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Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 08:23 Uhr

Westliche Höhe: Die Angst geht um

vom

Im Bereich Mühlen- und Mathildenstraße häufen sich die Einbrüche / Unbekannte Verfasser warnen mit Rundschreiben vor Verdächtigen

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Flensburg | Böses Erwachen nach einem sonnigen Wochenende auf dem Campingplatz Westerholz. Als Inge und Benno Bode am Montag nach Flensburg zurückkehren, finden sie ihre Wohnung in der Mühlenstraße verwüstet vor. Bittere Erkenntnis: Sie sind beraubt worden, am hellichten Tag. "Das war ein Mordsschreck für uns", sagt der 75-jährige Rentner.

Die Einbrecher waren über die Balkonbrüstung im Erdgeschoss gestiegen, hatten die Terrassentür aufgehebelt - gegen Mittag, wie ein Radfahrer gesehen haben will. "Die Tür ist nicht beschädigt, ich weiß gar nicht, wie sie das geschafft haben", wundert sich Benno Bode. Besteck, Digital- und Videokameras fehlen, Blumen umgekippt, Schränke durchwühlt, Schubladen herausgerissen, zerborstene Glühbirnen auf dem Boden. "Wenn die sogar tagsüber kommen, haben die doch vor nichts mehr Angst", sagt der Mieter am Wasserturm.

Das Paar fühlt sich nicht mehr sicher. Es vermisst die Präsenz der Polizei. Nach und nach haben sie alle Fenster und Türen mit Schließanlagen ausgestattet. Benno Bode erinnert sich noch gut, als vor nicht allzu langer Zeit bei Nachbarn das kupferne Fallrohr abgerissen und mitgenommen wurde. Gegenüber, in einem Blumengeschäft, wurde vor anderthalb Jahren gleich das ganze Kupferdach abgedeckt, auch die Fallrohre an der Kapelle des Friedhofs waren den Dieben nicht heilig. "Wo leben wir bloß", sagt er und schaut ratlos ins Leere.

Die Antwort: auf der Westlichen Höhe. Und darauf scheinen Einbrecher derzeit ein besonderes Auge geworfen zu haben. Beispiel Mathildenstraße. An jede Eingangstür haben unbekannte Verfasser Zettel geklebt, auf denen vor jungen Männern gewarnt wird, die angeblich Garagen und Nebeneingänge ausspionierten. Eine Bäckerei beispielsweise wurde heimgesucht, auch Bewohner des SBV-Servicehauses klagen über Diebstähle in Wohnungen.

Die Polizei ist alarmiert. Es komme zur Zeit zu Einbrüchen, bei denen Unbekannte offenbar auf kipp stehende Fenster öffnen und sich somit Zutritt zu Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, Einfamilienhäuser und Gewerbeobjekten verschaffen, heißt es auf Anfrage. "Unter anderem werden auch mit wenig Aufwand zu öffnende Garagen oder Kellerräume von den Langfingern aufgesucht", so Sprecher Matthias Glamann.

Die Ermittlungen laufen. Nach Hinweisen aufmerksamer Bürger seien aus dem Flensburger Stadtgebiet stammende Tatverdächtige festgenommen oder durch Ermittlungen überführt worden. So ist beispielsweise der Kupferdieb geschnappt worden, auch der Einbruch bei den Bodes ist geklärt, die Beute konnte den Geschädigten inzwischen zurückgegeben werden.

Die Unruhe im Haus des Selbsthilfe-Bauvereins ist spürbar. Es habe bereits mehrere Einbrüche gegeben, sagt ein Mann im Rollstuhl. Sachen seien entwendet, leere Bierdosen zurückgelassen worden, berichtet er. "Das Wohngefühl ist stark beeinträchtigt, wir haben Angst." 50 von 80 Bewohnern sollen ein Schreiben an den SBV unterzeichnet haben, damit Unbefugten der Zugang zum Gebäude erschwert wird. "Wir wünschen uns eine Concièrge am Eingang", sagt ein Bewohner und lobt die Polizei, die in Uniform patroulliere und wichtig sei für das Sicherheitsempfinden.

Nicht jeder empfindet Angst. Der 88-jährige Franz Laas aus der Mathildenstraße ist einer davon. Ja, auch er habe die Warnung an seiner Haustür gelesen, empfehle aber, nicht überzureagieren. "Im Alter wägt man die reale Gefährdung ab", sagt er, "Angst macht einen kaputt."

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