BTW 2017 : Wahlkreis Flensburg-Schleswig: Klarer Sieg für Petra Nicolaisen

Der unterlegene Clemens Teschendorf.
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Der unterlegene Clemens Teschendorf.

Die CDU-Kandidatin holt das Direktmandat. Ihr SPD-Kontrahent Clemens Teschendorf: „Kein schöner Abend“.

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25. September 2017, 00:57 Uhr

Flensburg | Der Schock über das schwache Abschneiden der CDU auf Bundesebene stand auch Petra Nicolaisen ins Gesicht geschrieben, als sie Sonntagabend im Schleswiger Kreishaus eintraf. Als dann aber gegen 20 Uhr allmählich die Ergebnisse aus Flensburg durchsickerten, erhellte sich die Miene der 51-jährigen Wanderuperin zusehends. Denn schnell wurde klar, dass ihr das Direktmandat im Wahlkreis 1 (Flensburg-Schleswig) nicht mehr zu nehmen sein würde. Im Kreisgebiet lag sie ohnehin vorn, hinzu kam ein überraschend starkes Resultat auch in der Fördestadt. „Das freut mich natürlich besonders“, sagte die Wahlgewinnerin, die insgesamt auf rund 40 Prozent kam und damit deutlich vor ihrem SPD-Kontrahenten Clemens Teschendorf lag, der gut 28 Prozent der Erststimmen auf sich vereinigen konnte. In Flensburg lagen beide mit jeweils 30,8 Prozent gleichauf.

„Es war wohl die richtige Entscheidung, die ich getroffen habe“, meinte Nicolaisen. Sie war von ihren Parteifreunden erst im Juli ins Rennen geschickt worden, nachdem die bisherige Bundestagsabgeordnete Sabine Sütterlin-Waack als Justizministerin ins Kieler Kabinett gewechselt und ihre Kandidatur zurückgegeben hatte. „Mein Bekanntheitsgrad auch in Flensburg hat sich offensichtlich ausgezahlt“, so Nicolaisen.

Teschendorf machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: „Das ist kein schöner Abend.“ Er werde „nach dem langen und anstrengenden Wahlkampf“ wohl einige Tage brauchen, um das zu verarbeiten, sagte der SPD-Politiker aus Steinbergkirche. Vor allem das schwache Abschneiden in Flensburg, wo er als Rathaussprecher arbeitet, setzte ihm zu. „Damit hatte ich nicht gerechnet. Im Wahlkampf hatte ich ein anderes Gefühl.“ Aber es sei eben schwer gewesen, den generellen Trend zu brechen, so Teschendorf.

Als um 18 Uhr die erste Prognose über den Bildschirm flimmerte, war es beinahe mucksmäuschenstill im Schleswiger Kreishaus. Lediglich dem AfD-Kandidaten Frank Hansen huschte ein Lächeln über sein Gesicht. „Schön!“, lautete sein knappes Fazit.

Fassungslosigkeit hingegen bei der SPD. „Sie erleben mich relativ sprachlos“, meinte Flensburgs Ratsfraktionschef Helmut Trost. „Das ist am unteren Ende dessen, was man befürchten durfte.“ Teschendorf indes bescheinigte er einen hervorragenden Wahlkampf. „Er hat einen exorbitanten Einsatz gezeigt. Mehr geht nicht.“

Petra Nicolaisen versuchte derweil, eine Erklärung für das ernüchternde CDU-Gesamtergebnis zu finden. „Ich glaube, dass sich SPD und CDU nicht mehr richtig unterscheiden“, sagte sie. Dieses Empfinden habe sie in vielen Gesprächen im Wahlkampf wahrgenommen.

Mit gemischten Gefühlen verfolgte FDP-Direktkandidat Christian Lucks den Wahlabend. „Unser erstes Ziel haben wir erreicht: Wir sind wieder im Bundestag. Das zweite Ziel, drittstärkste Kraft zu werden, leider nicht.“

Dass es nun wohl auf ein Jamaika-Bündnis auch auf Bundesebene hinauslaufen wird, löste bei Petra Nicolaisen kein Unbehagen aus. „Auf Landesebene haben wir damit bisher gute Erfahrungen gemacht“, meinte sie. Allerdings komme im Bund die CSU als Koalitionspartner hinzu, was die Sache nicht leichter mache.

Offen für eine Jamaika-Koalition zeigte sich auch der Grüne Wittenhorst. „Ich bin ein Realo. Und es gibt ja auch eine demokratische Verpflichtung, die aus dem Wahlergebnis resultiert.“

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