Bundeswehr-Schließungen : Wenn die Lager Trauer tragen

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Die frühere Standortverwaltung (STOV) an der Meiereistraße wurde von den Schließungsplänen kalt erwischt / Termine stehen noch aus

shz.de von
05. November 2011, 06:13 Uhr

Flensburg | Seit 2007 gehörte die bekannte Abkürzung "STOV" der Vergangenheit an. Aus der Standortverwaltung wurde das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Flensburg. Nach dem jüngsten Streichkonzert des Verteidigungsministers ist jedoch auch das BwDLZ, so die offizielle Abkürzung, bald Geschichte. Es wird ebenso wie das Flottenkommando und der Fernmeldebereich 91 aufgelöst.

Die Dienstleister an der Meiereistraße mit ihren Warenlagern stehen weit weniger im Fokus der Öffentlichkeit als die Marineschule, die Schule Strategische Aufklärung oder das Flottenkommando. Doch es sind immerhin 400 Dienstposten, die hier zur Disposition stehen. Darunter ist kein einziger militärisch; bei der früheren STOV arbeiten nur zivile Mitarbeiter, darunter ungelernte Arbeiter ebenso wie Maler, Elektriker, Gärtner und Köche, aber auch Verwaltungs- und Büroangestellte sowie Beamte des mittleren und gehobenen Dienstes.

Völlig unerwartet kam die Nachricht von der Schließung nicht. "Entweder Husum oder wir", benannte die Behördenleiterin Gunda Lorenzen die Alternative, vor der man stand. Diesmal sei nichts vorher durchgesickert, und so erfuhr die Regierungsoberamtsrätin am Mittwoch vergangener Woche um kurz nach 10 per Mail von der Bonner Hardt-Höhe, dass die Tage der unscheinbaren Dienststelle in Flensburgs Neustadt gezählt seien. Mit "Erschrecken und Enttäuschung" habe man die bittere Nachricht aufgenommen.

Wie viele und welche Mitarbeiter in welcher Weise von den Schließungsplänen betroffen sind - all das kann Gunda Lorenzen noch nicht sagen. Die Aufgaben würden voraussichtlich auf die verbleibenden Dienstleistungszentren in Kiel, Plön und Husum verteilt; Itzehoe wird ebenfalls geschlossen. Allerdings gibt es eine Reihe konkreter Aufgaben und Tätigkeiten, die hier vor Ort in Flensburg und an anderen Standorten erledigt werden müssen.

Das BwDLZ nimmt der Truppe all jene lästigen Arbeiten ab, die nichts mit dem militärischen Auftrag zu tun haben, aber nun mal gemacht werden müssen: Personal- und Finanzverwaltung, Betreuung und Instandhaltung der Immobilien, Logistik und Lagerhaltung, Organisation von Dienstreisen, Bereitstellung der Verpflegung. An der Meiereistraße selbst gibt es neben einem Büroblock aus den 30er Jahren ein Materiallager, wo Lagerleiter Peter Gosch und seine drei Kollegen von Filtertüten der Größe 202 über Reinigungsmittel und Straßenbesen bis hin zu Fahnen etlicher Nationalitäten bevorraten, verwalten und auf Anforderung ausliefern.

Die Zuständigkeit der Meiereistraße reicht bis nach Jagel und Kropp; hier betreuen Gunda Lorenzen und ihre Behörde das Aufklärungsgeschwader Immelmann. Daneben sind sie zuständig für das Kreiswehrersatzamt Schleswig und die Marinefunkstelle Hürup, die beide aufgelöst werden. In Flensburg betreut das BwDLZ die Marineschule, die Schule Strategische Aufklärung, das Sanitätszentrum, das Flottenkommando und den Fernmeldebereich 91; die beiden letztgenannten fallen weg.

"Wir müssen jetzt die Detailplanung abwarten", sagt Gunda Lorenzen; erst dann könne man mehr sagen. Es gebe auch Mitarbeiter, die der Auflösung der Behörde positiv gegenüber stehen. "Das sind die, die gern vorzeitig ausscheiden würden", so Lorenzen. Da greife dann eine Härtefallregelung. Bei allen anderen Personalmaßnahmen werde streng nach Sozialkriterien vorgegangen; dabei spiele Alter, Familienstand und Zahl der Kinder eine Rolle. Lagerleiter Peter Gosch hat noch zwei Jahre; er hofft, dass er die noch an der Meiereistraße absolvieren kann und nicht kurz vorm Ruhestand noch versetzt wird.

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