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Wenn Kinder sich die Zukunft malen könnten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Images of childhood and future“: Ausstellung in der Dänischen Zentralbibliothek und interdisziplinäre Tagung

„Wie stellst du dir deine Zukunft vor?“ Diese Frage wurde seit drei Jahren vielen deutschen, dänischen und ghanaischen Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren gestellt. Zunächst wurden mit den Teenagern unter ihnen Interviews über ihre Vorstellung vom Leben als Erwachsene geführt, doch schnell wurde klar, dass sich eine andere Ausdrucksform besser eignet, um die gesamte Zielgruppe anzusprechen.

Die Kinder sollten ihr Selbstbild der Zukunft visuell ausdrücken. „Entweder als Zeichnung, was ja auch eine anthropologische Konstante ist, oder durch Fotografien. Diese sind ebenfalls allgegenwärtig“, erklärt Prof. Sandra Rademacher von der Europa-Universität das Vorgehen. Die Idee zu dem Forschungsprojekt habe sich schon 2013 begonnen zu entwickeln, erzählt ihre Kollegin Prof. Andrea Kleeberg-Niepage. Da nämlich hatte der ghanaische Prof. Yaw Ofosu-Kusi von der Universität in Winneba eine Gastprofessur in Flensburg inne. „Er beschäftigte sich wie wir mit den ’New Childhood Studies’. Wir wollen nicht einfach über Kinder forschen, sondern mit ihnen“, so Kleeberg-Niepage.

Das Projekt wurde auf Ghana und Dänemark ausgeweitet, um kulturübergreifend arbeiten zu können. Die Kinder sollten ihre Zukunftsvision von sich auf einem weißen Blatt positionieren. Dabei fallen erste Unterschiede auf: „Die deutschen Kinder nahmen das Papier quer und malten bunt viele verschiedene Szenerien auf. Von Sachen, die passieren könnten, aber auch Dinge, die sie nicht wollen“, sagt Rademacher.

Die ghanaischen Kinder malten meist eine kleine Figur irgendwo auf ihrem Blatt. „Diese war in aller Regel sehr detailliert dargestellt und mit gewissen beruflichen Insignien ausgestattet“, erzählt sie weiter. Kleeberg-Niepage ergänzt: „Es waren auch nicht die gängigen Berufe des Landes dargestellt, sondern eher Lehrer, Polizisten, Ärzte. Alles Arbeiten, die ein gutes, soziales Ansehen haben, bei denen man etwas verdient und die einen gewissen Grad an Macht mit sich bringen.“

Bei den Fotografien fiel das Verhältnis von Subjekten mit der Welt auf: Während auf den Bildern, die in Ghana entstanden, häufig Menschen zu sehen sind, diese aber wie zufällig und häufig abgeschnitten abgebildet sind, tauchen auf den Fotos der deutschen Kinder kaum Menschen auf. Wenn, dann oft von hinten. „Es wurden mehr Umgebungen fotografiert“, so Rademacher, „leere Spielplätze oder Sporthallen. Oder Kleidung, die auf den Boden gelegt wurde. Und Playmobil-Figuren! Mit denen wurden häufig ganze Familien und Szenen dargestellt.“

Alle Bilder und Fotografien sind nun in der Ausstellung „Zukunft im Bild. Jetzt“ in der Dänischen Zentralbibliothek zu sehen. Kuratiert wurden die Bilder und Fotografien von Künstlern der Freien Landesakademie Kunst aus Freiburg.

Zur Eröffnung der Ausstellung, die bis zum 21. Juli zu sehen ist, fand am Wochenende eine Tagung der Europa-Uni Flensburg und der University of Education in Winneba mit dem Titel „Images of childhood and future: Cross-cultural perspectives“ statt. „Es geht um ’images’, also Vorstellungsweisen von Kindern und ihrer Zukunft“, so Kleeberg-Niepage. Durch die Beiträge wird ein interdisziplinäres Publikum angesprochen: „Egal, ob aus der Kunst, der Psychologie, Soziologie, Erziehungs- oder Sozialwissenschaft – die Vorträge sind für alle spannend, die sich mit Kindheitsforschung beschäftigen“, erklärt Rademacher. Die Wissenschaftler stellen ihre Forschung zu Themen wie dem kindlichen Sprachgebrauch in den sozialen Medien, das Erfassen der Zukunft durch kreatives Schreiben oder die Wahrnehmung von Hoffnung in der Adoleszenz in Afghanistan vor. Sie waren bemüht, provokante Themen in die Tagung aufzunehmen, sagt Kleeberg-Niepage mit einem Lächeln. „Wenn wir uns alle immer einig wären, müssten wir uns ja nicht treffen.“

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erstellt am 02.Jul.2017 | 14:34 Uhr

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