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Flensburger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 15:28 Uhr

Dachschaden : Weihnachten auf der Baustelle

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die St.-Jürgen-Gemeinde richtet sich auf das dritte Fest in Folge im Gemeindehaus ein – und braucht noch Geld für die Schwammsanierung

shz.de von
erstellt am 26.Nov.2014 | 06:30 Uhr

Das Weihnachtsfest nach zwei Jahren im Gemeindehaus endlich wieder in der frisch sanierten Kirche feiern – diesen Wunsch wird die gut 107 Jahre alte St.-Jürgen-Kirche ihren Gemeindemitgliedern nun doch nicht erfüllen. Zwar ist die spektakuläre Gewölbesanierung mit sechs daumendicken Niro-Edelstahlstangen in zehn Metern Höhe im vergangenen halben Jahr gerade erfolgreich zu Ende gegangen – das unter dem Gewölbe zusammengeschraubte Kirchenschiff soll nun für Jahrhunderte sicherstellen, dass die fast zehn Zentimeter nach außen gewanderten Kirchenmauern sich künftig nicht mehr weiter bewegen.

Doch nach einem ersten Schwammfund im Frühjahr an der Kirchenwestseite hatten die Kirchensanierer um Ingenieur Heinz-Werner Hinrichsen nach und nach an sieben weiteren Stellen Schwamm und Moderfäule entdeckt. In der Folge mussten die Maurer und Zimmerleute neben etlichen Dachbalken auch richtig große Stücke des Mauerwerks austauschen – das größte davon sechs Meter lang über zwei komplette Fenster an der Nordwand hinweg. Steine tauschen, Fugen und Dachziegel schließen.

„In einer Ecke waren Fußhölzer und Schwellen so weich, dass man sie mit dem Finger eindrücken konnte“, berichtet Hinrichsen. Rund 120 000 Euro zusätzlich wird die Schwammsanierung wohl verschlingen, gut die Hälfte davon ist von Kirchenkreis bereits zugesagt. Damit ist die gesamte Sanierung von St. Jürgen wohl rund 620 000 Euro teuer – zunächst durfte man von knapp 480 000 Euro ausgehen. Doch obwohl der Förderverein mit Peter Reitner binnen anderthalb Jahren bereits 60 000 Euro gesammelt hat, werden wohl auch weiter Spenden benötigt. Die nächste Aktion dazu ist für den 5. Dezember geplant: Von 15 bis 18 Uhr werden die Künstler Gisela Mott-Dreizler und Reinhard Scheuble den Druck von Holzschnitten demonstrieren.

Die Sanierer und Bausachverständigen gehen davon aus, dass die Schäden schon Konstruktionsmängel des vor 110 Jahren begonnenen Kirchenbaus gewesen sind, berichtet Pastor Henrich. „Die Schäden waren bereits 1933, ’35 und ’38 bekannt.“ Alte Gipsmarkierungen aus dieser Zeit hätten schon damals den Start einer ganz ähnlich angelegten Sanierung einläuten können. Doch dann kam der Krieg – und die Sanierungsbemühungen gerieten in Vergessenheit.

Die nächste Baustelle kündigt sich schon an, dürfte aber im Vergleich zu den überstandenen Schäden an Gewölbe und Kirchenschiff überschaubar bleiben. Die Kirchenglocken von St. Jürgen sind von Rost befallen. Doch die vergangenen drei Jahre haben Stefan Henrich und seine zahlreichen Mitstreiter auf Jürgensby nicht nur einfallsreich und leidensfähig gemacht, sondern auch standhaft: „Daran werden wir uns machen, wenn die Schwammsanierung abgeschlossen ist.“ Mitte Februar, so ist jetzt die Planung, wollen die Sanierer das Kircheninnere räumen. Doch dann müssen der Altar, die rund 500 Jahre alte geschnitzte Kanzel und das gesammelte himmlische Handwerk wieder montiert und poliert werden. Termine nennen sie in St. Jürgen nicht mehr so gerne. Es dürfte aber auf Ostern hinauslaufen.

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