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Flensburger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 15:19 Uhr

Warum Studenten auf ihre Stimmen verzichten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2013 | 19:22 Uhr

Betrachtet man die Beteiligung der Studenten bei den letzten Hochschulwahlen im Oktober, sieht es düster aus mit der studentischen Mitbestimmung: Nur 18 Studenten bewarben sich auf 25 Plätze des Studierendenparlaments, und die Wahlbeteiligung lag bei unter zehn Prozent – eine echte Wahl würde anders aussehen.

Von einer zunehmenden Verschulung der Universität spricht Johanna Meyer, stellvertretende Vorsitzende des Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (Asta) der Universität Flensburg. „Studierende werden immer jünger, und der Druck wächst“, sagt sie. Nach den Reformen von Uni und Schule würde das Alter der Studenten immer weiter sinken: „Studierende haben dadurch einen sehr schulischen Blick und müssen erst lernen, Dozenten auch mal die Stirn zu bieten“, sagt Meyer. Katharina Roman vom Fachschaftsrat Textil und Mode spricht die Seite der Lehrenden an: „Dozenten akzeptieren Engagement oft nicht“, sagt sie.

Für Johanna Meyer gibt es einen weiteren Grund für das Desinteresse der Studenten: Die studentische Selbstverwaltung habe einen schlechten Ruf, sagt sie. Bevor sie sich selbst für den Asta aufstellte, hatte Meyer ebenfalls Vorurteile: „Ich dachte, der Asta wäre ein linker Haufen, das sind aber völlig normale Leute.“ Meyer spricht auch von einer Ambivalenz der Studenten: Obwohl nur wenige sich engagieren, würden viele die Beratungsangebote des Asta gern in Anspruch nehmen.

Ein weiterer Grund für eine geringe Beteiligung von Studenten könnte die wöchentliche Arbeitsbelastung sein: Nach Daten der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks von 2012 haben mehr als die Hälfte der Studenten eine wöchentliche Arbeitsbelastung von über 40 Stunden, 27 Prozent sogar von deutlich mehr als 50 Stunden. Die Zahlen setzen sich zusammen aus Präsenzzeiten, Selbststudium und Nebenjob.

Aus Sicht der Universität gibt es widersprüchliche Beobachtungen: Dozenten berichten davon, dass weniger Studenten zu freiwilligen Veranstaltungen kommen würden. Andererseits gäbe es verschiedene aktive studentische Gruppen wie die „Unistarter“, die Erstis beim Unistart helfen. Auch gibt es wieder eine studentische Campus-Zeitung sowie engagierte Fachschaften und einen aktiven Asta.

Auf die Frage, was die Universität tun könne, um studentisches Engagement zu stärken, antwortet die Pressesprecherin der Universität Kathrin Fischer: „Ein Klima der Wertschätzung und der Anerkennung für Engagement ist an dieser Universität bereits vorhanden.“ Für die Uni Flensburg ist die studentische Mitbestimmung sehr wichtig, sagt Fischer. „Die permanente Weiterentwicklung einer Universität ohne die Stimme, die Eindrücke und die Ideen von Studierenden ist nicht möglich.“

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