Serie: Gesundheitstipps : Was tun bei einem Bade-Unfall?

Dr. Michael Dördelmann
Dr. Michael Dördelmann

Sommerliche Gesundheitstipps der Diako: Kinderarzt Dördelmann mahnt zur Vorsicht am und im Wasser

shz.de von
09. Juli 2018, 06:42 Uhr

Der Sommer ist die schönste Jahreszeit. Doch es gilt, bestimmte gesundheitliche Risiken zu beachten. Ärzte der Diako geben Ratschläge, wie man Gefahren begegnet. Heute: Dr. Michael Dördelmann, Chefarzt der Kinderklinik.

Badeunfall

Immer wieder im Sommer häufen sich die Meldungen von Badeunfällen mit Kindern.Und das nicht nur beim Baden im Meer. „Kleine Kinder sollte man selbst beim Planschen nicht einmal für einen ganz kurzen Moment unbeaufsichtigt lassen“, mahnt Michael Dördelmann. Es komme immer wieder vor, dass Kleinkinder selbst im ganz flachen Wasser wie einer Pfütze ertrinken. „Die gute Nachricht ist: Babys haben den Reflex, bei Berührung des Gesichts mit dem Wasser die Luft anzuhalten. Das kennt man vielleicht vom Babyschwimmen“, sagt Dördelmann. Der Zweijährige dagegen versuche, unter Wasser tief Luft zu holen. Er rät Eltern dringend dazu, Kindern beispielsweise schon vor dem Weg zum Segelboot über den Steg eine Schwimmweste anzulegen. „Das Lungenvolumen kleiner Kinder ist noch zu klein, um Auftrieb zu geben“, so der Kinderarzt. „Fallen sie ins Wasser, sacken sie ab wie ein Stein und haben in tieferen Gewässern oft keine Chance auf Rettung, selbst wenn ihre Eltern sofort hinterherspringen.“ Deshalb rät der Kinderarzt, mit dem Schwimmunterricht möglichst schon vor dem Grundschulalter zu beginnen.

Wenn ein Kind nach einem Badeunfall das Bewusstsein verloren hat, ist sehr schnelles Handeln erforderlich. Da bei Kindern dann oft die Lunge zusammengefallen ist, beginnt der Helfer anders als beim Erwachsenen mit einer Mund-zu-Nase-Beatmung. „In vielen Fällen kommt das Kind dann prustend wieder zu sich, ohne dass überhaupt eine Herzmassage nötig wird“, weiß der Kinderklinik-Chef. Trotzdem sollten die Kinder unbedingt zur Abklärung und Beobachtung in ein Krankenhaus, da Wasser in die Lunge gelangt sein könnte und es auch Stunden später noch zu ernsten Atemproblemen kommen kann.

Insektenstiche

„Wespen- und Bienenstiche sind sehr schmerzhaft, aber meist nicht gefährlich“, sagt Dr. Dördelmann. Doch auch sie könnten sich zu einem echten Notfall entwickeln: Das gilt für Kinder und Erwachsene mit einer Insektenstich-Allergie oder bei einem Stich im Rachenraum, bei dem die Atemwege zuschwellen können. „Das ist aber eher selten, da die Wespen in der Regel in Mund, Zunge oder Wange zustechen“, beruhigt der Kinderarzt. Dann sollten Eltern den Kindern ganz schnell beispielsweise ein Eis zu essen geben, da die Kälte die Durchblutung der Schleimhaut reduziert und damit auch die Schwellung und die Schmerzen vermindert. Überhaupt ist Kühlen das erste Gebot bei Insektenstichen. Nach dem Stich einer Biene sollte zudem der Stachel ganz vorsichtig aus der Haut gezogen und die Einstichstelle desinfiziert werden. „Richtig gefährlich werden können Insektenstiche bei Kindern mit einer Allergie gegen Bienen- oder Wespengift“, so der Kinderarzt. Deshalb sollten sie oder die Eltern auch immer ein Notfall-Set dabei haben. Von einer allergischen Reaktion spricht man bereits, wenn sich nach dem Stich Symptome wie Quaddeln bilden. Sie kann aber auch zu einer akuten Luftnot und schlimmstenfalls zum Kreislaufzusammenbruch führen. „Im Notfall-Set ist ein Adrenalin-Injektor enthalten, der dann sofort eingesetzt werden muss, noch bevor der Notarzt verständigt wird.“
zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen