Glücksburg : Wem gehört der Strand?

In Ermangelung von Strandkörben tragen die Urlauberinnen Karin Becker (l.),und Gabi Schitter aus Bad Kreuznach ihre Campingstühle an den Strand von Holnis.
In Ermangelung von Strandkörben tragen die Urlauberinnen Karin Becker (l.),und Gabi Schitter aus Bad Kreuznach ihre Campingstühle an den Strand von Holnis.

Die Stadt Glücksburg streitet vor Gericht mit einem Pächter über einen Strandabschnitt auf Holnis.

shz.de von
25. Mai 2018, 12:30 Uhr

Glücksburg | Am gebührenpflichtigen Strand von Holnis zwischen Drei und Surfschule wird dem Besucher außer schönem Wetter zurzeit wenig geboten. Keine Tretboote, keine Strandkörbe, die Surfschule und die Brötchenbude haben geschlossen. Der Pächter Jan Festersen beschränkt sich auf das Nötigste. Die Stadt reinigt den Strand von Seegras. Beide Parteien befinden sich im Rechtstreit. Am Mittwoch war der erste Verhandlungstag im Amtsgericht Flensburg. Die Stadt hat Räumungsklage gegen Festersen gestellt. Einen Vertrag von 2003 möchte sie nicht anerkennen.

Richter Birger Bonin schilderte den verworrenen Fall: Die Stadt hatte 2011 den Campingplatz von Holnis und angrenzende Flächen an die frühere Campingplatz-Pächterin Wiebke Volquardsen verkauft. Volquardsen, die der Verhandlung als Zuhörerin beiwohnte, errichtete 2016 ein Strandcafé unweit der Imbissbude von Jan Festersen. Dieser sah daraufhin einen Konkurrenzschutz gebrochen, der ebenfalls im genannten Vertrag festgesetzt war. Er forderte Schadensersatz von der Stadt, für 2017 um die 150 000 Euro. Seinen Pachtvertrag habe er als langfristig verstanden, bis in die nächste Generation. Andernfalls hätte er nicht investiert. Er habe mehrere Holzhäuser gebaut. Hätte man ihm eine angemessene Entschädigung gezahlt – „wir wären gegangen“, sagte Festersens Anwalt Norbert Heyer aus Hamburg.

Richter Birger Bonin räumte ein, dass besagter Vertrag von Laien geschlossen worden sei. Aus dem Vertrag gehe nicht klar hervor, ob der Pächter ein Verlängerungsrecht um jeweils fünf Jahre habe oder kündbar sei. Es gelte jedoch das Gewollte, nicht das Erklärte, so Bonin. Als Zeugen hatte er den früheren Bürgermeister von Glücksburg, John Witt, eingeladen. Witts Einfluss auf den Vertrag gilt als maßgebend. Doch der Richter schickte Witt nach einer Viertelstunde ohne Befragung nach Hause. Es lag keine gültige Redegenehmigung für den früheren Bürgermeister vor.

Die Vorstellungen von Festersen seien „völlig überzogen“, widersprach der Anwalt der Stadt Glücksburg, Volker Borzeszkowski. Für ein paar selbst gezimmerte Bretterbuden, die einst 400 000 D-Mark gekostet hätten, würden Euro-Beträge in Millionenhöhe verlangt. Der Brötchenverkauf sei mit etwa tausend Stück am Tag angegeben. „Wer soll die alle gegessen haben?“, so der Flensburger Anwalt. Seine Mandantin, Bürgermeisterin Kristina Franke, gab zu bedenken, dass die hoch verschuldete Stadt Glücksburg jede Ausgabe gegenüber der Kommunalaufsicht rechtfertigen müsse. Sie könne nicht einfach so eine Abfindungssumme vereinbaren. „Ich brauche einen richterlichen Beschluss“, sagte sie.

Der Versuch des Richters, eine gütliche Einigung zu erzielen, scheiterte ebenso wie eine vorangegangene Mediation. Der Richter, mit trauriger Miene, meinte, dass nun der „unangenehme Zustand – vor allem für die Stadt“ – noch eineinhalb Jahre weitergehen könne. So lange dauert es unter Umständen, bis ein gültiges Urteil gefällt wird.

Jetzt stehen Beweisaufnahmen an. Nächster Verhandlungstag ist der 18. Juli.

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