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Rettungsdienst in Flensburg : Wenn der Notarzt nicht mehr kommt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Knapp 3000 Einsätze im vergangenen Jahr: Rettungsdienst verzeichnet weiter steigende Zahlen - Plädoyer für zweiten Notarzt-Wagen.

Er lässt nicht locker. Seit über zwei Jahren mahnt Karsten Sörensen eine teure Anschaffung an: den zweiten Notarztwagen für Flensburg. Als bürgerschaftliches Mitglied sitzt der CDU-Politiker im Ausschuss für Bürgerservice, Schutz und Ordnung. Anfang 2015 mit einem Vorstoß, aber der Ball ist immer noch im Spiel – die neuesten Zahlen sind auf seiner Seite. Carsten Herzog, Chef der für den Rettungsdienst zuständigen Flensburger Berufsfeuerwehr sagt: „Perspektivisch sehe ich das kommen.“

Auf Betreiben der CDU wurden 2016 in der Einsagtzstatistik erstmals auch die Fälle abgebildet, in denen der Flensburger Notarzt nicht zur Stelle sein konnte, weil er woanders im Einsatz war. Das geschieht statistisch gesehen zweieinhalb Mal pro Woche. „Das sind 120 Tage im Jahr“, verdeutlicht Herzog. „Und das ist viel.“

Dass der Flensburger Notarzt bei jährlich 120 Einsätzen passen muss, bedeutet nicht, dass keine Hilfe kommt. In Fällen wie diesen greift die Einsatzleitstelle in Harrislee auf die in Kappeln, Schleswig oder Niebüll stationierten Notfallmediziner zurück. Die können auf der Straße, aber auch auf dem Luftweg in Marsch gesetzt werden. In Niebüll steht tagsüber der Helikopter „Chistoph Europa V“ der DRF-Luftrettuung bereit, ab Rendsburg fliegt – auch nachts – der DRF-Hubschrauber „Christoph 42“. Sie sind schnell vor Ort, aber sie brauchen bis zu 20 Minuten Vorlaufzeit. Und das ist dann in der Summe oftmals nicht viel schneller als auf dem Landweg. „Mit Sonderrechten schafft ein NEF (Notarzt-Einsatzfahrzeug, d. Red.) die Strecke von Schleswig nach Flensburg in 25 Minuten“, so Herzog. „Bei Glatteis und Schnee natürlich entsprechend länger.“ Das birgt Risiken, Herzog weiß das. Es sei ja nun aber nicht so, dass sich Amateure im Rettungswagen auf den Weg machen. „Das sind sehr gut ausgebildete Notfallsanitäter mit schon recht weitreichenden Befugnissen. Die wissen, was zu tun ist, bis der Notarzt kommt.“ Eine zweite Frage dürfte sein, ob sich überhaupt genügend Ärzte für den zweiten Notarztwagen finden. „Das sind 24 Stunden-Bereitschaften, 365 Tage im Jahr. Die werden von 30 Flensburger Klinikärzten sichergestellt – ein Glücksfall für die Stadt“, sagt der Feuerwehrchef. Vielleicht, meint Herzog, würde auch ein Zwölf-Stunden-Modell reichen.

2016 wurden in Flensburg 2929 Mal Rettungswagen angefordert (fast 200 mehr als im Vorjahr), bei vielen Kommunen, so der Politiker Karsten Sörensen, liege die kritische Grenze bei 3000 Einsätzen. Von Alarmismus sei er weit entfernt. „Aber wir alle wissen, dass die demografische Entwicklung weiteren Druck aufbauen wird. Wir sollten bereit sein und den zweiten Notarztwagen rechtzeitig auf den Weg bringen.“

Der erste Schritt ist vollzogen.Erstmals hat ein Gutachter die Evaluierung der Zahlen übernommen, die Krankenkasse werden die Flensburger Zahlen von jetzt an regelmäßig prüfen. Nur bei einem gutachterlichen „Go“ darf Flensburg die Kosten – über 700.000 Euro jährlich – mit den Kassen abrechnen. Noch hat Flensburg diese Schallmauer nicht durchbrochen, „die Vorhaltung eines zweiten würde zu erheblichen Unwirtschaftlichkeiten führen und wird daher (.  .  .) nicht befürwortet“, schreibt Dr. Emil Betzler vom Bonner Rettungsdienst-Spezialisten Forplan. Aber das kann sich schnell ändern. „Ich bin noch zehn Jahre im Dienst“, sagt Carsten Herzog. „Und ich bin sicher, in dieser Zeit werde ich den zweiten Notarztwagen noch erleben.“

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erstellt am 04.Aug.2017 | 06:23 Uhr

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