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Umfrage unter Nichtwählern : Warum zwei Drittel nicht wählen

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Viele Nichtwähler beklagen zu wenig Information und kaum Umsetzung von Wahlversprechen. Andere finden das Wahlverfahren zu kompliziert.

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2013 | 03:46 Uhr

Flensburg | Mit 20,6 Prozent meldet der Wahlkreis 3 in Flensburg (Kita Neustadt/Waldschule 1) die geringste Wahlbeteiligung in der ganzen Stadt. Im Innenstadtwahlkreis 11 (27 Prozent) holt Rasmus Andresen von den Grünen das erste Direktmandat für seine Partei in Flensburg - mit 192 Stimmen. Und auch das studentisch geprägte Publikum auf dem Sandberg hat nur sporadisch den Weg zur Urne gefunden. Wahlkreis 12: 30,8 Prozent.
"Wer nicht wählt, darf nicht meckern - Wer nicht wählt, wählt trotzdem - nämlich den politischen Gegner." Solche Sätze waren im Vorfeld der Kommunalwahl des Öfteren zu hören. Eine Umfrage des Flensburger Tageblatts unter Nichtwählern förderte einige Gegenargumente zutage.

Wahl per Mail gefordert


Eine junge Mutter sagt, Politik interessiere sie nicht, da die Parteien nach den Wahlen ihre Programme nie umsetzen würden. Ihren Namen nennen möchte sie lieber nicht. Eine andere Flensburgerin fühlt sich nicht genug informiert, um eine Entscheidung treffen zu können. Namentlich möchte auch sie nicht genannt werden. Beide sind der Meinung, dass durch mehr Werbung und ein leichteres Wahlverfahren, zum Beispiel per E-Mail, die Beteiligung wachsen würde. Ein junger Mann vertritt die Meinung, die Beteiligung werde erst steigen, wenn die Parteien die Bürger nicht immer enttäuschen. Vor den Wahlen werde davon geredet, was man in Zukunft alles ändern möchte, aber am Ende passiere nichts.
Manuela Matthiesen hat dagegen gewählt. Sie sucht nach Gründen für die geringe Wahlbeteiligung. Und wirft ihren Blick auf die Jungwähler. "Die meisten Jugendlichen wissen offenbar nicht genug über Politik Bescheid und treten somit den Gang zur Wahlurne nicht an", so ihre Einschätzung. Sie selbst erhofft sich, dass die Parteien ihre Programme anschließend auch umsetzen.

Zu faul zum Wählen?


Regine Heesch beteiligte sich ebenfalls an der Wahl. Sie würde, um eine höhere Wahlbeteiligung zu erreichen, noch mehr öffentliche Veranstaltungen organisieren, bei denen sich die Bürger mit Politikern unterhalten können. So würden sie direkt informiert und gingen vielleicht eher zur Wahl. Regine Heesch hofft nun, dass sich die Parteien für alle Bürger einsetzen werden. "Dafür hat man sie schließlich gewählt."
Frauke Walter aus Flensburg ist entsetzt über die niedrige Wahlbeteiligung von 35,9 Prozent. "Sind sich die Einwohner Flensburgs", fragt sie, "nicht im Klaren, dass man das größte Mitspracherecht in der Politik bei einer Kommunalwahl hat? Wenn ich etwas mit meiner Stimme bewirken möchte, dann doch vor meiner eigenen Haustür." Ihrer Meinung nach habe niemand das Recht, sich über die Politik in Flensburg aufzuregen, "wenn er es noch nicht einmal hinbekommen hat zu wählen". Vielleicht sei auch die viel zitierte Politikverdrossenheit schuld an der Misere? Oder schlicht Bequemlichkeit. Aber: "War das Wahllokal nicht gleich um die Ecke?"
Die Tochter von Frauke Walter durfte das erste Mal wählen. "Für sie war es völlig selbstverständlich, dass sie hingeht." Man habe aber im Vorfeld auch öfter über die Wahlen gesprochen. "Als mündiger Bürger, so sehe ich das, ist es meine Pflicht, zur Wahl zu gehen. Ich habe doch eine Meinung und ein großes Interesse an meiner Stadt. Sonst wird Politik wirklich nur für andere gemacht."
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