Wer war Peter III. wirklich?

Elena Palmer beschrieb die Erfolge von Zar Peter III. anhand einer Tafel. Foto: Batenkow
Elena Palmer beschrieb die Erfolge von Zar Peter III. anhand einer Tafel. Foto: Batenkow

Die Journalistin Elena Palmer beschreibt den Zaren auf Schloss Glücksburg als mutigen Reformer

Avatar_shz von
07. Juni 2013, 11:17 Uhr

Glücksburg | Zu den russischen Kulturveranstaltungen in Deutschland passt Schleswig-Holstein besonders gut - denn es ist unauflösbar mit der Zarendynastie Romanow verbunden. Peter III., von 1739 bis 1762 Herzog von Holstein-Gottorf, war das erste Mitglied des Hauses Romanow-Holstein-Gottorf auf dem russischen Thron. Der Zar war übrigens Urururur-Enkel des dänischen und norwegischen Königs Friedrich II., der seinerseits der ältere Bruder von Johann (Hans) III., Gründer des Schlosses Glücksburg, war.

Auszüge der neuen Ausgabe des Buchs "Peter III., Prinz von Holstein" standen im Mittelpunkt eines Abends, der von der Stiftung Schloss Glücksburg mit Unterstützung des Kieler Zarenvereins organisiert wurde. Das Werk, eine historische Forschung, herausgegeben 2005 von der in Moskau geborenen deutschen Journalistin Elena Palmer (52), stellt den Zaren als einen mutigen Reformer dar - und nicht als Säufer und Nichtsnutz, wie man es in Geschichtsbüchern von seiner Ehefrau Katharina II. und russischen Historikern lesen konnte. In ihrem neuen Werk, das in diesem Jahr erscheinen wird, analysiert Palmer kritisch die Folgerungen über die negative Rolle des Kaisers, der nur 186 Tage regierte und am 28. Juni 1762 von seiner Frau gestürzt wurde. Die Autorin publiziert außerdem ihr Musical-Drehbuch über den Zaren.

Mehr als 120 Gäste schauten aufmerksam auf die Tafel, an der Elena Palmer die Erfolge von Peter III. in der Wirtschaft und anderen Bereichen beschrieb. Die Journalistin, die in Kiel und in Los Angeles wohnt, war direkt aus den USA nach Glücksburg gekommen. In Washington ist gerade die englische Ausgabe des Buches erschienen. "An den hiesigen Universitäten, an denen ich doziere, ist diese historische Figur sehr populär", sagte Palmer im Interview mit unserer Zeitung. Ihrer Meinung nach hatten die russischen Historiker ein schiefes Bild von Peter III. auch deshalb, weil sie bei ihren Analysen von Dokumenten jener Zeit die damaligen Bedeutungen der Wörter nicht in Betracht gezogen hatten.

Eine übersichtliche Darstellung der Zeit Peters III. wurde in einem fiktiven Dialog "Der Kieler Prinz auf dem Zarenthron" zwischen dem Kaiser (Prof. Helmut Grieser) und seiner Mätresse Jelisaweta Woronzowa (Astrid Bade, Schloss Gottorf) präsentiert. Einen Teil seiner Rede hat Grieser in gutem Russisch gesprochen, was die russischsprachigen Gäste - unter anderem die designierte Stadtpräsidentin Flensburgs, die gebürtige Ukrainerin Swetlana Krätzschmar (CSU), sicherlich zu würdigen wussten. Begeistert war das Publikum von der Stimme der Sopranistin Oksana Pollani (Petrowskaja), die Lieder der russischen Komponisten Rimskij-Korsakow, Rachmaninow, Mussorgskij und Tschajkowskij sang. Die Ukrainerin spricht gut Deutsch und gehört derzeit dem Opernelitestudio des Theaters Lübeck an. Am Klavier wurde Pollani von der Pianistin Norie Takabayaschi begleitet. Sie ist in Japan geboren, studierte in Lübeck und arbeitet dort nun als Dozentin an der Musikhochschule.

Der russische Abend auf Schloss Glücksburg, der mehr als dreieinhalb Stunden dauerte, wurde beschlossen mit einem kleinen Umtrunk - und was lag da näher, als auf etwas Landestypisches zurückzugreifen - Wodka.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen