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Streit um Großprojekt an Hafenspitze : Wahlkampf mit dem Flensburger Hafen-Hotel

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"Ein Monsterriegel!" Flensburg diskutiert über ein neues Vier-Sterne-Hotel nahe der Hafenspitze, für das der Bahndamm abgerissen werden soll.

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2013 | 11:11 Uhr

Flensburg | Anders als 2008 gibt es keine konkreten Pläne, keinen Investor und schon gar keine politische Mehrheit. Dennoch könnte im Endspurt zur Kommunalwahl in Flensburg erneut ein Hotel eine entscheidende Rolle spielen. Der Verein zum Erhalt der östlichen Altstadt hatte seine Mitglieder, alle Bürger und Vertreter der Ratsparteien ins Bellevue eingeladen, und es ging fast nur um das Hotel, das Oberbürgermeister Faber im September 2012 ins Spiel gebracht hatte - ein lang gestreckter, abgestufter, mehrstöckiger Bau auf der Fläche des Parkplatzes Kieler Anlagen nahe der Hafenspitze.
"Ein Monsterriegel", nennt ihn SPD-Fraktionschef Helmut Trost. "Dieses furchtbare Konstrukt", sagt Arne Rüstemeier (CDU) und spielt damit vermutlich auf eine Darstellung der IG Ostufer an. Der dänische Gutachter Ole Andersen hatte im September den Flensburger Politikern dringend geraten, ein Vier-Sterne-Hotel zu ermöglichen, den Platz dafür gleich mitgeliefert und die Skizze eines theoretisch möglichen Gebäudes auch. Dieses Gebilde geistert jetzt durch die Diskussionen und die Köpfe.

Bahndamm abreißen?


"Flensburg hat als einzige Stadt in Schleswig-Holstein kein Vier-Sterne-Hotel", sagte Meike Bruhns (FDP). "Das geht schon mal gar nicht." "Flensburg hat die höchste Auslastung der Hotels in Schleswig-Holstein", ergänzte Rüstemeier, "das ist Potenzial. Und wir brauchen Jobs." Die Bahnbrücken über den Hafendamm seien "ein Schandfleck", die könnten abgerissen werden. Alle politischen Vertreter sprachen sich für den Erhalt des Bahndamms bis zum Hafendamm aus.
Eine einzige Bürgerin meldete sich tapfer zu Wort und sprach sich für das Hotel aus. Sie sei wohl mit den örtlichen Bauunternehmen und Investoren verbandelt, musste sie sich dafür zurufen lassen. Was sie strikt verneinte. Ansonsten: Klare, unmissverständliche Ablehnung des Hotel-Projekts. Alternativ wurde auf das geplante Hotel am Werftkontor verwiesen, das, so der Vorwurf, von der Stadt seit eineinhalb Jahren blockiert werde, und auf den "Kayser’s Hof" an der Schiffbrücke, der ein Schandfleck für die Stadt sei. Moderator Knut Franck schlug vor, das Gesundheitshaus gleich mit abzureißen, um genügend Platz zu haben. Am Rande der Diskussion wurde bekannt, dass das Flensburger Bauunternehmen Höft schon recht weit mit einer Planung für den Komplex sei und in nicht allzu ferner Zeit konkrete Planungen vorstellen werde, darunter auch ein Hotel.

Unterirdische Pläne


Für die WiF, die 2008 extrem von der Ablehnung der Hotel-Pläne am Ballastkai profitiert hatte, räumte Harro Teichmann ein, dass Flensburg in der Tat mehr Hotelbetten brauche. Für die WiF seien der "Kayser’s Hof" und der Platz neben dem Werftkontor die geeigneten Plätze.
Der SSW könne sich die Kieler Anlagen als Standort vorstellen, sagte Edgar Möller und sprach sich indirekt für eine Bürgerbefragung aus. "Wenn die Mehrheit es will, sind wir dabei." Heinz-Werner Jezewski (Die Linke) stellt sich die Kieler Anlagen, die in Privatbesitz sind, als öffentlichen Raum für maritimes Gewerbe, Gastronomie und ein unterirdisches Hotel vor. Er möchte lieber zehn Hotels mit 50 Betten als eines mit 500 haben. Stefan Thomsen (Grüne) sprach sich für einen Bebauungsplan für das Hafen-Areal aus, schob allerdings, als hart nach dem Hotel nachgefragt wurde, ein "Nein" hinterher.
Themen wie die verunglückte Harniskai-Planung, das Projekt "Klarschiff", die Parksituation in der östlichen Altstadt, die Neubauten am Margarethenplatz und der Neubau der Handwerkskammer spielten keine große Rolle in der Diskussion.
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