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Nord Stream Race : Warten auf Wind und Smalltalk an Land

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Während auf See totale Flaute herrschte, ging es an Land munter zur Sache

shz.de von
erstellt am 13.Sep.2013 | 06:23 Uhr

Flensburg | Still ruht die See – doch die Hoffnung stirbt zuletzt. 11.45 Uhr, der Himmel über Sonwik grau verhangen. Noch eine Viertelstunde bis zum Start des Match Race. Einige Hundert Zuschauer, die sich entlang der Fördepromenade und auf der Brücke postiert haben, harren der Dinge, die da kommen sollen. Doch gespannte Erwartung sieht anders aus. Sie ahnen, was bevorsteht: Kein Wind, kein Rennen.

Tatsächlich verschiebt die Regattaleitung den Start zunächst um eine Stunde. Ein bis zwei Windstärken reichen nicht aus. „Dann macht es einfach keinen Sinn“, sagt auch Robert Klein, Steuermann auf der „Petite Flamme“ des Team Turkey. „Erst ab vier Knoten bringt es richtig Spaß.“

Aber mit dem Spaß wird es ohnehin nichts. Die Belegschaft der türkischen Bosporus Gaz Corporation, einer 80-prozentigen Gazprom-Tochter, hat wegen Trainingsrückstands zurückgezogen. „Wir hätten keine Chance“, sagt Klein, dessen Team fast zur Hälfte aus Frauen besteht. Doch wenn es am Montag nonstop nach Petersburg geht, will die gemischte Crew als 16-köpfige Besatzung ihren Mann stehen.

13.15 Uhr. Warten auf Wind. Immer noch. „Sollen sie doch rudern“, ruft ein Scherzkeks. Einige Sonnenstrahlen quälen sich durch die Wolken, vereinzelt blaue Flecken am Himmel. Das besänftigt die Zaungäste. Und die Gastronomie freut sich. Die Gäste vertreiben sich die Zeit bei Smalltalk, Kaffee und Kuchen, Steak oder Champignonpfanne. Auf Sonwik weht internationales Flair. Fernsehteams und Fotografen aus aller Welt, parliert wird auf russisch, italienisch und englisch. Die Atmosphäre ist trotz der widrigen Wetterverhältnisse entspannt. Soundcheck auf der Bühne des sh:z, die Tribüne füllt sich.

„Wir bleiben, bis etwas passiert“, sagen trotzig Thorkild und Lisbeth Sengewald, ein dänisches Ehepaar, das in Flensburg beheimatet ist. „Segeln hat uns immer schon inspiriert“, sagen sie, „und wir wollen unbedingt sehen, wenn die Yachten rausfahren.“ Bernd Rothehüser hat seine Colina 353 an Brücke D vertäut. Er ist bis zu diesem Jahr regelmäßiger Teilnehmer der Mittwochsregatten auf der Förde. Auch er will ausharren. „Ich freue mich schon auf die Manöver auf kurzen Schenkeln“, sagt er und verschwindet mit seiner Frau Renate unter Deck. „Erstmal, bis es losgeht, einen Drink!“

Im Interview, das auf einem großen Monitor ausgestrahlt wird, erläutern Alexander Prinz zu Schleswig-Holstein als Offshore-Fachmoderator und Klaus Lahme, Sportdirektor des Norddeutschen Regatta Vereins (NRV) die Maßnahme, den Start weiter hinauszuschieben. „Die Prognosen sind unterschiedlich“, sagt der Prinz. Wetterfrosch Meeno Schrader hat bereits im Laufe des Vormittags prophezeit, dass es noch auffrischen werde. Tatsächlich beginnt das Wasser sich leicht zu kräuseln. Immerhin.

Um Punkt 16 Uhr die Wende. Wettkampfleiter Claus-Otto Hansen entschließt sich, trotz anhaltender Flaute das Rennen zu starten. Die Kameras des Helikopters und der Begleitboote liefern wunderschöne Bilder einer kommoden Wettfahrt, Sehleute drängen sich am Kopf der Pier und auf der inzwischen voll besetzten Tribüne. Darunter Hans-Peter Kjer vom Flensburger Segel-Club. „Wer das Wetter nicht in Kauf nehmen will, soll Fußball spielen“, meint er. Darauf ein Bier!

Wie viele andere, freut sich der Flensburger auf das Abendprogramm: die Top-40-Band „United Four“ heizt ein und ein grandioses Feuerwerk illuminiert den Himmel. Kjer: „Eine tolle Veranstaltung für die Region.“

 

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