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Flensburger Altstadt und Innenstadt : Wer hat Angst vor teurem Pflaster?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stadt beschließt, die Schreiberstraße im kommenden Jahr mit Naturstein neu einzudecken / Diskussion um Lärm und Radfahrer

Nach dem Nordergraben jetzt die Schreiberstraße: Erneut gibt es in der Kommunalpolitik eine Diskussion über das Für und Wider von Kopfsteinpflaster. Am Ende einer beherzten Debatte im Umwelt- und Planungsausschuss steht eine deutliche Mehrheit für das Pflaster aus Naturstein, das auf der knapp 100 Meter langen Straße im alten Sandberg-Quartier verlegt werden soll. Pikantes Detail: Die Anlieger sollen ein knappes Drittel der Kosten für den Belag zahlen. Auch wird ihnen angeboten, die Flächen vor den Häusern zu kaufen.

Wie viel jeder der 23 Eigentümer zahlen muss, steht noch nicht fest – ist aber leicht zu überschlagen. Laut Beschlusstext SUPA-70/2016 sollen die Anlieger 64  000 der insgesamt 208  000 Euro zahlen, die für die Neupflasterung veranschlagt sind. Das macht rein rechnerisch 2782 Euro für jedes Haus. Bezahlen müssten die Eigentümer übrigens auch, wenn die Entscheidung für Asphalt gefallen wäre.

Dabei kosten die eigentlich teuren Granitsteine diesmal nichts. Die Straßenbauer nehmen die Pflastersteine, die sie um die Ecke von der Straße Sandberg aufgenommen haben; diese wird, wenn die Tiefbauarbeiten irgendwann Anfang des Jahres beendet sind, asphaltiert (wir berichteten).

Die betroffenen Anlieger – Hausbesitzer sowie rund 100 Mieter – wurden vorab direkt informiert. An der Anwohnerversammlung nahmen jedoch gerade einmal vier Bürger teil: zwei Eigentümer und zwei Mieter. Von denen kamen offenbar teilweise Forderungen oder Wünsche nach Asphalt, so dass sich die WiF-Vertreter im Planungsausschuss veranlasst sahen, auch in der Schreiberstraße von der 2015 verabschiedeten Leitlinie für Natursteinstraßen (siehe rechts) abzuweichen. Begründung: Kopfsteinpflaster sei lauter als Asphalt und auch teurer, zudem würde es Radfahrer auf die Gehwege treiben.

Dieses verfing zumindest teilweise beim CDU-Vertreter Arne Rüstemeier, der vorschlug, darüber nachzudenken, vor allem aus Lärmschutzgründen. Die Lautstärke ist jedoch vor allem vom Tempo abhängig; bei Tempo 30 und 100 Meter Länge ist es schwer, wirklich schnell zu fahren.

Erst vor Kurzem hatte derselbe Ausschuss beschlossen, den Nordergraben künftig mit hellem Asphalt nach Vorbild der Lübecker Königstraße einzudecken (wir berichteten). Doch dort ist erheblich mehr Verkehr, es fahren Busse, der Nordergraben ist eine wichtige Verbindung für Radfahrer. All das gilt nicht für die Schreiberstraße.

Der Leiter der Stadtplanung, Peter Schroeders, warnte davor, die Leitlinien in der Schreiberstraße zu verwässern. Mit Kopfsteinpflaster hebe man die Wohnqualität an, auch sei es bei richtiger Verlegung langlebiger als Asphalt. Frank Hamann (Die Linke) schlug sich auf die Seite der WiF und wies darauf hin, dass Radfahrer hier auf den Gehweg ausweichen würden. Dagegen Stefan Thomsen (Grüne): „Hierhin verirrt sich kein Radler.“

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erstellt am 15.Dez.2016 | 11:03 Uhr

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