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Flüchtlingsempfang : „Wer eine Mama braucht, dem suche ich eine Mama“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit Juli ist Dorineh Hejazi in Flensburg erster Ansprechpartner für die anreisenden Flüchtlinge.

In den vergangenen vier Jahren habe sich in der Stadt vieles geändert, sagt Dorineh Hejazi (34). Die Mutter arbeitet seit Juli als Flüchtlingsbetreuerin am Diakonischen Werk Flensburg und ist diejenige, die die Menschen nach ihrer Flucht aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und anderen Ländern in Empfang nimmt.

Wenn die Ankömmlinge das Hostel in der Stadt erreichen, werden sie nicht nur von den Herbergsleitern, sondern auch von Dorineh Hejazi begrüßt. Die Flüchtlingsbetreuerin beantwortet erste Fragen der aus Neumünster Angereisten und erklärt das Nötigste. Dabei helfen der gelernten Friseurin die eigenen Sprachkenntnisse.

Sie sei als Kind mit ihrer Familie aus dem Iran nach Deutschland gekommen, berichtet die Frau, die fünf persische Dialekte beherrscht. Vor 25 Jahren hätte sie in der Schule allerdings erst einmal Türkisch gelernt, weil ihr Lehrer Türke gewesen sei. Später dann habe sie Deutsch gelernt. Den Flüchtlingen heute kann sie außerdem auf Dari – eine der drei Hauptsprachen in Afghanistan, wie sie sagt – auf Englisch und Deutsch weiterhelfen.

„Ich habe 2011 als ehrenamtliche Übersetzerin begonnen.“ Ein Jahr darauf wurde sie vom Hostel als Teilzeitkraft eingestellt. Daraus entwickelte sich der Kontakt zur Ausländerbehörde der Stadt. In diesen Jahren baute Hejazi ein Netzwerk ehrenamtlicher Übersetzer auf, die sie anruft, wenn Hilfe nötig ist: „Die gehören zu meinem Freundeskreis, denen kann ich vertrauen.“ Für offizielle Termine und amtliche Belange wie Formulare sind die amtlichen Übersetzer und Dolmetscher zuständig.Hejazi hilft den Menschen wo sie kann. Die Flüchtlingsbetreuerin begleitet die Ankömmlinge zu den Ämtern, erklärt, wo sie welche Angaben machen müssen, Nachweise erhalten, den Sozialpass bekommen, die nötige Hilfe erhalten, den passenden Arzt finden und, und, und. „Und wenn ich merke, dass ein junger Syrer eher eine Mama braucht, suche ich ihm eine Mutter“, erklärt Hejazi ihre natürliche Art zu helfen. Nur noch im Notfall ist die Mutter auch nachts für ihre Schützlinge da. „Das war das Schwerste, zu lernen, das Handy nachts auszustellen“, sagt sie.

An Bedeutung gewonnen hat für sie aber auch im Allgemeinen das Netzwerk, das Behörden, Organisationen und Ehrenamtler geknüpft haben. Regelmäßig treffen sich Hauptamtliche und Ehrenamtliche am Runden Tisch: „Wir wollen keine Konkurrenz zu den Migrationsfachdiensten aufbauen“, betont Diakoniepastor Thomas Nolte. Und Hejazi sagt: „Die Ehrenamtler sind dafür da, dass sich die Flüchtlinge verstanden und aufgehoben fühlen.“ Vielmehr scheint dem Netzwerk in der Stadt an einem reibungslosen Ablauf bei der Eingewöhnung und den Formalitäten gelegen zu sein, ist den Äußerungen beider zu entnehmen. Dennoch gingen die Abläufe nie schnell genug, oft säße die Angst im Nacken, spricht Hejazi eine der Nöte der Flüchtlinge an – die ungewisse Zukunft.

Seit 2011 hat sich demnach nicht nur in der Stadt vieles getan. Ihr Blick selbst habe sich verändert, sagt Hejazi. Heute hat sie Verständnis für die Arbeit der Verwaltung. „Es ist schön, dass es mit der Ausländerbehörde so gut klappt.“ Dass die Stadt das Integrationskonzept in 2013 auch für Flüchtlinge öffnete und nicht mehr nur den „Geduldeten“ und Akzeptierten offen hält, finden sowohl Nolte als auch Hejazi sinnvoll. So berechtige der Sozialpass nicht nur zum Sprachunterricht, sondern auch zur Beteiligung in Sportvereinen. Wem die Flüchtlinge nicht ganz geheuer sind, dem möchte die Flüchtlingsbetreuerin vorschlagen: „sich einfach über die Kulturen informieren und mit den Menschen an einen Tisch setzen.“

Die Stelle von Dorineh Hejazi kostet 40 000 Euro, wird mit Landesmitteln bezahlt und ist auf ein Jahr begrenzt. Ob es für Hejazi im nächsten Sommer weitergeht, ist noch ungewiss. Der Bedarf ist da, wie ihr Chef Thomas Nolte sagt. „Die Leistung von Frau Hejazi ist es, den Menschen ein Stück Willkommenskultur nahezubringen.“ Das Gewicht menschlicher Zuwendung hat anscheinend auch die Verwaltung erkannt: Inzwischen besuche die Leiterin der Ausländerbehörde die Flüchtlinge in deren Unterkünften, berichtet Hejazi. Es verändert sich etwas.

 

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erstellt am 30.Nov.2014 | 10:06 Uhr

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