Audimax Flensburg : Warum so zornig, Laurie Penny?

Kritisch und klug, intelligent, wortgewandt und das Gegenteil von humorfrei – so loben Kritiker das Werk der Autorin Laurie Penny.
Kritisch und klug, intelligent, wortgewandt und das Gegenteil von humorfrei – so loben Kritiker das Werk der Autorin Laurie Penny.

Die populäre Autorin, Journalistin und Feministin liest und diskutiert im Audimax unter anderem über ihre „Bitch Doktrin“

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02. März 2018, 00:26 Uhr

Es hat auch etwas Gutes, eine „Bitch“ zu sein, eine Zicke, ein Miststück. Schreibt Laurie Penny, denn damit entscheide sich die Frau, nicht klein beizugeben, sondern für die Freiheit und gegen den Tod der Kreativität, guter Texte, klaren Denkens. Am Freitag in einer Woche, am 9. März, ist die britische Autorin und Journalistin im Audimax auf dem Flensburger Campus zu Gast. Sie wird aus ihrem neuesten Buch „Bitch Doktrin“ lesen, vor allem aber zum Diskutieren aufgelegt sein.

Nicht nur hierzulande gilt Laurie Penny vielen als derzeit einflussreichste Meinungsbildnerin im Feminismus; sie wisse nicht, warum ihre Veröffentlichungen in Deutschland so populär seien, sagt sie bescheiden. Ihre „bemerkenswerten Verleger“ von Edition Nautilus hätten die kleine Tour organisiert, die sie nach Bremen, Hannover, Kiel und Flensburg führt (Kooperation mit Hochschule, Gleichstellungsbüro, Stadtbibliothek).

In Flensburg war sie noch nie, sagt die 31-Jährige, und ist gespannt. Sie gebe es nicht gern zu, aber das deutsche Publikum stelle so tiefgreifende Fragen. Und bestimmte Fragen kehren in bestimmten Ländern wieder. Warum sie so persönlich schreibe, werde sie gefragt, warum sie über Männer rede, wollen immer wieder Australier wissen. „Why are you so angry?“ – warum sie so zornig sei, erkundigten sich Deutsche oft.

Warum sie so wahrgenommen werde, kann sie sich nicht erklären. Vielleicht habe es mit dem Formulieren von Zorn zu tun, mutmaßt sie. Die Londonerin „im Herzen“, die gerade nach Brighton gezogen ist, weil sie sich ein eigenes Zuhause gewünscht hat, ist höflich, hat eine freundliche Stimme, sie sei zart, sagt sie, und manchmal schüchtern. Sie beschreibt sich als „weiß und gebildet“ und körperlich als „klein“ mit fünf Fuß (etwa 1,53 Meter). Manche Menschen seien verwundert, wenn sie Laurie Penny persönlich kennen lernen.

Mit zehn oder elf sei sie zum ersten Mal auf feministische Literatur in der Schulbibliothek gestoßen und habe die Bücher verschlungen, wie man das in dem Alter so mache: leidenschaftlich und tonnenweise. „Das war mein Ding“, erinnert sie sich, während Feminismus Ende der 90er noch als „sonderbar und retro“ galt.

Die Welt hat sich gedreht seither; gut sei, lobt Penny, dass das Interesse und auch die Kenntnis des Themas seither gewachsen sei. Die Entwicklung der Ultrarechten in vielen Ländern und das „sexuelle Raubtier im Weißen Haus“ benennt sie als Verschlechterungen. Im Buch vergleicht die studierte Literaturwissenschaftlerin das Fernsehwahlduell zwischen Clinton und Trump mit einem „Verkehrsunfall in Zeitlupe“. Trump habe Frauen eingeladen, „mit deren Hilfe er nach der Macht grabschen konnte“.

Pennys neuestes Buch liest sich flott, ihre Empfehlungen erscheinen mitunter radikal, manchmal trotzig. „Bitch Doktrin“ habe sie es genannt, weil sie, wann immer sie logische Argumente für soziale Veränderungen formuliere, beschimpft werde. Die toxische Männlichkeit zerstöre die Welt, sagt sie und identifiziert als Kern des Konflikts vor allem „weiße Arbeiter, die meinen, um ihr Geburtsrecht betrogen worden zu sein.“ Ja, man habe sie übers Ohr gehauen, bestätigt Penny. „Sie haben sich aber gefährlich täuschen lassen darüber, wer den Schwindel durchgezogen hat.“

Lesung und Debatte

Laurie Penny, Autorin von „Bitch Doktrin“, ist am 9. März im Audimax Flensburg zu Gast. Die Veranstaltung auf Deutsch und Englisch beginnt um 20 Uhr, die Türen öffnen bereits um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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