Stadtbibliothek Flensburg : Wer will auf den Schleudersitz?

Lutz Jahre bis 2004.
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Lutz Jahre bis 2004.

Sieben Personen haben die Flensburger Stadtbibliothek seit 2005 geführt – Bewerbungsverfahren für neue Leitung in vollem Gange

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08. März 2018, 12:10 Uhr

Das Verfahren sei in vollem Gange, sagt Clemens Teschendorf, Sprecher der Stadt Flensburg. Es gebe Bewerbungen, gute Bewerbungen, doch könne er in dieser Phase noch keine konkreten Angaben machen. Die Bewerbungsfrist für die Stelle der Leitung der Stadtbibliothek Flensburg endete am 30. Dezember 2017. Kommissarisch leitet sie aktuell Andreas Ruß, der seit 2010 hier tätig ist.

Tatsächlich ist die Fluktuation an der Spitze der Einrichtung groß. Der oder die Neue wäre die achte Leitung seit dem Jahr 2005 – einschließlich der Doppelspitze von Heike Braczek und Stefanie Oeding, die die Bibliothek kommissarisch während der dreijährigen Vakanz zwischen 2007 und 2010 der Chef-Stelle führten.

Die gebürtige Flensburgerin Susanne Adolph, die vor 13 Jahren nach dem beinahe langjährigen Leiter Lutz Jahre (1997 bis 2004; davor Harald Dankert) kam und während einer Australien-Auszeit beschloss und mitteilte, wieder zu gehen, leitete die Bibliothek während des nicht unumstrittenen Umzugs in die neue Flensburg-Galerie.

„Die Flensburger Stadtbibliothek wurde neu aufgetakelt“, schreibt in jenem Jahr, 2007, ein Branchen-Blatt beeindruckt vom offenen, einladenden Ambiente und Lesegarten auf der Dachterrasse.

Nach dem Neuanfang war die Vakanz. Diese beendete Torge Korff. Sein erster Arbeitstag als Bibliothekschef war der 10. Mai 2010. Allerdings übernahm er die Funktion in Personalunion und zu gleichen Anteilen mit der Leitung des Kulturbüros. Es sei nie ein Geheimnis gewesen, dass die Leitung in Teilzeit, egal in welcher Konstruktion, nicht passe. Das hatte sich schon bei Lutz Jahre gezeigt, der ebenfalls beide Rollen, aber zu unterschiedlichen Anteilen ausübte. Man habe viel mit Publikum zu tun und „herausfordernde Aufgaben“, erklärt Korff. Mit dem neuen Organigramm und dem Wechsel des Kulturbüros in einen neuen Fachbereich wechselte auch er.

Ihm folgte 2012 Martin Szlatki, damals frische 32 und aus Tübingen. Der Süddeutsche blieb kurz, anderthalb Jahre, und ergriff in seiner Heimat Baden-Württemberg eine neue Chance. Die Stadtbibliothek Ulm leitet er immer noch.

Mit Ute Kaminski schließlich sollte am 1. März 2014 in die Bücherei Kontinuität einziehen. Sie währte bis Ende 2017. Kaminski sei wie ihr Vorgänger aus persönlichen Gründen gegangen, sagt Stadtsprecher Clemens Teschendorf und begründet so die häufigen Wechsel an der Spitze. An der Bibliothek liege es jedenfalls nicht, sagt er, sie habe landesweit einen guten Ruf.

Oder ist alles eine Frage des Geldes? Die Ausschreibung der Stelle sucht nach einer „innovativen Persönlichkeit“, beinhaltet eine Latte von Verantwortungen (Organisation, Personal, Finanzen, Haushalt, Statistik und Controlling) und ist bewertet nach Entgeltgruppe EG 11 TVöD (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst). Das ist in Neumünster anders, dort wird die Bibliotheksleitung mit EG 13 bezahlt – das entspricht rund 500 Euro mehr. In Kiel wird nach EG 14 bezahlt, in Lübeck nach EG 15.

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