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Geschenk für Deutsch-Russisches Museum : Weltgeschichte reist von Ort zu Ort

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bernhard Mroß schenkt die hochwertigsten Exponate seiner militärhistorischen Sammlung dem Deutsch-Russischen Museum in Berlin-Karlshorst.

shz.de von
erstellt am 08.Dez.2017 | 06:25 Uhr

Der Harrisleer Bernhard Mroß ist Zeuge der Weltgeschichte. Der 75-Jährige war in den Jahren 1990 und 1991 und von 1995 bis 2001 Dolmetscher der Befehlshaber der Deutschen Marine (VA Raehder, Braun, Horten) und von 1990 bis 1994 in Strausberg und Berlin Chefdolmetscher beim Abzug der sowjetisch-russischen Streitkräfte aus Deutschland.

An diese aufregende Zeit erinnern mannigfaltige Exponate der Privatsammlung des Dolmetscheroffiziers Kapitänleutnant a.D. Die hochwertigsten davon übergab Mroß vor kurzem dem Deutsch-Russischen Museum in Berlin-Karlshorst. Und zwar für die jetzt stattfindende Sonderausstellung zum 50-jährigen Bestehen der Gedenkstätte, die von 1967 bis 1986 „Das Museum der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland“ und von 1986 bis 1994 „Das Museums der bedingungslosen Kapitulation des faschistischen Deutschlands im Großen Vaterländischen Krieg“ genannt wurde. Nach Beendigung der Ausstellung am 7. Januar 2018 verbleiben alle Gegenstände aus Harrislee in Karlshorst für immer aufgehoben.

„Einst habe ich schon viele Sachen ins Museum gegeben, unter anderem zehn Ordner mit Dokumenten und Zeitungsausschnitten aus den Jahren des Abzuges. Und so ist der Museumsdirektor Dr. Jörg Morré auf die Idee gekommen, mich zu bitten, ob ich noch etwas dem Deutsch-Russischen überlassen könnte“, erklärt Mroß, der heute als vereidigter Dolmetscher für Russisch und Polnisch beim Landgerichtsbezirk Flensburg tätig ist.

Da fuhren zwei Fahrzeuge nach Berlin vollgeladen mit verschiedenen Exponaten – von einer russischen Ziehharmonika (Garmoschka) aus Smolensk aus dem Jahre 1942, Sowjetfahnen, Marine-Uniformen und Mützen, verschiedene Waffengattungen bis zum authentischen Zuglaufschild Moskau – Wünsdorf (in diesem Ort südlich von Berlin war das Hauptquartier des Oberkommandos der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland stationiert).

Viele Gegenstände hatte der Dolmetscheroffizier einst von seinen russischen Kameraden geschenkt bekommen. Jeder dieser historischen Schätze hat seine bewegende Geschichte hinter sich. Wie etwa eine Balalaika, eines der Hauptexponate der Ausstellung im Museum, mit der Aufschrift in russischer Sprache: „Möge diese Balalaika nur Märsche des Friedens spielen. Berlin, den 30.VIII.1994“.

Überreicht wurde das Musikinstrument an Mroß am Vorabend des Abzuges der russischen Truppen aus Deutschland durch den Leiter des Militärkrankenhauses Berlin-Karlshorst und drei weiteren dort noch verbliebenen Militärärzten als Dank für die Eröffnung der Möglichkeit im Bundeswehrkrankenhaus Berlin für den Fall eines medizinischen Notfalls während der Abschiedsparade am 31. August 1994, russische Soldaten behandeln zu können. Denn in Karlshorst waren alle medizinischen Instrumente als Abzugsgut verpackt, und so gab es keine Möglichkeit einer Notfalloperation.

„Wenn ich nicht mehr da bin, dann haben die nachfolgenden Generationen wenigstens eine Erinnerung an den Aufenthalt russischer Streitkräfte in Deutschland“, erklärt Mroß seine Entscheidung, sich von seinen Reliquien zu trennen. Das sei wichtig, diese der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und nicht nur bei sich zu Hause aufzubewahren. „Viele Sachen, die ich dort hingegeben habe, haben ihren würdigen Platz im Museum gefunden“, so Bernhard Mroß.

In seiner Privatsammlung hat er noch zehn Alben mit Fotos des Abzuges der WGT aus den Jahren 1990 bis 1994 stehen. „Diese behalte ich mir vor, um sie zu einem späteren Zeitpunkt dort hinzugeben“, verrät der ehemalige Dolmetscheroffizier seine weiteren Pläne.

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