Politik in Flensburg : Warum Rasmus Andresen nach Brüssel will

Rasmus Andresen, 32 Jahre alt, ist seit 2009 Abgeordneter des Landtags und aktuell Vizepräsident.
Rasmus Andresen, 32 Jahre alt, ist seit 2009 Abgeordneter des Landtags und aktuell Vizepräsident.

Flensburger kandidiert für die Europawahl 2019 und startet „aktionistischen“ Wahlkampf

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19. Juni 2018, 07:09 Uhr

Sollte die Wahl nach Brüssel klappen, würde er sein Landtagsmandat abgeben, sagt Rasmus Andresen. Sein Direktmandat in der Flensburger Ratsversammlung hingegen nicht, denn: „Kommunalpolitik ist ja ein Ehrenamt.“

Der 6. Mai war in Flensburg der große Abend der Grünen. Sieben Mandate holten die Kandidaten für den Rat direkt, eines davon der 32-jährige Andresen.

Eine Woche danach und am Tag vor einer Fraktionsreise nach Brüssel hat der Flensburger seinen Hut als schleswig-holsteinischer Kandidat für die Grünen-Europa-Liste in den Ring geworfen. Die nächste Wahl zum Europäischen Parlament findet in Deutschland voraussichtlich am 26. Mai 2019 statt.

Mit seinen 32 Jahren ist Rasmus Andresen schon erfahren auf dem politischen Parkett. Aktuell ist er Ratsherr, Landtagsabgeordneter, Vizepräsident des Landtages in Kiel und seit 2012 unter anderem Mitglied im Europaausschuss.

Unterschiedliche Biographien in Parlamenten hält er für wichtig. Seine eigene, unter anderem als Flensburger und Mitglied der dänischen Minderheit, passt zu Europa. „Wenn man im Grenzland aufgewachsen ist“, in Dänemark gelebt und im Folketing gearbeitet habe wie er, dann ergebe sich die Berührung mit grenzüberschreitenden Themen automatisch. Andresen fallen auf der Stelle Themen ein, die gerade aus Flensburger Sicht auf Europa-Ebene stärker vorangetrieben werden müssten. Der Kommunikations- und Verwaltungswissenschaftler nennt die Belange der Grenzpendler, darunter deren Absicherung, Minderheitenpolitik und Möglichkeiten, die sich auch für die Flensburger Europa-Uni eröffnen könnten, wenn ein Macron die Diskussion über europäische Universitäten anstößt. Richtlinien auf vielen Feldern kämen nicht aus Kiel oder Berlin, sondern aus Brüssel, sagt Andresen.

In seiner Bewerbung für die Grünen-Europa-Liste schreibt der Flensburger: „Die kommende Europawahl wird die wichtigste seit mindestens 25 Jahren“ – unter anderem, um den stärker werdenden Nationalisten die Stirn zu bieten.

Das Verfahren seiner Kandidatur sei noch „unübersichtlich“, räumt er ein. Spätestens Mitte November beim Bundesparteitag in Leipzig sollte aber Klarheit herrschen. Derweil wachse bei vielen die Erkenntnis, „dass wir Grüne im Europaparlament eine Person für Digitales und Haushaltspolitik brauchen. Beide Bereiche sind deutlich unterrepräsentiert.“ Von der Landesarbeitsgemeinschaft Europa habe er ein Votum erhalten. „Und für unsere Kampagne haben sich bereits über 50 Menschen als Freiwillige gemeldet.“

Rasmus Andresen wünscht sich einen „bunten aktionistischen Wahlkampf“, ab diesem Monat offene Diskussionsveranstaltungen unter dem Titel „Unser Europa“ im ganzen Land. Er wolle die besten Ideen für ein zukunftsfähiges Europa in Gesprächen auch an Haustüren einsammeln und einspeisen ins Europawahlprogramm der Grünen.

Parallel konzentriert sich der umtriebige Grüne auf seine Arbeit im Kultur-, Gleichstellungs- und Sozialausschuss im Rat. Als etwas chaotisch empfand er das Verfahren zur Wahl des neuen Stadtpräsidenten, wurde wie seine Fraktionskollegen überrascht vom Rückzug Inge Krämers. „Unser Vertrauen in die SPD wurde beschädigt“, sagt er. Ganz der erfahrene Politiker sagt er aber auch: „Zur Demokratie gehört Wettbewerb, das Anerkennen von Wahlergebnissen und anschließende Zusammenarbeit.“ Hannes Fuhrig habe seine Unterstützung.

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