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„Wenn wir so weitermachen, ist das Landestheater bald pleite“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Kreis Schleswig-Flensburg ist raus, der Kreis Dithmarschen auch. Wie es danach mit dem Landestheater insgesamt weitergeht, steht in den Sternen. Ein Grund mehr für dessen Generalintendanten, Peter Grisebach, der Einladung nach Husum zu folgen und dem Ausschuss für Schule, Kultur und Sport Rede und Antwort zu stehen. In den Medien sei es zuletzt still geworden um das Landestheater, erklärte der Gast aus Schleswig. Und er sei sich nicht sicher, ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen sei.

Angefangen habe alles mit der Schließung des baufälligen Schleswiger Theaters 2011, ließ Grisebach die Chronologie der Ereignisse Revue passieren. Da sei die Gelegenheit verpasst worden, ein neues Theater zu bauen. Stattdessen habe die Gesellschafterversammlung ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Zukunftsfähigkeit des Landestheaters zu berechnen.

Das Ergebnis war niederschmetternd: „Wenn wir so weitermachen, wie bisher, sind wir 2018 oder 2019 pleite“, zitierte Grisebach die Experten. Eine unmissverständliche Ansage, nach der ein Worst-Case-Szenario durchgespielt wurde: Angenommen, Schleswig kehrte der GmbH 2019 den Rücken, dann hätte dies Beitragseinbußen in einer Größenordnung von 500  000 sowie Einnahmeverluste in Höhe von weiteren 350  000 Euro zur Folge, rechnete Grisebach vor. Dann gebe es aber noch immer kein neues Theater in Schleswig.

Ganz gleich, ob mit oder ohne Schleswig rieten die Gutachter, die Schauspielproduktion künftig an einem Standort zu konzentrieren. Dass Ensembles über Kreuz arbeiteten, sei nicht mehr zeitgemäß, hieß es. Dieser Ort werde Rendsburg sein, so Grisebach. Außerdem würden pro Spielzeit je ein Schauspiel, ein Musiktheater und ein Kammerspiel weniger produziert. Das entlaste die Ressourcen. Wenn Schleswig 2019 tatsächlich aussteige, zöge dies zwangsläufig einen Personalabbau nach sich, „bleibt es in der Gesellschaft, können wir darauf verzichten“, fasste der Generalintendant zusammen. Schleswig habe den Vertrag bisher nicht gekündigt, wohl aber erklärt, dass es den Gesellschafterbeitrag neu verhandeln will.

Die Vertragskündigungen der Kreise Schleswig-Flensburg und Dithmarschen machten die Sache nicht einfacher. Grisebach sprach von einer „Hängepartie“. Bis Mai 2017 will Schleswig mit Mitteln der Stadtwerke ein ehemaliges Offizierskasino namens „Heimat“ zum neuen Spielort auch für das Landestheater umbauen. „Das könnte gut gehen“, gab sich der Intendant verhalten optimistisch. „Aber abschließend werde ich das erst am 31. Mai 2017 sagen können.“

Wie wichtig das Landestheater sei, machte Grisebach am Beispiel der überaus gedeihlichen Zusammenarbeit mit den Husumer Gymnasien deutlich. „Das Kinder- und Jugendtheater hat sich super entwickelt“, sagte Grisebach und stellte klar, dass er auf diesem Gebiet ebenso wenig zu sparen bereit sei wie in der „Breite des Landestheater-Angebots“. Bisher seien keine betriebsbedingten Kündigungen erforderlich gewesen „Das Betriebsklima ist intakt – und das wird auch so bleiben.“

Reimer Tonder (Wählergemeinschaft Husum) fasste das ganze Dilemma in einer Frage zusammen: „Wenn wir als Stadt helfen wollen, dann kostet das Geld. Macht es da nicht viel mehr Sinn, wenn wir auch kündigen, um neu verhandeln zu können?“ Grisebach bestätigte das, sagte aber auch: So sei das, wenn sich einer unsolidarisch verhalte. „Dann haben auch die Solidarischen das Nachsehen.“

Aber vielleicht wird ja wirklich alles gut. Grisebach will auch noch einmal mit den Verantwortlichen des Nordsee-Congress-Centrums sprechen. Das NCC hatte das Landestheater als Spielort aufgegeben, weil „lebendiges Sprechtheater“ (also ohne elektronische Verstärkung) dort laut Grisebach nicht möglich ist.

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erstellt am 04.Feb.2016 | 19:00 Uhr

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