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Adelbylund in Flensburg : Wer kann die Johannismühle noch retten?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Denkmalschützer halten den Galerieholländer von 1808 für „akut gefährdet“

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2015 | 08:00 Uhr

Mehr als zehn Jahre ist es her, als mit Müller Walter Skau die Hoffnung auf die Wiederbelebung der Johannismühle in Adelbylund auszog. Seitdem verfällt die letzte Windmühle auf Flensburgs Höhenkranz im Osten. Mahlwerk und Mühlentechnik: entfernt. Mühlenkopf: rostet neben dem Müllerhaus vor sich hin. Flügel und Galerie: weg. Und der Holzschindelkörper des 207 Jahre alten Galerieholländers? Der wirft immer mehr Schindeln ab. Das Flickwerk weist immer größere Löcher auf. Wer aus Richtung Westen guckt, erkennt einen Krater in der Decke – ein Wunder, wenn es da nicht reinregnet.

Für Flensburgs Denkmalschützer Eiko Wenzel ist die Geschichte der Johannismühle ein Trauerspiel: „Es ist in der Tat eines unserer größten Sorgenobjekte.“ Alle bisherigen Gespräche mit dem Eigentümer hätten nicht zum Erfolg geführt: „Die Johannismühle kann nie eine Renditeperle sein“, sagt Wenzel, der mit Blick auf den aktuellen Zustand offenbar die Geduld verliert: „Das Denkmal ist akut gefährdet. Die Denkmalbehörde kann nicht mehr lange zuschauen.“ Eigentümer Hans-Werner Urbschat habe nicht nur die Mühlenkappe und die Flügelattrappen, die unter Schutz stehen, erneuern wollen. „Er hatte auch vor, die fehlende Galerie in seiner ursprünglichen Größe zu renovieren.“ Der ultimative Schritt des Denkmalschutzes, eine Erhaltungsanordnung, müsste indes vom Landesamt für Denkmalpflege in Kiel angeordnet werden. Dessen neuer Chef Nils Meyer kennt die Lage um die Johannismühle noch nicht. Solch ein seltenes Verfahren mit einer Erhaltungsanordnung erinnere er bislang nur in einem einzigen Fall, sagt Meyer.

Inhaber Urbschat berichtet, er gebe noch einen Interessenten. Ein zweiter war nach Tageblatt-Informationen abgesprungen, nachdem klar wurde, dass verschiedene Balken nachdem Gebrauch alter Holzschutzmittel in den 70er Jahren saniert werden müssten. Urbschat sagt, die Mühlensanierung sei doch aufwendiger als gedacht. Zum aktuellen Zustand nach den vielen Regentagen weiß er nichts. Er könne leider nicht zum Ortstermin empfangen. „Ich bin zur Zeit total erkältet.“ Es komme nur ein Liebhaber infrage, der gerne ein Denkmal rettet, ahnt Urbschat: „Der Kaufpreis ist eher zu vernachlässigen.“ Mittlerer fünfstelliger Bereich. Doch der Liebhaber müsse ein Vielfaches für die Sanierung mitbringen. Für eine private Wohnung oder gewerbliche Nutzung seien 250 Quadratmeter Fläche auf drei Ebenen vorhanden, „Blick in alle vier Richtungen über Flensburg“.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Müllermeister Walter Skau, mittlerweile 63, der Stadt und dem Viertel einen Vorschlag gemacht: „Wenn man für die Sanierung Geld zusammenbekäme, würde ich beim Wiederaufbau helfen, und eine Gruppe Aktiver anleiten, die Mühle bautechnisch wiederaufzubauen und zu erhalten.“ Es wäre die Geburt einer Art Bürgerinitiative Johannismühle.

Davon unberührt bliebe das komplett erhaltene Ensemble der historischen Müllerhäuser – fünf Wohnungen, von denen Urbschat sich vorstellen kann, dass die Mieter sie einmal übernehmen.

 

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