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Weihnachts- kontra Wochenmarkt : „Wenn ein Stand umfällt, fallen sie alle um“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tourismus-Agentur und Stadt Flensburg rechtfertigen die Umsiedlung des Wochenmarktes in die Große Straße

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2017 | 06:52 Uhr

Gefahr erkannt – und schon bald verbannt? „Wir haben ein Sicherheitsproblem, das müssen wir entschärfen.“ Das sagt Flensburgs oberster Touristiker Gorm Casper zu der bevorstehenden temporären Umsiedlung des Wochenmarktes in Große Straße und Nordermarkt. Die Maßnahme (wir berichteten) ist von den Betroffenen stark kritisiert worden, auch bei vielen Kunden auf Unverständnis gestoßen.

Casper ist Geschäftsführer der Tourismus-Agentur Flensburger Förde (Taff), die den Weihnachtsmarkt organisiert. Nach seiner Einschätzung könne man es nicht länger verantworten, zwischen 1. Advent und Heiligabend die Stände der Wochenmarkt-Händler rund um den Weihnachtsmarkt zu gruppieren. Enge und Gedränge würden angesichts der jährlich wachsenden Zahl von Anbietern immer dramatischere Formen annehmen. „Man mag sich nicht vorstellen, dass dort eine Panik ausbricht, selbst ein zurücksetzender Wagen stellt schon ein Unfallrisiko dar.“ Gorm Casper sieht das Szenario eines Domino-Effekts vor seinem geistigen Auge: „Wenn ein Stand umfällt, fallen sie alle um.“

Im Einklang mit Stadtsprecher Clemens Teschendorf dementiert er kursierende Vermutungen, er wolle den Weihnachtsmarkt ausweiten, weil dies finanziell lukrativer sei. „Das ist völliger Humbug!“ Es werde keine weiteren Buden auf dem Südermarkt geben.“ Teschendorf ergänzt: „Die Situation hat sich doch zugespitzt, weil der Weihnachtsmarkt immer mehr Zulauf an Menschen hat.“ Die starke Anziehungskraft strahle aus bis nach Dänemark. „Das bringt viel Kaufkraft und viele zusätzliche Kunden.“

Unterdessen meldet sich auch die Flensburger Gilde zu Wort: „Unglaublich“, wettert deren Vorsitzender Jens Drews, „was die Stadtverwaltung sich da leistet.“ Insbesondere beklagt er die Kurzfristigkeit der Entscheidung und mangelnde Kommunikation. „Offenbar wurde vergessen, die Geschäftsleute der Innenstadt mit in die Diskussion einzubeziehen.“ Das wird nun im Nachgang zu unserem Artikel vom Montag bei einem Runden Tisch im Rathaus geschehen, bei der alle Beteiligten gehört werden sollen (siehe Info-Box).

Die Kaufleute befürchten, dass Stände und Wagen ihre Schaufensterfronten noch weiter zustellen werden als bisher. Teschendorf versucht zu beruhigen. „Wir wollen sowohl Gilde als auch IG Flensburg City konstruktiv mitnehmen bei der Planung, wie man Stände optimal stellen kann.“

Doch er übt auch Selbstkritik im Namen der Stadt. Man habe aus dem aktuellen Vorgang nämlich eine Erkenntnis gewonnen: „Im nächsten Jahr dürfen wir das Problem nicht erst im Oktober lösen.“ Unter Umständen wird ja bei dem Sondierungsgespräch morgen schon ein Anfang gemacht. Doch der Stadtsprecher weiß auch: „Klar ist, dass sich nach diesem Treffen nicht alle als Gewinner fühlen werden.“

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