Wohnungsbau in Flensburg : Weiche wächst – aber wo gehen die Weicher einkaufen?

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Debatte um neue Wohngebiete im Südosten / Geteilte Meinungen über Ansiedlung eines Discounters

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23. September 2017, 08:06 Uhr

In Weiche kommt das Dorf zur Kirche – aber kommt auch ein Kaufmannsladen? Hierüber wird im Rathaus derzeit hart gerungen, ein wenig im Schatten des Über-Themas Zentralkrankenhaus. Wie berichtet, gibt es westlich, nördlich und südlich der Friedenskirche Planungen für zwei große Wohnungsbauprojekte. Weitere könnten folgen. Aus der Bevölkerung kamen deshalb die Initiative und der dringende Wunsch, in dem zuletzt vorgestellten Projekt eine Fläche für Einzelhandel zu reservieren.

Hinzu kommt, dass Lidl sich gern in der Nähe des vorhandenen Einkaufszentrums am Ochsenweg westlich der Bahntrasse ansiedeln möchte. Könnte man Lidl nicht weiter östlich im Bereich der Friedenskirche ansiedeln? „Nein“, meint der Leiter der Stadtplanung, Peter Schroeders. Auf der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses zeigte er sich begeistert von dem geplanten Vorhaben des Flensburger Anbieters Bauplan Nord, der 150 Wohnungen – davon ein Dittel Sozialwohnungen – zwischen Friedenskirche, Ochsenweg und Husumer Straße bauen will (wir berichteten). „Ein Superprojekt“, so Schroeders. Es sei keine gute Idee, da einen Supermarkt hinein bauen zu wollen. Man könnte prüfen, ob kleinere Versorger in diesen Bereich des Stadtteils gehen würden.

Doch es gibt auch starke Stimmen für einen Laden auf der Südostseite der Husumer Straße. „Ein Nahversorger ist absolut zwingend“, forderte etwa Ratsherr Pelle Hansen im Ausschuss. Ähnliches fordert das Aktionsforum Gesunder Stadtteil Weiche. Zwar ist das Stadtteilzentrum mit derzeit Sky, Aldi und Penny sowie Rossmann, Nospa und Bäcker Hansen nur ein paar hundert Meter von den künftigen Wohngebieten entfernt. Entscheidend sei jedoch, dass man für seine Einkäufe stets durch die Bahnunterführung müsse, die ein Weicher Langzeit-Ärgernis und ein vor allem für Fußgänger und Radfahrer ein schwer zu passierender Engpass ist. Die Folge, so Hansen: Alle Einkäufe werden immer mit dem Auto erledigt. „Der Binnenverkehr in Weiche wächst.“

Mit Blick auf die Bahnunterführung regte Glenn Dierking (SSW) an, Gespräche mit der Deutschen Bahn zu führen, damit diese die Unterführung erneuere und verbessere. Das neue Wohngebiet könnte und sollte nach Süden – also über die Stadtgrenze hinaus – erweitert werden.

Erste Gespräche mit der Gemeinde Handewitt, zu der der Ortsteil Weding gehört, habe es bereits gegeben, deutete der Ausschussvorsitzende Axel Kohrt (SPD) an. Er können sich ein „kleines Gutachten“ zum Einzelhandel im Grenzbereich vorstellen, das man zusammen mit Handewitt in Auftrag gebe. Die Frage sei „Wo nützt ein Kleinversorger, wo schadet er nicht?“

Stadtplaner Schroeders hatte zuvor darauf hingewiesen, dass ein größerer Discounter im Südosten das bestehende Stadtteilzentrum „gefährden“ würde. Die Bewohner der Gartenstadt Weiche haben seit Jahren ihren eigenen Nahversorger am Alten Husumer Weg.

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