Wer erbarmt sich der Bahnhofstreppe?

Am Buswartehäuschen für die Linie in die City fehlt ein Teil des Daches.
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Am Buswartehäuschen für die Linie in die City fehlt ein Teil des Daches.

Bereits seit vergangenem Jahr ist der Eingangsbereich fast komplett abgesperrt - doch weder die Stadt noch die Deutsche Bahn tun etwas

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12. Juli 2013, 12:35 Uhr

Flensburg | Es sind nur sechs Stufen, die dem Zugreisenden einen unerfreulichen Empfang in der Stadt bescheren: Wer als Urlauber, auf Dienstreise oder wie jetzt als Dampf-Rundum-Gast die Halle des Flensburger Bahnhofs verlässt, steht vor einer rund 25 Meter breiten sechsstufigen Treppe, von der gut 20 Meter mit rot-weißen Gittern und mit Flatterband abgesperrt sind. Solche Absperrungen weisen gewöhnlich auf akute Gefährdungen oder Unglücksfälle hin.

Aus der Brüstungsmauer wachsen kleine Büsche

Beides gibt es am Flensburger Bahnhofsvorplatz allerdings zum Glück nicht. Offensichtlich ist die Sanierung der sechsstufigen Backsteintreppe einfach im Zuständigkeitswirrwarr zwischen Stadt und Deutscher Bahn vergessen worden. Das Resultat kann jeder Reisende täglich bestaunen: Der Putz bröckelt, Backsteine brechen auseinander, durch die Brüstungsmauer wachsen kleine Büsche. Zigarettenkippen und der Streusand des Winters sind hinter den acht Absperrgittern des TBZ liegengeblieben. Das Geländer rostet. Das Buswartehäuschen vor dem Bahnhof am hinteren Ende der sanierungsbedürftigen Treppe hat bereits ein Teil seines Daches und einen Sitz eingebüßt.
Einig sind sich Stadt und Bahn lediglich darin, dass die jämmerliche Situation schon seit dem vergangenen Jahr andauert. "Wohl seit Oktober" sagt Thomas Hansen von der Stadtplanung, und auch ein Sprecher der Bahn hat auf Tageblatt-Anfrage herausgefunden, dass die Treppe schon im alten Jahr gesperrt gewesen sei.

"Die Anlagen gehören der Bahn"

Tatsache ist: Der komplette Flensburger Bahnhof, Baujahr 1927/1928, und der gesamte Bahnhofsvorplatz stehen bis zum Süd-Ende des Carlisle-Parks unter Denkmalschutz. Der Stadt gehöre davon nur der Teil mit den Parkplätzen und der kleine Busbahnhof, erklärt Stadt-Denkmalschützer Henrik Gram: "Die Bahnhofstreppe, die Brüstungsmauer, all die Verzierungen gehören der Bahn." Genauer: der DB Netz AG in Frankfurt/Main, Herrin über 34.000 Mitarbeiter sowie ein Streckennetz mit fast ebensovielen Kilometern - inklusive aller betriebsnotwendigen Anlagen.
"Je länger man wartet, desto aufwendiger wird das", ahnt Gram. Fugensanierung eben, eigentlich ganz einfach, aber nicht zu unterschätzen, sagt der Denkmalschützer: "Wenn man das nicht macht, wird es irgendwann teuer."
Nach Auffassung des Bahn-Konzerns ist aber klar die Stadt Flensburg zuständig: "Die Instandhaltung obliegt der Stadt. Da gibt es eindeutige Verträge", sagt ein Hamburger Bahnsprecher. Man wolle die Tageblatt-Anfrage aber noch einmal zum Anlass nehmen, auf die Stadt Flensburg zuzugehen.

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