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Flensburg : Wahlfieber in der Flensburger Bürgerhalle

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Schreie, Quengeleien, Überraschungen, Ernüchterung: Der Wahlabend im Flensburger Rathaus war emotional. Eine Chronologie.

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erstellt am 28.Mai.2013 | 07:59 Uhr

Flensburg | 18.05 Uhr: Der Geräuschpegel ist hoch, die Bürgerhalle gut gefüllt. Spannung liegt in der Luft. Fernsehteams von NDR und Offenem Kanal verkabeln die Spitzenkandidaten mit kleinen Mikros, dabei schweifen die Politiker-Blicke immer wieder auf die große Projektionsfläche, wo die Ergebnisse aus den Wahlkreisen eingeblendet werden sollen.
18.13 Uhr: Direktmandate? Kommunalwahl? Brause und Rathaustreppen finden die jüngsten Gäste der Wahlparty irgendwie spannender. Während Mama oder Papa im Trubel mitfiebern, turnt der Nachwuchs im Hintergrund und mampft fleißig Brötchen. Auch die Tochter von Bürgermeister Henning Brüggemann hat sich in die Spielecke verkrümelt.
18.23 Uhr: Das erste Ergebnis ist da, der Wahlbezirk Gesundheitshaus 2 war am schnellsten. Kurze Ruhe - dann ein Raunen. Mehrheit für die Grünen - aber das will ja noch nichts heißen. Denn je zwei Wahlbezirke bilden einen Wahlkreis. Erst wer zusammengerechnet eine Mehrheit erlangt, gewinnt ein Direktmandat.
18.28 Uhr: Jetzt trudeln die Ergebnisse quasi im Sekundentakt ein. Doch die Emotionen halten sich noch in Grenzen. Überall werden die Smartphones gezückt, die Politiker nehmen die Ergebnisse auf der Homepage der Stadt unter die Lupe und rechnen Wahlbezirke zusammen.
18.46 Uhr: Es geht in die heiße Phase. Ein ständiger Wechsel auf dem ersten Platz. SSW, CDU und SPD tänzeln um die Spitze. 68,2 Prozent der Gesamtstimmen sind jetzt ausgewertet - Siege und Niederlagen beginnen sich abzuzeichnen. "Wir hoffen auf 15 Prozent - das sollte reichen, um weiterhin lästig zu sein", schmunzelt Christian Dewanger (WiF).
18.49: An einer Stellwand an der Seite der Bürgerhalle hängt ein Mitarbeiter des Rathauses die Wahlkreis-Ergebnisse auf. Wer hier jeweils an Platz 1 steht, hat einen Sitz im Rat sicher. Zahlreiche Politiker steuern die Aushänge an.
18.55 Uhr: Ein Aufschrei. Arme werden nach oben gerissen. Jubel und schallendes Lachen aus der grünen Ecke lässt alle aufhorchen. Das erste grüne Direktmandat in Flensburg wird gefeiert. Rasmus Andresen hat den Wahlkreis 11 gewonnen. "Das ist ein absolutes Novum", freut sich Parteikollege Pelle Prieß.
19.00 Uhr: Ernüchterung beim SSW. Nachwuchskraft Claas Johannsen hat soeben erfahren, dass er den Wahlkreis 9 in Weiche mit nur sieben Stimmen Unterschied an die SPD verloren hat. "Ärgerlich", seufzt er. Auch die Wahlbeteiligung macht ihn betroffen: "Das ist auch ein Misserfolg für uns - wir haben die Leute nicht zur Wahl bekommen". Auch wenn der SSW für starke Mobilisation seiner insbesondere dänischen Anhänger bekannt ist: "Das greift immer stärker auch auf unsere Kernwähler durch", so der Schüler.
19.04 Uhr Barbara Winkler schüttelt verzweifelt mit dem Kopf. "Was ist das bloß für eine Demokratie?" Von 75 071 Wahlberechtigten haben lediglich 26 968 Flensburger ihr Wahlrecht wahrgenommen - nur etwa jeder Dritte also. Selbst hätte sie gern mitbestimmt, darf aber nicht: Als Amerikanerin gehört sie zu den Nicht-EU-Bürgern, die bei Kommunalwahlen nicht wahlberechtigt sind (wir berichteten).
19.07 Uhr: Wenn wenig Stimmen abgegeben werden, zählt jede einzelne umso mehr. "Man konnte heute einen Wahlkreis mit nur 184 Stimmen gewinnen", staunt Stadt-Sprecher Clemens Teschendorf, während er die Ergebniswand betrachtet. Der Tag sei völlig störungsfrei verlaufen, wohl auch dank eines Probelaufes mit fiktiven Stimmen in der vergangenen Woche, berichtet er.
19.20 Uhr: Nur noch ein Wahlkreis fehlt. Der Sauerstoffgehalt in der Bürgerhalle liegt gefühlt bei null - ganz im Gegensatz zur Temperatur. Schweißperlen laufen über so manche Stirn, Wangen leuchten rot.
19.23 Uhr: Justiziarin Ellen Eichmeyer verkündet das vorläufige Endergebnis. Tosender Applaus vor allem bei WiF, Grünen, SPD - und dem Last-Minute-Sieger CDU. Blumensträuße werden überreicht, die Spitzenkandidaten tauchen ins Blitzlichtgewitter.
19.29 Uhr: "Es hat einige Überraschungen gegeben", schmunzelt Bürgermeister Henning Brüggemann, der ganz leger in Kordhose und Langarmshirt zur Wahlparty gekommen ist. Was genau ihn überrascht, will er aber nicht verraten. "Die Mehrheitsfindung im Rat wird wohl ähnlich schwierig wie zuletzt", meint er.
19.33 Uhr: Bier-Nachschub vom Verpflegungsstand ist gefragt. Doch nach dem spannenden Wahl-Finale macht sich auch Hunger breit. "Die Schöpfcurrywurst geht besonders gut", sagt Service-Chef Josef Di Paola. Seit dem Abschied des ehemaligen Oberbürgermeisters Tscheuschner habe das Gericht im Rathaus Tradition.
19.50 Uhr: So langsam hat der Nachwuchs der Politiker genug vom Turnen an den Geländern und wird quengelig. "Nach Hause?" Klingt gut. Die Bürgerhalle wird leerer. Und die Flensburger Kneipen füllen sich. Zeit für Analysen bei dem einen oder anderen Glas Wein.

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