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Flensburger Tageblatt

16. Dezember 2017 | 19:56 Uhr

Kommunalwahl : Wahlplakate im Design-Test

vom

Die Botschaften der Parteien sollen auf den ersten Blick wirken: Zwei Experten untersuchen im Auftrag des Flensburger Tageblatts, ob das gelungen ist.

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 05:18 Uhr

Flensburg | Sie sind bunt, stehen an 47 Stellen der Stadt und an ihnen scheiden sich die Geister: Wahlplakate. Welche Botschaften wollen die Parteien vermitteln und gelingt ihnen das? Was machen sie gut - und was könnten sie besser machen? Wir haben zwei Flensburger Grafik-Experten um eine Analyse gebeten.
Die beiden Sonnenbrille tragenden Frauen auf dem Plakat der CDU kommen nicht gut an. "Sind das zwei Kandidatinnen?", fragt Rainer Prüß. Die Verbindung des Fotos mit dem Slogan "Wirtschaft = Arbeitsplätze" falle schwer - genauso wie die Petuh-Anspielung "szo klappt es auch mit Flensburg". Man müsse zu sehr um die Ecke denken. Außerdem werden der schwer lesbare Orange-Blau-Kontrast und die Überfrachtung bemängelt: "Eine Botschaft hätte gereicht", sagt Martin Schulz.

Obdachlose Studenten


Auf dem SPD-Plakat ist ein vor dem Audimax schlafender junger Mann zu sehen. "Bezahlbarer Wohnraum für alle" heißt einer der drei Slogans in der violetten Box. "Gut gemeint, funktioniert aber nicht", urteilt Prüß. Die Botschaft könne nach hinten losgehen: Niemand wolle wohl obdachlose Studenten im Stadtbild. Lob gibt es für den aufgebrachten QR-Code, über den man per Smartphone zu weiteren Informationen gelangt - wenn er denn funktionieren würde. Unseren Praxistest hat er nicht bestanden.
Die Grünen machen nach Einschätzung der Experten vieles richtig. "Kurz, kompakt, grafisch sauber", meint Schulz. Die Botschaft könne schnell erfasst werden - darauf komme es beim schnellen Vorbeifahren an. Die Partei setzt auf Themenwahlkampf und verzichtet auf eine Flensburg-Ansprache. "Bei denen funktioniert das", meint der Grafiker. "Personen waren hier noch nie im Vordergrund - und diese Strategie ziehen sie durch."

Wahlkampf mit Gesichtern


Auch die FDP kommt verhältnismäig gut weg. Das große Porträt einer Direktkandidatin zieht an der Plakatwand die Blicke auf sich, damit sei der erste wichtige Schritt schon geschafft: Aufmerksamkeit erzeugen. "Wahlkampf wird mit Gesichtern gewonnen", weiß Rainer Prüß. Aber es fehle der Slogan, denn den Betrachter interessiere auch, was der Kopf will.
Beim SSW erkennt Martin Schulz "Vampir-Effekte": Eine Wirkung sauge der anderen das Blut aus, das Plakat habe zu viele Elemente. Die Personen "kommen zwar nett rüber", aber ihre Umrisse wurden technisch unsauber freigestellt. Außerdem "schweben" die Personen scheinbar im Raum, ein Schatten fehle. Prüß vermisst eine klare Botschaft. "Ideen für Flensburg kann man ja viele haben."

Inhalte? Fehlanzeige!


Schlicht rot mit einem weißen Slogan "Verlässlich für: niedrige Energiepreise" präsentiert sich die Linke. Wie die Grünen verzichten sie auf eine lokale Ansprache. "Extrem simpel, aber es funktioniert", meint Schulz. Lob gibt es für die Reduktion auf eine Botschaft und die Freiflächen. Allerdings könne das Plakat auch in Bayern hängen, ein Lokalbezug fehlt.
In aggressivem Neon-Orange tritt das Bündnis Flensburg Wählen auf. "Empört euch! Bewegt euch! Engagiert euch!", heißen die Slogans. Unklar bleibe allerdings, über welche Themen man sich empören soll. "Die Inhalte fehlen", findet Prüß. Bemängelt wird auch das riesig wirkende Parteilogo in der Plakatmitte.
Mit Erfolgen in den Bereichen Stadtwerke, Campusbad, Highship und Fahrensodde wirbt die WiF. "Viel zu unruhig und überfrachtet" findet Schulz das Plakat, auch durch drei verschiedene Farben. Sein Kollege Prüß hält es sogar für eine "typographische Bleiwüste". Ein weiterer Kritikpunkt: Das völlig verpixelte Parteilogo.
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