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Abkehr von G8 in Flensburg : „Wer die Musik bestellt, bezahlt auch“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburger Ratsversammlung sendet ein Signal an die Landespolitik, die beschlossene Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium zu bezahlen

shz.de von
erstellt am 13.Nov.2017 | 06:46 Uhr

Flensburgs Bildungspolitiker denken mit großen Bauchschmerzen an die von der neuen Landtagsmehrheit beschlossenen Rückkehr aller Gymnasien zum neunjährigen Abitur. „Auf uns kommen Kosten zu, die immens sein können“, warnte Jochen Haut (SPD), Vorsitzender des Bildungsausschusses im Rat und erklärte: „Wir brauchen mehr Räume, andere Lehr- und Lernmittel und müssen umbauen.“

Von den vier Flensburger Gymnasien sind davon drei betroffen – Altes Gymnasium, Auguste-Viktoria- und Goethe-Schule. Und jedes der Schulgebäude ist älter als 100 Jahre. Allein das Fördegymnasium, das durch das Engagement seiner Eltern schon früh komplett zu G9 zurückgekehrt ist, bleibt von der landespolitischen Entscheidung unberührt.

Zwar dürfen die drei betroffenen Gymnasien bei 75-Prozent-Mehrheiten in ihren Gremien auch bei G8 bleiben – damit rechnet nach Einschätzung der drei Schulleiter bislang aber keine der betroffenen Schulen (wir berichteten). „Es herrscht große Sympathie für G 9“, lautete Ende September die übereinstimmende Aussage der Schulleiter Markus Eckert (Auguste-Viktoria-Schule), Christoph Kindl (Altes Gymnasium) und Arnd Reinke (Goethe-Schule).

Das Schlimme ist, wir müssen die Rechnung zahlen“, fürchtet Haut. Deshalb hat die Flensburger Ratsversammlung jetzt mit großer Mehrheit ein Signal an die Landesregierung gesandt. Man sei mit der Initiative direkt in die Ratsversammlung gegangen und nicht zuvor in die Ausschüsse, um ein Signal an die Landespolitik zu senden. Eine ähnliche Protestnote hat die kreisfreie Stadt Neumünster bereits zuvor Richtung Kiel auf den Weg gebracht – und zwar einstimmig.

„Das Zurück in Sachen G9 hat sich im Landtagswahlkampf als ziemlicher Schlager für die CDU erwiesen. Für die Kommunen als Schulträger ist es aber ein Schlag“, schimpfte SSW-Fraktionschefin Susanne Schäfer-Quäck. Wie groß die Kosten der Umstellung seien, wisse man unter anderem von niedersächsischen Gymnasien, die das Hin und Her schon hinter sich haben. „Unter anderem durch Umbauten an den Schulen, um Platz für zusätzliche Klassen zu schaffen, veranschlagte der Städtetag dort beispielsweise für Hannover Kosten von 35 Millionen Euro und für Buxtehude von 3 Millionen Euro“, so die SSW-Ratsfrau.Mit 40 000 Einwohnern ist Buxtehude nicht einmal halb so groß wie Flensburg. So viel Geld habe Flensburg einfach nicht, sagte Schäfer-Quäck: „Wer die Musik bestellt, bezahlt.“

Ein Schuljahr mehr bedeutet indes nicht nur mehr Bedarf an Klassenräumen für durchschnittlich drei bis vier Klassen pro Schule. Auch die Lernmittel, die längst auf die achtjährige Gymnasialzeit umgestellt sind, müssten erneuert werden. Die zweite Fremdsprache etwa würde dann wieder ab Klasse 7 starten (derzeit Klasse 6) und die dritte Fremdsprache ab Klassenstufe 9 (jetzt Klasse 8).

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