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Flensburger Tageblatt

24. November 2017 | 01:31 Uhr

Wenn der Crewbolzen qualmt . . .

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Fähnrichscherz an der Marineschule: Offiziersanwärter verlegten Löschübung der Freiwilligen Wehr Engelsby auf den Musterungsplatz

shz.de von
erstellt am 19.Mai.2016 | 18:35 Uhr

Da! Der da! Der im Tarnfleck. Naht da der Crewbolzen? Nein. Das ist der Oberstaabsbootsmann. Wachdienst. Der tut nix. Also nicht gar nichts. Der tut was, wenn man ihm Grund gibt.

15 Uhr, Freigelände der Marineschule. Alles, was sich bewegt, macht sich verdächtig. Wieder einmal hat die ehrwürdige Ausbildungsstätte aller deutschen Marineoffiziere seit 1910 einen Jahrgang für den Dienst an Bord ausgebildet. Ganz frisch fertig: die Crew VII/15. Von ihr könnte Gefahr ausgehen. Immer wieder am Ende der Ausbildung, sind die Schulchefs gut beraten, jederzeit volle Deckung suchen zu können. Es droht der Crewbolzen, traditionell der Abschiedsstreich der Seekadetten.

Bleierne Stille über dem prächtigen Gelände. Tolle Bauten. Und erst der Blick! Blauer Himmel, weiße Wolken, darunter neugotische Backsteinpracht. Hallo? Was machen denn die beiden Transporter von der Entrümpelungsfirma? Schule ist doch gerade fertig saniert? Ah, fahren wieder weg. Wahrscheinlich kein Gerümpel gefunden. Piept’s da nicht irgendwo? Blick zum Oberstabsbootsmann. Der steht fest wie ein Leuchtfeuer. Total unbeeindruckt. Ebenso das zivil-militärische Vierergrüppchen, das den Südhof passiert und dann in Richtung Bootshafen verschwindet. Ganz ungerührt. Die lachen sogar, obwohl es doch so nervenzerfetzend piept. Aus den weit geöffneten Fenstern des Kasernengebäudes nämlich, aus denen auch gerade dichter schwarzer Qualm quillt.

116 Jahre Crewbolzen in 116 Jahren Marineschule haben beim Führungspersonal offenbar jenes für unerschütterliche Gelassenheit verantwortliche Gen aktiviert, das Eltern davor bewahrt, als Respektpersonen mit Mann und Maus unterzugehen. Flottillenadmiral Carsten Stawitzki, der gerade sein Hauptquartier verlässt, hat kaum einen Blick für die langsam nachlassende Rauchentwicklung. Warum auch; die Engelsbyer Feuerwehr ist ja längst da, und an das Piepen der Brandmeldeanlage hat man sich nach fünf Minuten ohnehin gewöhnt. Stawitzki schlendert zum Oberstabsbootsmann, vermutlich verlangt er einen Lagebericht.

Die „Lage“ biegt derweil ohne Tritt marsch von der Admiralswiese im Norden kommend auf den Südhof ein, wo die Feuerwehr so tut, als ob sie ein Feuer löscht. Eine verschworene Ko-Produktion zwischen dem Bolzen-Komitee der Fähnrichscrew und der Freiwilligen Wehr von Engelsby. Der Flottillenadmiral verzichtet angesichts der etwas unaufgeräumten Situation vor Ort darauf, die Kadetten stramm stehen zu lassen. Grund genug hätte er gehabt, denn eine der konspirativ besorgten Rauchbomben, die für die Spezialeffekte herhalten mussten, hatten die Fähnriche in Stube 403 gezündet. 403! Ausgerechnet! Stube 403 war 1985 Quartier eines gewissen Offiziersanwärters Stawitzki, der 2013 die ganze Schule als Kommandeur übernehmen würde.

Am 18. Mai 2016 hielt dieser Kommandeur gemeinsam mit dem bolzenrechtlich verantwortlichen Hauptgefreiten Friedrich Hofmann das Faksimile eines Schecks in die Luft, auf dem eine Summe von 1500 Euro eingetragen war. Gestiftet von den Offiziersanwärtern der Crew VII/15 für die Freiwillige Feuerwehr Engelsby, bei der Stawitzki durchaus Parallelen zur Marine ausmachen konnte. Die sei schließlich irgendwie auch nur für den Fall da, dass etwas passiert. Aus Dank und Solidarität gab’s dafür auf Admiralsbefehl drei donnernde Hurras auf die Feuerwehr.

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