Wees ehrt einen Künstler, der es posthum bis zu Sothebys brachte

Würdigung per Straßenschild: Bürgermeister Ulrich Christophersen, der ehemalige Gilles-Schwiegersohn Friedhelm Kuhlen und Dorfausschussvorsitzender Gerd Voß (von links).  Foto: van de loo
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Würdigung per Straßenschild: Bürgermeister Ulrich Christophersen, der ehemalige Gilles-Schwiegersohn Friedhelm Kuhlen und Dorfausschussvorsitzender Gerd Voß (von links). Foto: van de loo

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27. September 2010, 03:59 Uhr

WEES | Zu Lebzeiten teilte er das Schicksal vieler Künstler und war so gut wie nicht bekannt. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Barthel Gilles in Wees. Dort starb er 1977 und wurde auf dem Friedhof in Munkbrarup begraben. Aufgrund eines Beschlusses der Gemeindevertretung erinnert jetzt ein nach ihm benannter Weg an den Maler, der in unmittelbarer Nachbarschaft seinen Wohnsitz hatte.

Bei der Enthüllung des Namensschildes wies der Weeser Bürgermeister Ulrich Christophersen darauf hin, dass dieser Weg der erste in der Gemeinde sei, der nach einer Person benannt ist. Von der Straße "Grönholm" abzweigend, führt er in den Weesrieser Wald. Das Schild wurde von Hobby-Holzschnitzer Peter Frommund gestaltet.

Gilles wurde 1891 in Rendsburg als Sohn eines Berufssoldaten geboren und zog mit der Familie häufig um. Er erlernte den Beruf eines Dekorationsmalers und bildete sich seit 1908 in Köln künstlerisch weiter. Seine Teilnahme am gesamten Ersten Weltkrieg und eine Gelbkreuzgasvergiftung verarbeitete er später in einem Selbstbildnis mit Gasmaske. Nach einer kurzen expressionistischen Phase vollzog Gilles Mitte der 1920er Jahre den Wandel zur Malerei der Neuen Sachlichkeit. Im Juni 1943 wurde sein Atelier in Köln bei einem Bombenangriff völlig zerstört. Dabei ging der Großteil seiner Werke verloren. Nach Kriegsende dominierte die abstrakte Malerei. Für den Rest seines Lebens blieb Gilles von Kunsthandel und Kunstkritik völlig unbeachtet. Zwei Weltkriege, Weimarer Republik und Nazi-Herrschaft standen einer kontinuierlichen künstlerischen Weiterentwicklung entgegen.

Erst nach seinem Tod wurde die deutsche Kunstwelt auf Gilles als Vertreter des magischen Realismus oder Surrealismus aufmerksam. Seine Werke waren zunehmend präsent, und es kam zu retrospektiven Ausstellungen, so auch 1983 im Städtischen Museum in Flensburg. Für Aufsehen sorgte 1988 die Versteigerung seines Gemäldes "Die Braut" von 1925/26 beim Auktionshaus Sothebys in München für 150 000 Mark. Das Bild "Am Büdchen" von 1927 folgte dort ein Jahr später und wechselte für 88 000 Mark den Besitzer. Nach Aussage seines vormaligen Schwiegersohnes Friedhelm Kuhlen sind Gilles-Werke gegenwärtig im Guggenheim-Museum in New York und demnächst im spanischen Bilbao zu sehen.

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