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Architektur in Flensburg : Wer beurteilt Flensburgs Gebäude?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gestaltungsbeirat wird nach 25 Jahren neu aufgestellt: Ortskenntnisse spielen künftig eine weit geringere Rolle.

shz.de von
erstellt am 14.Nov.2017 | 06:56 Uhr

Kaum etwas erhitzt in Flensburg so sehr die Gemüter wie die Architektur besonderer Gebäude, vor allem in der Innenstadt – man denke an die Flensburg-Galerie, das Kino-Center, Klarschiff am Hafen-Ostufer. Zwar ist die Gestaltung von Gebäuden immer auch Geschmackssache, doch gibt es objektive Kriterien, nach denen die Qualität der äußeren Gestaltung beurteilt werden kann. In Flensburg ist dafür ein Gremium zuständig, das seit 25 Jahren weitgehend im Verborgenen wirkt: der Gestaltungsbeirat. Und der wird jetzt ein Stück weit neu erfunden, was nicht nur auf Begeisterung stößt.

Es geht vor allem um die Zusammensetzung des Gremiums. Bisher gibt es zwölf stimmberechtigte Mitglieder, von denen die meisten in Flensburg zu Hause sind. Der Vorsitzende ist mit Hans-Eggert Bock aber seit Jahren ein Fockbeker. Dem neuen Gestaltungsbeirat sollen nur noch fünf Personen mit Stimme angehören, die allesamt nicht aus Flensburg kommen und von der Rathaus-Spitze ausgesucht und ernannt werden. Vier lokale Vertreter kommen dazu, jedoch ohne Stimme und mit einer deutlich geringeren Aufwandsentschädigung. Mitglied Jürgen Raddatz sieht hier eine künftige „Zwei-Klassen-Gesellschaft“.

„Der alte Gestaltungsbeirat ist in die Jahre gekommen“, sagt dazu Eiko Wenzel, Denkmalpfleger im Rathaus und „Autor“ der neuen Geschäftsordnung. Er sei in seiner bisherigen Zusammensetzung, die nach einem „Verbandslobby-Modell“ erfolge, „nicht zukunftsfähig“. Den Anspruch, künftig auch jüngere Mitglieder von außen für diese Arbeit zu gewinnen, könne man so nicht realisieren.

Wenzel attestiert dem 1992 ins Leben gerufenen Gremium „hervorragende Arbeit“. In der jüngsten Vergangenheit habe er mit seinen Anregungen zu deutlichen Verbesserungen etwa beim Neubau der VR-Bank am Neumarkt und beim Bauprojekt „Alte Gärtnerei“ geführt. Auch die Entwürfe für das Hotel Hafen Flensburg und die Flensburg-Akademie am Eckenerplatz wurden vom Gestaltungsbeirat unter die Lupe genommen. Allerdings würden die Anregungen des Gremiums nicht in allen Fällen befolgt, bedauert Wenzel.

Wenzel hofft, dass der Einfluss des Beirats größer wird, wenn er eine höhere fachliche Qualität externer Experten habe. Dafür wird die Stadt künftig entsprechend zahlen müssen. Der heute im Umwelt- und Planungsausschuss zur Diskussion stehende Entwurf geht von einer Vervierfachung der Kosten aus (20 000 statt bisher 5000 Euro pro Jahr).

Gestaltungsbeiräte gibt es in über 60 Städten in Deutschland. Mit dem neuen orientiert man sich an anderen Städten wie zum Beispiel Eckernförde. Dort sorgte das Gremium, dem auch der Flensburger Architekt Laust Lorenzen angehört, vor gut zwei Jahren für Aufregung, weil sich örtliche Architekten von den externen Experten hart angegriffen und herabgewürdigt fühlten und dies öffentlich machten.

Anders als bisher soll der neue Gestaltungsbeirat öffentlich tagen. Man habe heftig um Änderungen in der neuen Geschäftsordnung gekämpft, sagt Kurt Neumann, der für die CDU im Planungsausschuss sitzt. Der so erzielte Kompromiss sei akzeptabel, er werde zustimmen.

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