Waldjugend übt das einfache Leben

Lindenrinde eignet sich zum Feueranzünden. Die Pimpfe Insa (v. l.), Josephina und Stine reinigen sie, damit sie trocknen kann.
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Lindenrinde eignet sich zum Feueranzünden. Die Pimpfe Insa (v. l.), Josephina und Stine reinigen sie, damit sie trocknen kann.

Zum Landestreffen im Glücksburger Forst kamen 220 Kinder und Betreuer / Teilnehmer lernen auch soziales Verhalten in der Gruppe

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26. Mai 2015, 13:29 Uhr

Die Geräusche einer Motorsäge erfüllen die Luft, das Wummern eines Erdbohrers dringt durch den Wald und zwischendurch ist Sägen und das Schlagen von Äxten zu hören. Im Glücksburger Forst wird gearbeitet. Nahe dem Wildschweingehege und dem Waldspielplatz ist die Waldjugend aus Schleswig-Holstein zu Gast.

220 Mitglieder der Ortsgruppen im nördlichsten Bundesland haben ihr Landeslager über die Pfingstfeiertage aufgeschlagen. „Wir sind dieses Mal wieder direkt im Wald“, freut sich Lennart Dürotin, Landesleiter der Waldjugend Nord, über das Angebot der Ortsgruppe Glücksburg. Die vorigen Landeslager hätten eher auf Wiesen stattgefunden, sagte Lasse Wiedemann aus Frörup, auf Landesebene für die Finanzen zuständig. Im Wald sei das Aufstellen der 15 Jurten und zwölf Kothen zwischen Bäumen und auf Wurzeln schwieriger.

„Heute Nacht hat es etwas geregnet. Aber ansonsten haben wir mit dem Wetter richtig Glück“, sagt Insa Uebe (20) aus Lübeck und lobt die wunderschöne Umgebung. Mit Stine (12) und Josephina (10) reinigt sie Lindenrinde. „Ist die Rinde trocken, zünden wir mit ihr Feuer an und brauchen kein Papier“, erklärt Pressesprecher Rick Martin.

Diese und viele andere Kniffe für ein Leben mit einfachen und naturnahen Hilfsmitteln lernen die Pimpfe der Waldjugend kennen. „Unser Ziel ist es, den Kindern früh die Umwelt näher zu bringen“, sagt Martin, „sie lernen, sich mit Pflanzen und Tieren auseinander zu setzen“. Das Gesellige spiele natürlich auch eine Rolle. Die Kinder lernten, sich in der Gruppe zu verhalten.

Alle zwei Jahre findet ein Landeslager statt. Bei einem Haik, einer Rallye, lösen die Kinder an Stationen im Wald Wissensaufgaben und können Geschicklichkeit beweisen. Die Gruppe mit den meisten Punkten gewinnt. Rund 100 der 180 Kinder beteiligen sich daran.

Tags drauf musizieren und kochen die Gruppen um die Wette. Beim Kochwettstreit gibt der Inhalt einer Lebensmittelkiste den Grundstock des mehrgängigen Menüs vor. „Dabei wird schon mal das Gemüse geschnitzt“, lobt Martin den Ideenreichtum und die Einsatzfreude.

Solche Tage und Nächte schweißen zusammen, stellen Dürotin, Wiedemann und Martin fest. Es entstünden Freundschaften, die ein Leben lang halten könnten: „Wer zwei Jahre bei der Waldjugend mitmacht, bleibt meistens sein Leben lang dabei.“

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