufsstrategie für die ganze Stadt, aber in diesem Testgebiet sollten es die Stadtwerke ruhig noch mal im Hochpreis-Segment versuchen.

Oder sollte es die eher kühle hochtechnologische Anmutung der Glasfaser sein, die nicht so recht korrespondieren will mit all den denkmalgeschützten Villen, Parks und Perserteppichen? Vielleicht hilft es schon, die Kabel mit Brokat zu ummanteln und die Fritzbox mit Swarovski-Kristallen aufzuwienern. Etwas Stil hat noch nie geschadet und würde auch dem Glatzenkogel gut zu Gesicht stehen. Aber da sind die Stadtwerke ja eh’ noch lange nicht am Buddeln. Armer Dagobert!

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