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Unternehmensnachfolge in SH : Wenn das eigene Unternehmen ein Traum bleibt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wenn Thomas Reimann (Name geändert) hört, dass Unternehmer sich um die Betriebs-Nachfolge sorgen, ist er entsetzt und frustriert zugleich: Er würde gern einen Betrieb übernehmen, er findet aber keinen.

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2015 | 11:50 Uhr

Flensburg | Immer wenn Thomas Reimann* in der Zeitung liest, dass ein Unternehmer keinen Nachfolger findet, versteht er die Welt nicht mehr. Liest er die Texte, verschwindet das Grinsen aus seinem Gesicht. Reimann ist auf der Suche nach einem passenden Unternehmen, das er übernehmen kann. Doch obwohl tausende Betriebe in Schleswig-Holstein in den kommenden Jahren einen neuen Chef brauchen, ist der Traum vom eigenen Unternehmen noch in weiter Ferne.

Dabei hat er viel versucht: Er hat sich an die IHK gewendet, es über die Unternehmensbörse „nexxtchange“ versucht, mit seiner Bank gesprochen und einen Unternehmensberater konsultiert. „Ich habe das Gefühl, ich trete auf der Stelle.“ Was ihn vor allem frustriert: Er hat mehrere Unternehmer über „nexxtchange“ angeschrieben. Oftmals kam nicht einmal eine Rückmeldung. 2010 war er sich hingegen fast mit einem Unternehmer einig – es ging um einen Betrieb für Metallbeschichtung im südlichen Schleswig-Holstein. Kurz vor der Unterschrift zog der Senior-Chef zurück. Er wollte doch noch einige Jahre dranhängen.

Auch wenn es auf den ersten Blick überrascht: Reimanns Schicksal deckt sich mit Zahlen der landesweiten IHK-Unternehmensbörse, in der derzeit etwa 60 Datensätze gelistet sind. Fast zwei Drittel sind Suchende. Die Suche wird offensichtlich schwieriger, für die derzeitigen Unternehmer ist die Zunahme an potenziellen Übernehmern eine positive Nachricht.

Unterhält man sich mit Reimann über seine Pläne, drängt sich nicht der Eindruck auf, dass man es mit einem realitätsfernen Phantast zu tun hat. „Ich bin nicht in der Situation, dass ich muss. Aber ich würde gerne“, sagt der Betriebswirt. Für das eigene Unternehmen würde er viel aufgeben. Das ist ihm bewusst. Er arbeitet in verantwortlicher Position, führt eine zweistellige Anzahl an Mitarbeitern. Auf sein sicheres Gehalt müsste er verzichten, stattdessen sogar investieren. Zwischen 150  000 und 200  000 Euro plant er ein, „abhängig natürlich vom jeweiligen Unternehmen, von der Anzahl und Substanz der Maschinen und so weiter“. Ein eigener Betrieb würde auch das Familienleben verändern. Seine Familie stünde hinter ihm.

Reimann bezeichnet sich selbst als Allrounder, er hat intensive Vertriebserfahrung. Das Handwerk sei seine Leidenschaft, sagt er. Deswegen sieht er sich mit einem eigenen Unternehmen im Bereich der Dienstleistung – zum Beispiel in der Montage und Vertrieb von Bauelementen.

Schon seit mehreren Jahren ist Reimann auf der Suche. In der vergangenen Woche gab es das erste Mal wieder Grund zur Hoffnung. Ein erstes Gespräch mit einem Unternehmer fand statt. „Das war positiv, aber es ist noch alles offen“, sagt Reimann. Sollte es nichts werden, gibt er sich für die Suche noch zwei Jahre. Maximal. Dann ist er Mitte 50. „Ansonsten müsste ich ja schon wieder über meine eigene Nachfolge nachdenken“, sagt er. Auch wenn in seinem Spaß viel Ernst steckt – in diesem Moment huscht dann doch wieder ein Grinsen über sein Gesicht.


* Name geändert.

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