Zweiter Teil der Luftbild-Edition : Warum Mürwik so lebenswert ist

Ein Refugium, um die Seele baumeln zu lassen: die Twedter Mark mit Blick auf die Ostsee. Foto: Dommasch
1 von 2
Ein Refugium, um die Seele baumeln zu lassen: die Twedter Mark mit Blick auf die Ostsee. Foto: Dommasch

Gisela Mikolajewicz gilt als Kennerin des Stadtteils. Mürwik steht im Mittelpunkt des Stadtteil-Extras, das am Sonnabend im Tageblatt mit Panorama-Luftbild erscheint.

shz.de von
12. Juni 2009, 01:23 Uhr

Flensburg | Sie stapft durch sattes Grün, das zum Wasser hin sanft abfallende Gelände ist dicht bewachsen. Das Landschaftsschutzgebiet Twedter Mark gehört zu den Lieblingsplätzen von Gisela Mikolajewicz. Zwar ist die langjährige Mürwikerin inzwischen zu ihrem Lebensgefährten nach Wees gezogen, doch sie kehrt immer wieder zurück. Oft zu ausgedehnten Spaziergängen.

Die führen von der Twedter Mark bis nach Fahrensodde mit seinem idyllischen Seglerhafen oder weiter bis nach Meierwik. Sie führen vom Tremmerupweg durch den Wald bis nach Glücksburg. Eine Tour, die hin und zurück etwa zweieinhalb Stunden dauert. "Da muss man schon gut zu Fuß sein", sagt die 76-Jährige.

Warum hat sie so gern hier gewohnt? "Es ist so vielseitig hier", sagt sie, "viel Grün, nah am Wasser - besonders als Kind war es für mich ein Paradies." Da gab es weitläufige Spielräume am Stadion und dort, wo jetzt das Fördegymnasium steht. "Und auf dem Gelände der Fördeklinik haben wir immer Äpfel geklaut." Dabei hatten ihre Eltern in einem der Marinehäuser oberhalb der Ziegeleistraße selbst einen Obstgarten. "Aber fremde Äpfel", findet sie, "schmecken einfach besser."
Marinebadeanstalt und Mutter Lehmann
Gisela Mikolajewicz erinnert sich auch gut an die Straßenbahn, Linie 3, die vom Ostseebad bis zur Kelmstraße und wieder zurück zuckelte. Als Schülerin fuhr sie damit zum Lyceum (heute AVS) oder zum dänischen Gymnasium.

In der Nachkriegszeit nutzte sie als Geräteturnerin im FTB Mürwik und Handballerin bei den Sportfreunden Flensburg die Marinesportschule als Trainingsstätte. Ihre Sportkameradinnen von einst trifft sie alle paar Jahre wieder. "15 bis 20 Damen kommen immer noch zu unseren Treffen." Aus alter Tradition in die Delfter Stuben - ehemals Gaststätte Johannisgarten. Dort wurden schon in ihrer Jugend die Feste gefeiert.

Gute Erinnerungen hat sie auch an die Marinebadeanstalt, die mit dem Bau der Kläranlage verschwand. Oder an die Park-Lichtspiele im Haus Seewarte. An "Mutter Lehmann", die dort die Karten abriss und mit gestrengen Augen darüber wachte, dass niemand die Altersfreigabe unterschritt. "Sie sortierte gnadenlos aus. Trotzdem hab ich es geschafft, mich als Zwölfjährige in einen Film zu schummeln, der erst ab 14 erlaubt war", sagt sie. Schlimme Sachen habe sie sich da vorgestellt. "Aber es war so harmlos wie heute das Kinderprogramm."

Auch später als Erwachsene genoss sie das natürliche und gesunde Leben im Stadtteil. Die Einkaufsmöglichkeiten am Twedter Plack, den sie heute noch oft aufsucht und viele alte Bekannte trifft. Natürlich hat sich viel verändert gegenüber der Zeit, als Mürwik, wie Gisela Mikolajewicz es ausdrückt, "nicht mehr als eine matschige Bucht" war. Mit dem Bau einer Torpedostation auf dem Grundstück der alten Ziegelei, schließlich der Marineschule, der Kaiser-Wilhelm-Straße, die heute Mürwiker Straße heißt und dem Bauboom der fünfziger und sechziger Jahre änderte sich das Bild grundlegend.

Gisela Mikolajewicz weiß über all das akribisch Bescheid. "Ich sollte ein Buch darüber schreiben", sinniert sie. "Ein Mürwik-Buch. Leider komme ich überhaupt nicht dazu."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen