150.000 Euro Defizit : Weiche Huus: Zuversicht trotz Insolvenz

Ungeachtet der  wirtschaftlichen Not geht der Betrieb weiter: Chefin Verena Schmidt-Braess und ihre Mannschaft wollen  durchhalten.
Ungeachtet der wirtschaftlichen Not geht der Betrieb weiter: Chefin Verena Schmidt-Braess und ihre Mannschaft wollen durchhalten.

Die Diakonie sieht als Eigentümerin der Immobilie keine wirtschaftliche Basis mehr. Elf Angestellte sind von der wirtschaftlichen Entwicklung betroffen.

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01. November 2013, 07:04 Uhr

Hand aufs Herz! Wer war schon einmal im Weiche Huus? Wer weiß, dass in dem ehemaligen Soldatenheim seit zehn Jahren kulturelle Veranstaltungen, gutbürgerliche Küche, eine Kegel- und Bowlingbahn sowie Räumlichkeiten für Feiern aller Art geboten werden? In dem 200 Personen fassenden Theatersaal sind Künstler wie Ingo Oschmann, Michy Reincke, Gayle Tufts, Jürgen von der Lippe, Mike Krüger, Mirja Boes und Kim Fischer aufgetreten – in einer Woche kommt Henning Venske.

All das geschieht nicht gerade unbemerkt von der Öffentlichkeit, doch mangelnde Laufkundschaft und die B-Lage im Alten Husumer Weg machten den Betreibern letztlich einen Strich durch die Rechnung. Zudem liefen die Personalkosten aus dem Ruder. Jetzt haben sich die schon länger durch den Stadtteil geisternden Gerüchte bestätigt: Die Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie (NGD) die Reißleine gezogen. Am Mittwoch hat der Verein, der zu 100 Prozent Gesellschafter ist, „vorsorglich“ einen Insolvenzantrag gestellt. Im Rahmen einer Betriebsversammlung wurde der Belegschaft die Entscheidung mitgeteilt. Auch Kunden und Lieferanten werden informiert. „Wir sind von dem Schritt nicht völlig überrascht“, sagt Betriebsleiterin Verena Schmidt-Braess.

Nicht ohne Grund: Seit Jahren fährt das Haus schon Verluste ein – mit steigender Tendenz. „Trotz guter Auftragslage“, wie NGD-Geschäftsführer Volker Schütz betont. 2012 gab es bereits einen Fehlbetrag von 103 000 Euro, in diesem Jahr wird gar ein Defizit von 150 000 Euro erwartet – bei einem Gesamtumsatz von 450 000 Euro.

Noch in den letzten Monaten ist an einem Konzept gefeilt worden, um die Wirtschaftlichkeit des Betriebes herzustellen. Die Öffnungszeiten wurden geändert. Es half alles nichts. Ein Sachverständiger für das Hotel- und Gaststättengewerbe kam schließlich zu dem Ergebnis, dass eine Fortführung keine Aussicht auf Erfolg habe. Ebenso der Monitoringbericht im Auftrag des Integrationsamtes.

Von den elf fest angestellten Mitarbeitern beschäftigt das Weiche Huus sechs Menschen mit Behinderungen sowie zwei Auszubildende. „Alle sind überaus engagiert“, sagt Verena Schmidt-Braess, die darauf hofft, das Geschäft aufrecht erhalten zu können. Volker Schütz ergänzt: „Es ist uns wichtig, gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter eine tragfähige Perspektive für die Mitarbeiter zu entwickeln.“ Die NGD verfüge über ein großes Netzwerk, sie sei ein Arbeitgeber, der sich seiner Verantwortung sehr wohl bewusst sei. Die Gehälter für die nächsten drei Monate sind über das Insolvenzgeld gesichert, alle Weihnachtsfeiern, die Silvestergala, der Jazz-Frühschoppen am Sonnabend und der Auftritt von Henning Venske sind gesichert.

Gestern kam Insolvenzverwalter Yvo Dengs von Hamburg nach Weiche, um sich einen Eindruck der Lage zu verschaffen. Mit Unterlagen beladen, kehrte er an die Alster zurück. Bei Verena Schmidt-Braess hat der Besuch Zuversicht ausgelöst. „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagte sie danach. „Wir werden weiter durchhalten.“

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