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Flensburger Tageblatt

21. Oktober 2017 | 15:14 Uhr

Flensburger Förde : Warnsignale für Wale

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Umweltminister Robert Habeck übergibt die ersten 130 Geräte zum Schutz von Schweinswalen an Flensburger Fischer.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2017 | 08:38 Uhr

Eine scharf geführte Kontroverse geht in die nächste Runde – doch Entspannung ist in Sicht. Jahrelang haben Fischer, Fachbehörden und Naturschützer um die Vereinbarkeit von Fischerei und Schutz von Schweinswalen gestritten. „Harte Debatten“ räumte Robert Habeck bei einem Besuch in Flensburg ein. Schleswig-Holsteins Umweltminister übergab gestern die ersten 130 Warngeräte, die den Beifang in Stellnetzen deutlich reduzieren sollen, an die Fischer in der Fördestadt.

1500 dieser „PALs“werden an der gesamten Ostseeküste zum Einsatz kommen. Ob es nach dem Praxistest zu einem versöhnlichen Ende der Konfrontation kommen wird, bleibt fraglich. Umweltverbände haben bereits Zweifel an der Effizienz sowie Verträglichkeit der Methode angemeldet – und nicht jeder Fischer ist davon begeistert, wenn auch aus ganz anderen Gründen.

Die Maßnahme ist Teil einer „freiwilligen Vereinbarung“ zwischen Umweltministerium und Fischereiverbänden vom Dezember 2013. Eine erste Annäherung hat es schon gegeben: Fischer begrenzen seitdem ihre Stellnetzlängen in der Kalbungs- und Paarungszeit um ein Drittel; das Land verzichtet auf die Ausweisung von Sperrgebieten. Die Störgeräusche des PALs nun sollen Schweinswale davor bewahren, sich in Stellnetzen zu verfangen. „Es wirkt wie ein aggressives Warnsignal“, erläutert Boris Culik, dessen Firma F3 die innovative Technik entwickelt hat. Die Tiere, „akustisch blind“, sollen durch Klicklaute mit extrem hohen Frequenzen via Ultraschall von den Netzen ferngehalten werden. Seit 2008 tüftelt das Team in Heikendorf an der Imitation der „Sprache der Wale“, seit 2013 läuft eine Testphase. Culik verweist auf 70 Prozent Beifangverringerung. Und auch Habeck ist begeistert. „So wird Fischerei unter Berücksichtigung des Natur- und Artenschutzes europaweit möglich.“

Die Begeisterung wird nicht überall geteilt. Lorenz Marckwardt etwa, Vorsitzender des Landesfischereiverbandes, umging gestern den Begriff „freiwillige Vereinbarung“ und sprach von einer „Auflage“. Er gab zu bedenken, dass die präparierten Netze mit einer Geschwindigkeit von 2,5 Knoten über eine Gabel ins Meer geworfen werden. „Das ist nicht ganz ungefährlich für die Fischer. Wenn sich etwas verhakt, kann der Sender wie ein Geschoss wirken. Und jeder Knoten ist ein Knoten zu viel.“ Ein Flensburger Fischer fand die Erfindung gar „ulkig“. Schließlich, so seine Erfahrung, würde jeder gesunde Schweinswal ein Netz ohnehin rechtzeitig wahrnehmen und einen Bogen darum machen. Habeck hingegen verteidigt die großräumige Erprobung, die 30 Monate andauern soll und betonte, dass „Jungtiere im Rausch der Jagd“ besonders gefährdet seien. Gegenüber dem Tageblatt betonte er die Bedeutung des Diskurses: „Fischer und Schweinswale – das sind zwei die Landesidentität berührende Symbole und somit stark emotional besetzte Themen.“

Umweltverbände sprachen einerseits von einer Chance zu erforschen, ob der Einsatz das Verhalten der Schweinswale ändern würde. „Wir müssen aber ausschließen können, dass die Warnsignale die Wale aus dem für sie geschützten Lebensraum vertreiben“, so Meeresschutzexperte Stephan Lutter (WWF). Stefanie Sudhaus (BUND) verurteilte den Einsatz von Stellnetzen generell: „Sie sind immer eine potenzielle Bedrohung!“ Ihre Forderung bleibt: „Die Einrichtung fischereifreier Gebiete in der Ostsee.“

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