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Flensburger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 13:47 Uhr

Weihnachten vor Kap Hoorn

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburger Haikutter „Dagmar Aaen“ des Polarforschers Arved Fuchs pausiert in Feuerland auf der Expeditionsreise „Ocean Change“

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Während die Daheimgebliebenen sich mit einem fiesen norddeutschen Matschwinter herumplagen, genießt die Crew der Dagmar Aaen auf der anderen Seite des Erdballs die Freuden des Hochsommers. Das bekannteste und am weitesten gereiste Schiff des Flensburger Museumshafens verbringt die Feiertage im chilenischen Puerto Williams in Feuerland. Die Expedition Ocean Change führte Arved Fuchs und seine Crew über 8000 Seemeilen vorerst in die südlichste Stadt des Planeten: In Puerto Williams am Beagle-Kanal wird die achtköpfige Crew Weihnachten und den Jahreswechsel verbringen – bei für diese Gegend im Hochsommer typischen Temperaturen zwischen drei und 12 Grad. Wenigstens regnet es nicht so viel wie zu Hause.

Kaum zu glauben, dass der Haikutter des Expeditionsleiters auch regelmäßig an so Kleinigkeiten wie einer Umrundung der Ochseninseln anlässlich des Grogtörns teilnimmt. Aus Puerto Williams meldet Arved Fuchs, dass die Crew noch einmal Kraft tankt für die anstrengenden Projekte des nächsten Jahres. Gleich im Januar macht sich die Crew auf den Weg zur antarktischen Halbinsel, im März stehen Erkundungen einiger schwer zugänglicher Inseln vor Südamerika auf dem Programm – und das alles in einer der berüchtigtsten Wetterecken der Welt, in der Tausende Seeleute ihr Leben ließen. Ihre erste Herausforderung dort hat die Dagmar Aaen bereits gemeistert: Am 15. Dezember umrundete das Expeditionsschiff das berüchtigte Kap Hoorn – bei ungewöhnlich moderaten Wetterverhältnissen. Von der nächsten Umrundung der Ochseninseln aber trennen die Dagmar Aaen noch viele tausend Meilen. Wann der Segler wieder in Flensburg festmachen wird, ist ungewiss. „Ein fixes Datum für die Rückkehr haben wir noch nicht, wir planen aktuell die nächsten Monate durch“, so Arved Fuchs. „Wir freuen uns jetzt erst einmal auf Weihnachten.“ Auf der Speisekarte stehen Lamm – und ein guter Rotwein.

Ocean Change ist eine der längsten Expeditionen des Bad Bramstedters mit festem Hafenplatz in Flensburg. In der ersten großen Etappe folgte Fuchs den Spuren des deutschen Forschers Günther Plüschow, der 1927 von Büsum aus mit dem Segelkutter „Feuerland“ nach Punta Arenas aufgebrochen und später durch seine Erkundungsflüge über der zerklüfteten Landschaft Patagoniens zu Ruhm gekommen war. Plüschow starb 1931 bei einem Flugzeugabsturz am Lago Argentino – das Jahr, in dem Fuchs’ Expeditionskutter Dagmar Aaen gebaut wurde. Plüschows „Feuerland“ wurde übrigens am Ende eines abenteuerlichen Kutter-Lebens nach Hause überführt und in die Liste der schleswig-holsteinischen Kulturdenkmäler übernommen. Auf der vier Jahre jüngeren Dagmar Aaen ist an Ruhestand noch nicht zu denken. Die Antarktis wartet.

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