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Hilfe im Advent : Wenn Spenden die letzte Rettung sind

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hilfe im Advent: Der „Bürgerfonds – Flensburg hilft“ unterstützt Menschen in verschiedenen Notlagen.

shz.de von
erstellt am 27.Nov.2015 | 18:34 Uhr

Flensburg | Die Hilfe im Advent, die heute startet, ist dieses Jahr Hilfsaktion für Kinder und Familien. Der Verein Schutzengel, der Kinderschutzbund, der Kinderhospizdienst beim Katharinen-Hospiz am Park und der Bürgerfonds „Flensburg hilft“ von Diakonischem Werk, Stadt und Tageblatt haben sich zum zweiten Mal zusammengetan, um die Adventshilfe Kindern und Familien in Notlagen in Flensburg und Umgebung zukommen zu lassen.

Ruth Matuschek* ist alleinerziehende Mutter von sechs Kindern. Zwei von ihnen leben noch zu Hause und müssen von der Mitte 50-Jährigen unterstützt werden. Unterhalt von ihrem Vater bekommen sie nicht, ihre Mutter musste bis Ende August mit einem 450-Euro-Job im Altenheim und Arbeitslosengeld II über die Runden kommen. Seit Oktober macht sie eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin. Ein Jahr dauert diese und Matuschek ist sich sicher, dass sie im Anschluss übernommen wird. Die Zukunft scheint gesichert zu sein. Doch der Schein trügt. Der Haken an der Sache ist das Gehalt, denn sie hat in der Ausbildung 200 Euro im Monat weniger zur Verfügung als vorher. Und damit über die Runden zu kommen, ist für sie und ihre beiden unterhaltspflichigen Kinder fast unmöglich. Durch den Bürgerfonds von Diakonischem Werk, Stadt und Tageblatt bekommt sie Geld.

Vor zwei Monaten hat sie sich an die „Treppe“ gewandt und Frauenberaterin Alexandra Kaiser von ihren Sorgen und Schwierigkeiten erzählt. Ende August habe sie zum letzten Mal Arbeitslosengeld bekommen und sei in Mietdruck geraten, erklärt Kaiser. Als sich die Mutter von ihrem Mann getrennt hat, gab es an Heiligabend weder einen Weihnachtsbaum noch Geschenke für die Kinder. „Daran erinnern sich die beiden Jüngsten noch heute“, sagt sie traurig.

Sie kämpft mit den Tränen, als sie erzählt, dass sie die Ausbildung ohne Hilfe abbrechen und dann wieder vom Arbeitslosengeld leben muss – aber das möchte sie auf keinen Fall. Monat für Monat bangt sie um ihre finanzielle Situation. „Der Dezember ist durch den Bürgerfonds gerettet“, macht Frauenberaterin Kaiser ihr Mut. Doch was im Januar passiert, steht in den Sternen. Matuschek fühlt sich allein gelassen. „Das Jobcenter zahlt lieber Arbeitslosengeld, anstatt mich bis zum Abschluss meiner Ausbildung zu unterstützen“, erzählt sie. „Es gibt keine Beihilfe“, fügt Kaiser hinzu. Die „Treppe“ und andere soziale Einrichtungen müssen das aufrecht erhalten, was der Staat nicht leistet.

Auch die Beraterinnen des Tagestreffs nutzen die Spenden des Bürgerfonds, um damit wohnungslosen Männern unter die Arme zu greifen. „Meist wird das Geld für kleinere Ausgaben verwendet“, sagt Beraterin Michaela Ketelsen. So brauchen die Männer einen neuen Ausweis, wenn der alte gestohlen wurde, oder eine besondere medizinische Behandlung. „Einmal bat ein alleinerziehender Vater um Kleidung für seinen 15-jährigen Sohn, der einen Wachstumsschub hatte und dem danach die Hosen nicht mehr passten“, so Ketelsen. Nach dem Einkaufsbummel seien Vater und Sohn am Nikolaikirchhof 19a vorbeigekommen und hätten strahlend die neuen Sachen präsentiert.

Damit der Bürgerfonds auch im kommenden Jahr wieder möglichst vielen Flensburgern in Not helfen kann, sind Kaiser und Ketelsen sowie all die anderen Menschen in den Beratungsstellen der Stadt auf die Spenden der Bürger angewiesen. „Nur durch die Spenden können wir diese Menschen unterstützen“, sagt Ketelsen dankbar.

*Name von der Redaktion geändert.

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