Wasserschutzpolizei Flensburg : Wächter entlang der Küstenlinie

Bei kurzen Kontrollen auf See werden die Dokumente mit dem Kescher eingesammelt.
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Bei kurzen Kontrollen auf See werden die Dokumente mit dem Kescher eingesammelt.

Die Flensburger Wasserschutzpolizei kämpft nicht nur gegen Kriminalität, sondern auch mit einem drohenden Stellenabbau.

shz.de von
30. Juli 2014, 10:59 Uhr

Sommerferien, perfektes Urlaubswetter: Da rücken Hafen und Strände fast automatisch in den Blick von Flensburgern und Feriengästen. Deshalb bringt das Tageblatt seine Sommerserie „An der Wasserkante“. Heute: Die Wasserschutzpolizei.

Das kleine Kajütboot am Anleger im Industriehafen ist auffällig. Die komplette Beleuchtung brennt mitten am Tag, die Tür ist offen, aber kein Mensch zu sehen. Jens Albert lässt seinen Kollegen Bernd Poschkamp auf Höhe des Bootes stoppen, geht aufs Vorschiff und schaut sich die Sache aus wenigen Metern Entfernung genauer an. Obwohl niemand auf sein Rufen reagiert, winkt er schließlich ab, lässt weiterfahren. „Da liegt überall Werkzeug herum, es ist ein Monteur an Bord, der etwas repariert, alles okay“, sagt Albert routiniert. Heutzutage müsse man aber aufpassen. „Selbst Steg-Nachbarn im Hafen kennen sich oftmals nicht, wenn dann Diebe einfach auf ein Boot gehen, wird das eventuell gar nicht wahrgenommen.“

Albert und Poschkamp sind Polizeihauptmeister auf dem Flensburger Revier der Wasserschutzpolizei und auf Streifenfahrt mit der „Duburg“. 750 Pferdestärken haben die zwei Motoren des gut zehn Meter langen und 54 km/h schnellen Schiffes. „Wir müssen mit unserem Equipment auf der Höhe der Zeit bleiben und innerhalb unseres Einsatzgebietes schnell vor Ort sein“, sagt Albert. 130 Kilometer Küste umfasst jenes, reicht bis nach Eckernförde. 6500 feste Liegeplätze gibt es hier – und pro Jahr sind 30 000 Gastsegler unterwegs. „Dazu kommt noch die Berufsschifffahrt mit jährlich rund 300 Schiffen, die hauptsächlich Kohle für das Kraftwerk, Zellulose für die Papierfabrik und Düngemittel bringen.“ Neben Flensburg gibt es in Kappeln eine zweite Station und eine weitere, nur im Sommer besetzte, in Eckernförde. 29 Beamte arbeiten in Schichten, neben der „Duburg“ steht in Flensburg ein wendiges Schlauchboot zur Verfügung, in Kappeln zusätzlich zur gleichen Ausstattung noch ein 27 Meter langes Küstenboot und in Eckernförde ein einzelnes Schlauchboot.

Regelwidriges Verhalten, Alkoholmissbrauch, Diebstahlsdelikte, Umweltfrevel, Absicherung von Stapelläufen der Flensburger Werft, diese Stichworte umreißen die Aufgaben der Wasserpolizei. Man versuche, eine partnerschaftliche Rolle zu übernehmen. „Gleich zu Beginn dieser Saison hatten wir einen krassen Fall, da ist ein offensichtlich betrunkener Schiffsführer mit einer 10-Meter-Yacht auffällig geworden und hat im Flensburger Hafen einen Dalben gerammt. Der hatte 2,42 Promille“, erinnert sich Albert. Erst vor zwei Wochen war der letzte größere Einsatz. „In Kappeln hatte jemand ein Motorboot mit Außenborder entwendet, in einen anderen Hafen gebracht und bereits über das Internet zum Verkauf angeboten“, berichtet Albert. Kollegen hätten nach akribischer Suche das Boot entdeckt und sich am Hafen auf die Lauer gelegt. „Nach zwei Stunden kam der Täter tatsächlich und konnte gestellt werden.“ Solche aufwendigen Einsätze wird es in Zukunft wohl nicht mehr geben, glaubt Albert. Grund sind die Sparpläne der Landesregierung, die nun auch die Wasserschutzpolizei treffen. „Von den landesweit 265 Stellen sollen bis 2020 zwischen 60 und 80 gestrichen werden, bei uns hier im Revier sind es allein acht von derzeit 29“, erklärt er. Das Ergebnis solcher Einsparungen sei eine „eingeschränkte Wahrnehmung der Aufgaben“.

Albert ist persönlich betroffen, sein Teilaufgabenbereich Präventionsarbeit, in dem er etwa bei Vorträgen über Eigentumssicherung referiert und Gravur-Aktionen für die bei Dieben sehr beliebten Außenbord-Bootsmotoren organisiert, soll gänzlich aufgelöst werden. „30 000 Gravuren haben wir landesweit gemacht, dadurch viele Diebstähle verhindert. Es ist paradox, dass das nicht mehr weitergehen soll.“ Seine Aufgabe als Pressesprecher in Flensburg fällt an die Landespolizei.

„Grundsätzlich sind die acht abzubauenden Stellen bis 2020 nicht über Pensionierungen aufzufangen“, sagt Albert. Ab 2022 werden dann aber 40 Prozent der Wasserschutzpolizisten in den Ruhestand gehen – was zu Problemen bei der Nachwuchssuche führen dürfte. Der Bereich Sportbootkriminalität wird ohnehin künftig von der Kriminalpolizei übernommen. Ein Trost? Jens Albert: „Für Insider ist das alles der Einstieg in den Ausstieg aus der Wasserschutzpolizei.“

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