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Flensburger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 17:41 Uhr

Wer stirbt am schönsten?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Theaterwerkstatt Pilkentafel überzeugt mit einer modernen Version des Märchens von Schneewittchen

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2015 | 09:59 Uhr

„Du bist talentfrei!“, höhnt die Stimme aus den Lautsprechern – und obwohl man Torsten Schütte (Pilkentafel) akustisch sofort erkennt, fühlt man sich an Dieter Bohlen erinnert. Die Zuschauer werden Zeuge einer Art Casting-Show für Märchenerzählerinnen und -darstellerinnen. Es geht um Schneewittchen, aber es geht auch um die leidigen Themen Schönheit, Konkurrenz, Neid und Eitelkeit.

Und man erlebt ein virtuoses Spiel mit den Ebenen, zwischen denen die beiden Schauspielerinnen Anaela Dörre und Kristina Mücke, die im Stück namenlos bleiben, ständig hin und her wechseln. Wenn die beiden die Handlung der berühmten Grimm-Story erzählend vorantreiben, fallen sie immer wieder in die Rollen des Märchens. So werden die sieben Zwerge nur durch unterschiedliche Stimmen zu Individuen. Ganz wunderbar gerät Schneewittchens erster Auftritt mit einem Kostüm, das die typische Pilkentafel-Kreativität versinnbildlicht.

„Schneewittchen spielen“ ist ein Stück für Kinder, weil sie einerseits das ganze Märchen kennen lernen, gleichzeitig aber auch den sich steigernden Konkurrenzkampf der beiden Akteurinnen unmittelbar verstehen. Der wird übrigens ganz konsequent bis zum bitteren Ende durchgespielt – der Schluss ist wiederum eine echte Pilkentafel-Pointe.

Doch auch erwachsene Zuschauer kommen auf ihre Kosten. Sie erfreuen sich an dem Spiel auf den wechselnden Ebenen, an den ästhetischen Spiel- und Stilmitteln wie etwa die Umsetzung des Spiegel-Themas, an den Zwischentönen und dem Konkurrenzkampf der beiden Frauen, der in der exzessiv wiederholten Sterbeszene – Schütte/Bohlen diabolisch: „Stirb schön!“ – gipfelt.

nächste Vorstell.: 21. 2., 16 Uhr

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