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Heimathafen an der Förde : Weltumsegler machen in Flensburg fest

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

14 Jahre waren die Mülllers auf See: Die Familie aus Nordrhein-Westfalen hat sich Flensburg als Heimathafen ausgeguckt.

shz.de von
erstellt am 23.Aug.2014 | 08:56 Uhr

Nordwest-Passage, Grönland, Skandinavien – ein paar Ziele fallen Weltumseglerin Nathalie Müller schon noch ein, die sie mit ihrer Familie und der Marlin bereisen würde. „Doch die Kinder gehen jetzt vor“, nimmt ihr Michael Wnuk das Wort aus dem Mund. Das Paar aus Nordrhein-Westfalen will sich nach 14-jähriger Segelreise in Deutschland niederlassen und hat sich dafür Flensburg ausgesucht. Ab Montag besuchen die Töchter der beiden hier die Waldschule. Das sei eine Schule mit vielen Nationen, erklärt Müller ihren Mädchen, „das passt“.

Lena Wnuk ist sieben Jahre alt und in Südafrika geboren, Maya Wnuk ist neun und kam in Malaysia zur Welt. Die Mädchen haben „immer mal reingeschaut in Schulen“, berichtet Nathalie Müller, auf Kuba etwa und Grenada. Ansonsten habe sie die beiden nach deutschem Lehrplan an Bord unterrichtet – in Mathe, Deutsch und anderen Fächern. „Ich habe mit befreundeten Grundschullehrerinnen geredet und hospitiert“, sagt die 41-Jährige, die in Düsseldorf Medizin studiert hat. Englisch und Spanisch haben Lena und Maya unterwegs aufgesaugt. Wenn die Eltern sich auf Spanisch unterhalten haben, hätten die Kinder alles verstanden, sich nur mit dem Sprechen zurückgehalten. „Doch sobald man um die Ecke ist, sagen sie ganze Sätze auf Spanisch“, hat die Mutter der Mädchen beobachtet.

Ursprünglich haben Nathalie Müller und Michael Wnuk, als sie sich kennen lernten, ein gemeinsames Hobby gesucht, erzählt die Düsseldorferin. Auf den Seen um ihre Heimatstadt haben sie das Segeln begonnen und Segel-Literatur gelesen. „Michael hatte 17 Jahre lang seine Werbe-Agentur“, sagt seine Lebensgefährtin, und dass die Zeit reif für etwas Neues war. „Wir wollten einmal rund um die Welt, sind aber überall zu lange geblieben“, erinnert sich Müller. Sechs Jahre wurden daraus. „Die Welt ist zu schön“, soufflieren die Gäste an Bord und neuen Nachbarn im Gastseglerhafen, die anlässlich der Ankunft der „Marlin“ gestern die Neu-Flensburger empfingen.

Bis auch die jüngere der Töchter alt genug war fürs Segeln um die Welt, haben Nathalie Müller und Michael Wnuk nach der ersten Etappe eine Pause in Deutschland eingelegt. Im September 2011 nahmen sie Fahrt zu ihrer aktuellen Reise auf, die in Buenos Aires begann – damals noch mit der „Iron Lady“.

Mit ihr segelte die vierköpfige Familie nach Patagonien – „super schön“ – und umrundete Kap Hoorn – „am aufregendsten“. Zur Umrundung taten sich die Deutschen mit einem anderen Schiff zusammen, mit dem sie parallel segelten und das doch in den Tälern von fünf, sechs Meter hohen Wellen immer wieder aus der Sicht verschwand. Am Abend wurde doppelt gefeiert, denn da bemerkte das Paar erst, dass auch „Beziehungsjahrestag“ war.

Die Vier steuerten schließlich das chilenische Puerto Montt an, wo sie die Iron Lady verkauften. In Suriname entdeckten sie die Nachfolgerin, die sie flott machten, den Aluminium-Rumpf rot strichen und das Schiff „Marlin“ tauften. Ursprünglich hatte ein Finne die Yacht in der Niederlande bauen lassen, sagt Müller, um mit Frau und Kind die Welt zu umrunden. Krankheit verhinderte das. Es blieb bei der Atlantiküberquerung. Sechs Jahre lang habe das Schiff in einem tropischen Fluss unter einer Plastikplane geschlummert; Fledermäuse, Kakerlaken und „brasilianische Killerbienen“ hatten sich dort eingenistet und erschwerten die Arbeiten am Schiff. Ein Imker musste schließlich nachts kommen, um die Insekten auszuräuchern.

Dann war die Marlin wieder flott, und die Familie segelte ein Jahr lang durch die Karibik, bevor sie die Heimreise antrat. Das Boot mit seinen 60 Fuß und dem Großsegel mit 100 Quadratmetern Segelfläche beschreibt Michael Wnuk als „sicher und unempfindlich gegenüber Wind“. Generator und „Wassermacher“, der Salz und Schadstoffe aus Meereswasser durch eine Membran presst und Trinkwasser gewinnt, machen es autark. Und die Crew – mit einer Ärztin und einem Techniker. Der 50-Jährige aus Moers kennt sich bestens mit Schiffselektronik aus und hat sich spezialisiert auf Geräte, die nicht über Satellit, sondern Kurzwelle Email- und Wetternachrichten dauerhaft zugänglich machen. Wetterprognosen, sagt Wnuk, haben sich in den letzten Jahren enorm verbessert. „Man muss sich nicht mehr in gefährliche Situationen begeben.“ Mit einem Augenzwinkern sagt er: „Wenn schlechtes Wetter ist, nehmen wir die Segel weg. Wenn ganz, ganz schlechtes Wetter ist, schließen wir die Türen und Fenster.“

Ende Mai starteten die Wahl-Flensburger von Jamaika aus die Atlantik-Überquerung – und flogen zeitweilig. Nicht mit dem Flugzeug, sondern mit der Yacht. Auf der „Heimfahrt“ über den Atlantik knackten sie das magische 200-Meilen-Etmal, schafften also bei der Passage von 12 Uhr des einen Tages bis 12 Uhr des nächsten 200 Seemeilen (sogar 201). In ihrem Blog, dem wahren Logbuch, schrieben sie: „Wir müssen nicht über den Atlantik rasen, aber einmal in drei Wochen zu fliegen statt zu segeln ist unbeschreiblich.“

Geschichten haben sie reichlich zu erzählen, so viele, dass demnächst auf ihr erstes Buch – „Meer als ein Traum“ – ein zweites folgt. Dank der Veröffentlichungen im Internet und Segelmagazinen haben Nathalie Müller, Lena, Maya und Michael Wnuk jede Menge Wegbegleiter, mindestens ideelle. Und in Flensburg einige Freunde. Die Marlin ist längst ihr Zuhause geworden und bleibt es zunächst, solange bis Nathalie Müller wieder als Ärztin arbeitet und sich die Familie eine Wohnung mietet. Noch ein Grund, dass die Wahl auf Flensburg fiel, sei die Marina. Deren Sanitäreinrichtungen sind auch im Winter geöffnet. www.sy-marlin.de

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