Wenn der Strand nicht zum Besuch einlädt

<p>Zahlungsaufforderung am Eingang zur Surfschule. Die aber hat geschlossen und sieht marode aus. </p>

Zahlungsaufforderung am Eingang zur Surfschule. Die aber hat geschlossen und sieht marode aus.

Glücksburger beklagen sich über die schlechte Pflege der öffentlichen Bereiche

shz.de von
16. Juni 2018, 16:30 Uhr

Wenn zwei sich streiten, leidet der Badegast. So wie Leserin Martina Lüpke. In einer E-Mail an die Redaktion schildert sie ihr Befremden über die Situation am gebührenpflichtigen Strand von Holnis. Vieles ist kaputt, zugewachsen oder steht leer. „Und dafür soll man auch noch bezahlen?“, fragt sie.

Über die Ursache wurde bereits berichtet. Pächter Jan Festersen sieht einen Vertragsbruch seitens der Stadt und fordert eine Entschädigung. Die Stadt hat Räumungsklage gegen ihn erhoben. Der Fall beschäftigt das Landgericht in Flensburg. Bis zu einem Urteil können noch eineinhalb Jahre vergehen.

Vor Ort sieht es folgendermaßen aus. Wer hungrig nach Holnis-Drei kommt, stößt gleich vorne am Wendekreis auf Wiebke Volquardsens Strandcafé. Öffnungszeiten: 8 bis 18 Uhr. Das Strandcafé ist nicht nur ein sehr gut geplanter Ort. Es ist zugleich der Stein des Anstoßes. Die „Konkurrenz“, die laut Festersen nicht hätte von der Stadt genehmigt werden dürfen. Eine Anwohnerin findet allerdings: „So etwas hat hier gefehlt. Gepflegt, mal was anderes als Pommes aus der Bretterbude.“

Festersens Stil ist in der Tat einfacher. Das ist nachvollziehbar. Anders als Volquardsen, der auch der benachbarte Campingplatz und das Strandhaus gehören, ist Festersen nicht Eigentümer, sondern Pächter. Seine Buden stehen direkt auf dem Strand und sind aus Holz. Das Häuschen am Eingang Holnis-Drei hat er um eine Holzterrasse erweitert. Sie ist instand gesetzt, geöffnet von 9 bis 17 Uhr. Es gibt Currywurst mit Pommes, Kaffee und Kuchen, Eis und Getränke. Drum herum sieht es weniger gut aus. Eine Duschwand mit verblichener Werbung lädt zum Wegschauen ein. Festersen will nach der Räumungsklage nicht mehr investieren. Die Stadt moniert den Zustand. „Die Gebäude sprechen für sich“, findet Bürgermeisterin Kristina Franke.

Und wie sieht es mit Strandkörben aus? Etwa 35 Stück stehen auf dem Strand. Sie sind überwiegend für Stammgäste der nahe gelegenen Ferienunterkünfte, ist zu erfahren. Frank Friede vom früheren Hotel Drei, jetzt „Lodge am Meer“, hat ein paar abbekommen und zeigt sich verständnisvoll. Jan Festersen spiele immerhin mit offenen Karten. Die Stadt hingegen verhalte sich widersprüchlich. Ihren Pflichten wie Hecken schneiden, Parksituation regeln komme sie nur zögerlich nach. Kurabgabe und Gewerbesteuer dagegen fordere sie sehr pünktlich ab. Torsten Komnik vom Strandhof Holnis sieht es ähnlich: Die Badezone wurde zu spät eingerichtet, die Bänke nicht aufgestellt – alles Aufgaben der Stadt.

Die blau gestrichene Brötchenbude von Festersen 400 Meter weiter nördlich hat geschlossen und wird es in diesem Sommer auch bleiben. Der Strand-Pavillon, ein festes Gebäude mit noch nicht besetzter DLRG-Wachstation, ist ebenfalls geschlossen. Ein Weg zur Dusche ist zugewuchert, gepflasterte Wege bröckeln. Das Gebäude wird von der Stadt unterhalten, gehört zur Pachtmasse. Festersen hat eine schöne Terrasse gebaut, bewirtschaftet sie aber schon seit längerem nicht. „Die Leute kommen nicht mehr, seitdem vorne das Strandcafé steht“, sagt er. Die Surfschule am nördlichen Ende des gebührenpflichtigen Strandes ist ebenfalls geschlossen. Eine benachbarte Bretterbude ist von einem Gerüst umgeben. „Ich müsste 25 000 bis 40 000 Euro pro Jahr für neues Surf-Material investieren. Das mache ich zur Zeit nicht.“

Fazit: Die Beobachtungen unserer Leserin sind eins zu eins zutreffend. Festersen und die Stadt schieben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Wenn zwei sich streiten – muss sich der Besucher in Holnis in diesem Jahr wohl mit dem Meer und einem sauberen Strand begnügen. Die Strandreinigung, ausgeführt von Dirk Herrmann von Ferienhof Op de Dry, im Auftrag der Stadt funktioniert. Der Tourismusausschuss, der sich gerade neu gebildet hat, wird eventuell über eine Reduzierung der Strandgebühr beraten. Sie beträgt 2,60 Euro und die Zahlung wird laut Festersen täglich kontrolliert.

Strandbewirtschaftung in Glücksburg scheint kein einfaches Geschäft zu sein. Das Strandhotel hat zum Mai 2019 seinen Vertrag gekündigt. Markus Schiller, Hoteldirektor, sagt: „Ertrag und Aufwand stehen in keinem Verhältnis. Wir wollen uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren.“



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