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Abgeschaltet : Wer nicht zahlt, bleibt ohne Strom

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

1400 mal pro Jahr schalten die Stadtwerke säumigen Zahlern den Strom ab / Stadt setzt auf Beratung, kann aber nicht mit Geld helfen

Bis zu 300 Stromanschlüsse waren 2012 von den Stadtwerken gleichzeitig gesperrt, weil die Abnehmer ihre Stromrechnung nicht bezahlt hatten. In diesem Jahr sind es offenbar weniger, am 9. Oktober etwa waren es nur 83.

Übers Jahr gerechnet haben die Stadtwerke letztes Jahr 1400 mal den Schalter umgelegt und die Lieferung von Elektrizität eingestellt. „In 80 Prozent der Fälle allerdings nur für ein bis zwei Tage“, wie Thomas Russ aus dem Fachbereich Soziales auf der jüngsten Sitzung des Sozial- und Gesundheitsausschusses berichtete.

Jeder kennt die Situation eines Stromausfalls, der in Flensburg meistens nur von kurzer Dauer ist. Doch die Gewissheit, dass der Strom willkürlich abgestellt wurde, weil man ihn nicht bezahlt hat, ist für den Normalbürger schwer vorstellbar. In Flensburg ist es Alltag. „Der Gedanke, dass jetzt, am Beginn der dunklen und kalten Jahreszeit, Kinder davon betroffen sein könnten, ist mir unerträglich“, sagte Jochen Gurth (Grüne). Fast 70 000 Mahnungen haben die Stadtwerke 2012 versandt, verteilt auf die Stufen eins (41 000), zwei (22 900) und drei (4300). Von diesen 4300 führe letztlich jede dritte zu einer Abschaltung des Stroms. „Diese Zahlen haben sich bis heute nicht erhöht“, konnte Russ dem Ausschuss mitteilen.

Damit sorgte er aber nur bedingt für zufriedene Gesichter. „Wir haben mit dem Thema immer noch große Schwierigkeiten. Da muss eine andere Lösung her“, forderte Gabi Ritter (Die Linke). Für ihren Vorschlag eines Sozialtarifs beim Strom fanden die Linken in der Vergangenheit jedoch keine Mehrheit.

Thomas Russ hatte zuvor erläutert, dass man beim Thema rückständige Stromrechnungen vor allem auf Hilfe und Beratung setze. So versenden die Stadtwerke stets drei Mahnungen, bevor der Strom gekappt wird. Natürlich wird darin auch die letztendliche Konsequenz der Stromsperre angekündigt. Außerdem, so Russ, bestehe die Möglichkeit der Ratenzahlung, allerdings nur bei höheren Rückständen in der Endabrechnung. „Es sind immer Einzelfälle und es muss immer Einzellösungen geben“, betonte der Sozial-Experte. Man biete eine kostenlose Energieberatung an, um die Möglichkeit einer nachhaltigen Senkung des Stromverbrauchs auszuloten. „Da stehen wir natürlich vor einem Dilemma, wenn alte Haushaltsgeräte die Ursache des erhöhten Stromverbrauchs sind.“ Man tausche sich regelmäßig mit den Stadtwerken Flensburg zum Thema aus.

Finanziell sind der Stadt allerdings die Hände gebunden. Die Entwicklung des Strompreises fließt in die regelmäßige Bedarfsermittlung ein. „Das ist ein empirisches Verfahren“, so Russ. So werden die Sätze für die Empfänger von Leistungen nach SGB 2 am 1. Januar 2013 um 2,27 Prozent erhöht. „Die Anpassung ist jedoch immer nachlaufend“, so Russ; sie kann also nicht kommende Preissteigerungen auffangen. Es gilt jedoch als sicher, dass der Strompreis zum Jahreswechsel erneut erhöht wird – auch in Flensburg. Schätzungen zufolge werde dies Zusatzkosten von 30 bis 40 Euro pro Jahr und Haushalt nach sich ziehen. Die Erhöhung der Leistung um 2,27 Prozent bringe, so Russ, jedoch sechs bis neun Euro pro Person, kann mithin die kommenden Strompreiserhöhungen nicht auffangen – schon wieder ein Dilemma.

 

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erstellt am 24.Okt.2013 | 07:15 Uhr

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