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Landtagswahl in Flensburg : Wahl-Nachlese: Sieger und Besiegte

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Heiner Dunckel und Kay Richert freuen sich auf ihre erste Legislaturperiode im Landtag – SSW erlitt deutlichen Einbruch bei Erst- und Zweitstimmen.

shz.de von
erstellt am 09.Mai.2017 | 08:15 Uhr

„Flensburg ist und bleibt eine rote Stadt!“, wetterte am späteren Wahlabend Ex-Ratsherr Thomas Dethleffsen (CDU). Zu diesem Zeitpunkt war am Start-Ziel-Sieg des SPD-Novizen Heiner Dunckel nichts mehr zu deuteln. Mit deutlichem Abstand hatte er den Wahlkreis und das Direktmandat gewonnen – ohne sozialdemokratischen Stallgeruch, ohne Ratsmandat und jahrelange kommunalpolitische Kärrnerarbeit, die meistens Voraussetzung dafür ist, von einer Partei in den Landtag geschickt zu werden.

Sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitstimmen hat die SPD ein relativ ausgeglichenes Ergebnis im ganzen Stadtgebiet erzielt; es gab kaum Ausschläge nach oben oder nach unten.

Anders bei der CDU: In einem Stadtbezirk blieb sie einstellig, dafür kam sie andernorts auf über 40 Prozent (siehe Kasten unten). In absoluten Zahlen vereinte CDU-Kandidat Arne Rüstemeier mit 10  750 Erststimmen deutlich mehr Voten auf sich als 2012 Susanne Herold, die damals als Landtagsabgeordnete antrat (9191 Stimmen).

Am Wahlabend war Geduld gefragt. Erst gegen 23 Uhr lief das letzte Ergebnis ein. „In drei bis vier Wahllokalen musste nachgezählt werden“, sagte Stadtsprecher Clemens Teschendorf zur Begründung. „Die Ergebnisse warten nicht stimmig.“ Das seien Fehler, die passieren können – trotz guter Schulung der ehrenamtlichen Wahlhelfer. Am Ende gehe Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Die etwas höhere Wahlbeteiligung – 58,6 Prozent gegenüber 52,9 Prozent 2012 – trug auch ihren Teil zum langen Zählen bei.

Beim SSW fällt auf, dass er vor allem bei den Zweitstimmen einbrach. Votierten 2012 noch immer 6783 Wähler für die Partei der dänischen Minderheit, waren es am Sonntag nur noch 5295; das entspricht einem Rückgang von 18,6 auf 12,8 Prozent. Erstkandidat Christian Dirschauer erhielt 5090 Erststimmen, Ratsherr Edgar Möller hatte 2012 noch 5834 erhalten – trotz geringerer Wahlbeteiligung. Beide liegen Welten entfernt von dem Traumergebnis, das Silke Hinrichsen 2009 erzielte: 8419 Stimmen – allerdings bei einer Wahlbeteiligung von 67 Prozent.

Ein Neuling für Flensburg im Landtag wie Heiner Dunckel ist Kay Richert. Die Hartnäckigkeit des Liberalen, der zweimal achtbare Ergebnisse als Kandidat bei einer Oberbürgermeisterwahl erzielte, wurde belohnt. 3238 Zweitstimmen bekam er in Flensburg (7,9 Prozent). „Für mich ist das alles Neuland“, sagt der 44-jährige Diplom-Verwaltungswirt und geht davon aus, dass er heute auf seiner ersten Sitzung der FDP-Landtagsfraktion in Kiel erfährt, „wie der Hase läuft“. Wenngleich er nun mehr Zeit in Kiel verbringt: „Ich werde natürlich im Wahlkreis ansprechbar bleiben“, sagt der dreifache Familienvater, der in Weiche wohnt. Als Bundesbeamter – Richert ist in der Bundeswehrverwaltung tätig – werde er für die Zeit als Mandatsträger beurlaubt.

Zur Lieblingskoalition äußert sich der FDP-Mann vorsichtig. „Es sieht so aus“, sagt er, „dass wir mit der Union viele Schnittmengen haben.“ Aber es ginge nicht darum, mit wem koaliert werde, sondern darum, „viele unserer Ziele“ im Land umzusetzen. „Ich komme aus der Lokalpolitik und kann im Grunde mit allen demokratischen Parteien zusammenarbeiten“, betont Richert. So nennt der Flensburger auch den SSW und sieht Chancen, die Beziehung beider Parteien auf Landesebene auf neue Füße zu stellen. Als weiteren wichtigen Termin in dieser Woche behält der Chef der FDP-Ratsfraktion die Ratsversammlung am Donnerstag im Blick.

Ein „alter Hase“ mit seinen 31 Jahren ist schließlich Rasmus Andresen für Bündnis 90/Die Grünen. Fürs Direktmandat (4913 Erststimmen, 12 Prozent) haben die Stimmen nicht gereicht, aber über Landesliste zieht er in den Landtag und vertritt Flensburg in seiner dritten Legislaturperiode in Kiel.

 

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