Norderstraße Flensburg : Was wird aus dem Erbe von Trödel-Pit?

Haus ohne Zukunft? Hier herrschte Pit Liebmann über sein Trödel-Imperium.
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Haus ohne Zukunft? Hier herrschte Pit Liebmann über sein Trödel-Imperium.

Wohnheim für Seeleute, Kulturzentrum, Museum – viele Ideen, aber noch kein Plan für die „Villa Bunter Hund“ an der Norderstraße.

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28. Juli 2014, 12:00 Uhr

Peter Liebmann, mit rotem Barett und grauen langen Haaren, empfing seine Besucher stets herzlich. Der gebürtige Kieler lebte seit 1972 in Flensburg und wurde zu einem stadtbekannten Gesicht. Sein Lebensmotto war immer der starke Wille, und das Feuer in Peter „Pit“ Liebmanns wachen Augen loderte nicht nur dann, wenn er von seinem Leben erzählte. Im Januar starb er. Seither gibt es verschiedene Gerüchte um das Erbe des Wahl-Flensburgers.

Pit hat in seinem Leben eigentlich alles gemacht. Er war bei der Bundeswehr in der berühmt-berüchtigten Elite-Kaserne in Nagold, wo er zum Fallschirmjäger ausgebildet wurde, er war Elektroinstallateur, Schlachthof-Mitarbeiter, Hochseefischer vor Grönland, Trödelhändler, Maler und Tätowierer sowie selbst ernannter „politischer Aufklärer“. Es gibt nichts, was Peter Liebmann nicht gemacht hätte, und wenig, was er nicht bezweifelt hätte. Die Medien, die Politik und in Schleswig-Holstein besonders die Barschel-Affäre trieben ihn um. Pit Liebmann verfolgte die Ermittlungen mit der ihm eigenen Besessenheit.

Aber auch Kontakte in alle Welt, über 70 000 gestochene Tattoos und ein maßstabsgetreues Modell der Kieler Innenstadt aus dem zweiten Weltkrieg gehören in Peter Liebmanns Geschichte, in der das eine oder andere Kuriosum ans Tageslicht kam. Er scheute sich nie, selbstbewusst und voller Begeisterung darüber zu sprechen.

Bekannt wurde er in Flensburg, als er 1972 mit dem Tattoo-Wohnwagen an die Förde kam. Dabei machte Pit immer das, was er für richtig hielt. Er mochte keine großen oder protzigen Tattoos, die Symbolik und die Geschichte mit den Leuten dazu, das musste für ihn passen. Für einen Künstler hielt er sich nie, mehr für einen Handwerker mit Ideen und Interesse an den Menschen. Nie war ihm ein Motivwunsch zu billig.

Peter Liebmann wurde in Flensburg über die Jahre zu einer Institution. Kumpel, Freund, Beichtvater, Ratgeber oder Opa. Wie er das machte? Er selbst sagte: „Ich verflechte immer das Gute miteinander, denn so bekommt man ein positives Netzwerk ohne Richtung. Wenn man niemanden an irgendwas aufhängt, bleibt man authentisch und hat weniger Probleme.“

Peter Liebmann hatte noch viele Pläne für sein Leben und seine Heimat in der Norderstraße 107-109. Oder wie er sie nannte: die „Villa Bunterhund“. Mit 67 hatte er noch Ideen für mindestens die nächsten 25 Jahre. Am 6. Januar verbreitete sich die Nachricht seines Todes wie ein Lauffeuer in Flensburg und im sozialen Netzwerk Facebook. Tausende Freunde reagierten fassungslos, traurig und schockiert auf die Nachricht. Sein Facebook-Profil ist bis heute ein offenes Kondulenzbuch. Eine Verabschiedung am Hafen und ein Trauerzug zu seinem Haus, wo Kerzen aufgestellt wurden, machte die Anteilnahme deutlich. Pit Liebmann wurde im Wald am Quellental nahe Glücksburg beigesetzt.

Bereits zu Lebzeiten hatte sich Liebmann an die Stadt Flensburg gewandt, um eine Regelung über seinen Nachlass zu finden. Vorahnung oder langfristige Planung? Anfang 2013 inspizierte Museumsleiter Michael Fuhr das Haus und den Trödel in der Norderstraße 107-109. Einige der Stücke aus Liebmanns Besitz waren für den Museumsleiter durchaus interessant. Leider gab es damals keine Möglichkeit der Einlagerung, berichtet Flensburgs Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf.

Nach Liebmanns Tod gab es durch seine Nachlassverwalter kein Angebot mehr an die Stadt, sagt Teschendorf. „Eine Übernahme des Hauses oder gar ein Kauf steht aber ohnehin nicht zur Debatte. Die Kosten sind zu hoch und das Haus nur bedingt als Museum geeignet.“ Zusätzlich gebe es großen Sanierungsbedarf für das alte Haus, sagt der Pressesprecher.

Auf Nachfrage unserer Zeitung wollte sich der Museumsleiter am Museumsberg, Michael Fuhr, nicht zu der Angelegenheit äußern. Dabei hatte Peter „Pit“ Liebmann schon 2011 viele Ideen und große Pläne mit seinem Besitz. Die Gedanken reichten von der „Villa Bunter Hund“ als Kulturprojekt über ein Antidrogenhaus bis hin zu einem Verkauf an ausländische Interessenten der Filmbranche, sollten Stadt oder Bürger kein Interesse an einem Kulturangebot haben.

„Moin Moin liebe Leute, was soll einmal aus meinem Gesamtkunst- und Lebenswerk in der Norderstraße werden?“ fragte Pit im November 2011 und äußerte sich in einer Art Testament zu den vielfach eintrudelnden Nutzungsvorschlägen. Der offene und mit „allen Wassern gewaschene“ Peter Liebmann sah nach seinem Tod ein „Hauen und Stechen“ um sein Lebenswerk zwischen Berlin und Flensburg. Vielleicht verteilte er sein Hab und Gut deshalb schon zu Lebzeiten nach Lust und Laune. Er wollte nicht im „Strudel der galoppierenden Dummheit, Gier und Überheblichkeit untergehen.“

Seine Vision eines Kunsthandwerker- und Künstlerhofes mit bodenständigen Kleinkunst-Aktionen scheint im Moment weit von einer Realisierung entfernt zu sein. Die Stadt hat offenbar kein Interesse, den Nachlass ihres Originals zu wahren, eine Nachfrage unserer Zeitung bei Freunden Liebmanns, die sich augenblicklich ehrenamtlich und freiwillig um den Nachlass von „Trödel Pit“ kümmern, lässt viele Fragen offen. Augenblicklich gibt es Bemühungen in jede Richtung. „Wir schauen uns gerade nach allen Seiten um, was machbar in Pits Sinne und tragbar für uns ist“, heißt es aus seinem Freundeskreis.

Am Ende bleibt es offen, ob Kulturcafé, Wohnanlage für pensionierte Seeleute, Fallschirmjäger und Fremdenlegionäre, ob ein multi-religöses Begegnungszentrum oder ein Antidrogenhaus – einige der Favoriten auf Liebmanns eigener Ideenliste – Einzug in die Norderstraße halten. Die Lage der Immobilie könnte jedoch auch potentielle Investoren anlocken. Unbestätigten Gerüchten aus dem Umfeld der Norderstraße zufolge gibt es Pläne, das Haus zu sanieren und Wohnraum zu schaffen. Für wen, bleibt abzuwarten.

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