Kollunder Wald : Wald sucht Käufer - Stadt winkt ab

Exkursion vor vier Jahren: Vertreter des Verschönerungsvereins und der Stadt warfen seinerzeit einen kritischen Blick auf den Zustand des Kollunder Waldes. Foto: Fischer
Exkursion vor vier Jahren: Vertreter des Verschönerungsvereins und der Stadt warfen seinerzeit einen kritischen Blick auf den Zustand des Kollunder Waldes. Foto: Fischer

Für drei Millionen Euro möchte der dänische Landwirt Henrik Enderlein den Kollunder Wald veräußern. Die neue Wählergemeinschaft "Flensburg wählen!" will, dass die Stadt das Gebiet zurückkauft.

shz.de von
21. Dezember 2012, 10:53 Uhr

Flensburg | Der Kollunder Wald steht zum Verkauf. Drei Millionen Euro soll er kosten. Da heißt es: beherzt zugreifen! Das findet zumindest die frisch aus der Taufe gehobene Wählergemeinschaft "Flensburg wählen!" Deren Vorsitzender Karsten Kuhls machte im Gespräch deutlich, warum: "Mit dem Rückkauf könnten die Flensburger Bürger den Grundstein für einen zukünftigen Flensburger Klimaschutzforst legen." Kuhls schwebt die Gründung einer Stiftung vor, die von Protagonisten wie Nord-Ostsee-Sparkasse, Stadtwerken, Industrie- und Handelskammer oder der Stadt Flensburg getragen werden solle. "Die lokalen Akteure", so Karsten Kuhls, "stehen damit vor ihrer ersten echten Bewährungsprobe."
Vor sechs Jahren hatte die Stadt 75 Hektar des Waldes an den dänischen Landwirt Henrik Enderlein veräußert. Friedrich Schreiber, Vorsitzender des Verschönerungsvereins, der sich seinerzeit vehement gegen den Verkauf gestemmt hatte, erinnert sich. "Wir hätten kurz zuvor den Wald für knapp 500.000 Euro erwerben können." Schon damals sei die Idee einer Stiftung präsent gewesen. Derartige Pläne jedoch zerschlugen sich. "Und plötzlich lag das Angebot von 1,2 Millionen auf dem Tisch. Da konnte die Stadt wohl nicht nein sagen."

Schutz vor willkürlichen Eingriffen

Schreiber findet den Rückkauf des Terrains nach wie vor sinnvoll - aus ökologischen wie ökonomischen Gründen. In den letzten Jahren habe der Wald jährlich 20.000 Euro Gewinn abgeworfen. "Und wir würden uns das Terrain nachhaltig als Erholungsgebiet sichern, es wäre zudem geschützt vor möglichen willkürlichen Eingriffen." Wenn Investoren das Geld aufbringen wollten - warum nicht? Er erinnert daran, wie Ende des 19. Jahrhunderts namhafte Flensburger Bürger damit begannen, Flächen des Waldes Stück für Stück von privater Hand zu erwerben. "Das Gebiet war schon immer eine Attraktion, auf die Flensburg stolz sein konnte."
Das kann sie ja auch bleiben, findet Verwaltungsssprecher Clemens Teschendorf. "So oder so, die Naherholungsfunktion bleibt doch erhalten." Warum, salopp gesagt, solle die Stadt sich einen Wald ans Bein binden? Ergo: Eine solche Maßnahme sei zu keiner Zeit ernsthaft erwogen worden.

"Der Wald ist ein Liebhaberstück"

Hinzu kommt, dass Enderlein sich mit seinem Kompagnon Peter Jørgensen zusammengetan hat, der andere Teile des Kollunder Waldes aufgekauft hat. Der Wald steht nunmehr nur als Gesamtpaket von 130 Hektar zu einem Preis von 22,5 Millionen Kronen zur Disposition. Es habe rein marktwirtschaftliche Gründe, den Wald zu verkaufen, so Enderlein. Die Holzgewinnung sei bei weitem nicht ausgeschöpft, betont der Geschäftsmann. "Nicht einmal die Hälfte der nachwachsenden Holzmenge wurde abgeholzt." Vor kurzem durchgeführte Rodungen, die für Aufregung gesorgt hatten, seien im Sinne der Waldpflege geschehen. "Der Wald ist vor allem ein Liebhaberstück, und als solches bieten wir ihn an."
Als was auch immer das Stück Natur offeriert wird - die Stadt bleibt bei ihrer klaren Linie. Teschendorf: "Wir brauchen keinen eigenen Wald." Überhaupt nicht nachvollziehen kann er die Argumentation des Mediziners Kuhls, der Klimaschutzeffekt rechtfertige die hohe Investition. "Was ändert sich denn am Klimaschutz durch einen Besitzerwechsel?" Vertraglich mit Enderlein vereinbart sei der Bestandsschutz, dieser dürfe weder roden, Flächen sperren noch Baugebiete ausweisen. "Ein Kauf", so der Stadtsprecher, "bringt letztlich keinen Mehrwert für die hier lebenden Menschen."

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