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Handball : Wachsverbot: Stadt als Spielverderber

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In der sanierten Fördehalle gelten neue Regeln – ein Skandal für die SG Flensburg-Handewitt und andere Sportvereine

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2014 | 07:23 Uhr

Das Schreiben vom Dreizehnten war amtlich, aber im Ton freundlich. Und vermutlich war Doris Kempe aus dem Bildungs- und Sportbüro der Stadt nicht bewusst, dass sie ein mittelschweres Erdbeben auslösen würde, als sie der SG Flensburg-Handewitt, dem TSB und DHK Flensburg mitteilte, dass in der Fördehalle ab sofort absolutes Wachs- beziehungsweise Harzverbot gilt. Die SG als Hauptnutzerin der Halle ist entsetzt. „Eine Katastrophe“, kommentiert SG-Leiter Sascha Zollinger. „Dann können wir den Spielbetrieb für die Leistungsmannschaften genauso gut einstellen.“

Das Problem: Ohne Wachs funktioniert Handball schlechter als mit. „Ab der C-Jugend ist der Einsatz wasserlöslicher Haftmittel obligatorisch“, sagt Zollinger – wobei er die Wasserlöslichkeit betont. Sollte die Anordnung in Kraft treten, sieht Zollinger schwere Zeiten auf die Vereine zukommen. „Die Verwendung von Wachs ist in vielen Ligen zwingend vorgeschrieben. Wir haben insofern überhaupt keinen Spielraum“, sagt der SG-Leiter. Und das Problem wird bis in die Bundesliga durchgereicht. Die Profis der SG spielen zwar (mit Wachs) in der Campushalle, können dann aber nicht mit weniger attraktiven Pokalspielen in die günstigere Fördehalle ausweichen. Die SG ist in einem weiteren Punkt betroffen. „Die Erfüllung dieser Anforderungen im Nachwuchsbereich ist Bestandteil der Zertifizierung in der Bundesliga“, sagt Zollinger. Bei Zuwiderhandlung droht Strafgeld. Ein Prozent vom Etat – bei der SG rund 65 000 Euro.

Dort kann sich niemand einen Reim auf diese jüngste Anordnung machen. „Wenn das so umgesetzt wird, wäre das ein Skandal“, schimpft Sönke Voß. Der SG-Kommanditist und stellvertretende TSB-Vorsitzende erinnert an die Entstehung und Bedeutung der 3000 Zuschauer fassenden Fördehalle. Sie wurde 1988 im Zuge der SG-Gründung durch eine Bürgerinitiative verwirklicht, die viel Geld für diese Handballhalle einsammelte. Auch wenn die international erfolgreiche 1. Mannschaft mittlerweile in der größeren Flens-Arena spielt, ist sie doch die Keimzelle der erfolgreichen SG-Geschichte. „Eine legendäre Halle“, sagt Voß. „Sie ist ein wichtiger Bestandteil unserer Identität.“

Daher herrscht bei den Handballern über das jüngste Vorpreschen der Stadtverwaltung blankes Unverständnis. „Flensburg bezeichnet sich als Handballstadt, will internationale Wettbewerbe ausrichten – und dann kommt so etwas“, wundert sich der ehemalige Bundesliga-Handballer Voß. „Harz ist nun einmal Bestandteil unseres Sports. In Dänemark ist das in jeder Dorfhalle Standard; hier sollen wir nicht mehr nach den Regeln des Handballs spielen dürfen. Das ist unmöglich!“

Die Stadt hat auch die übrigen Sportarten im Auge. „Wir haben vergangenes Jahr 600 000 Euro in die Hand genommen und die Halle wieder richtig fit gemacht“, sagt Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf. „Und wir wollen sie jetzt in einem guten Zustand halten.“

Vor der Wiedereröffnung haben die städtischerseits Beteiligten abgestimmt, wie sie es mit dem klebrigen Zeug der Handballer handhaben wollen. „Das Wachs wird durch die vielen Nutzer bis in den letzten Hallenwinkel verteilt. Für die Reinigung muss das TBZ sehr hohen und teuren Aufwand treiben.“ Sollten die Sportler die Fördehalle weiterhin im gewohnten Umfang nutzen wollen, müsse man über die Reinigungskosten reden.

Für die Handballer drängt jetzt die Zeit. Bereits jetzt werden in den Ligen die Spielpläne für die kommende Saison zusammengestellt. Die SG-Leistungsmannschaften mit der in der Bundesliga spielenden A-Jugend trainieren nicht nur in der Fördehalle, sondern tragen hier auch überwiegend ihre Punktspiele aus. Das wäre nach dem Harz- beziehungsweise Wachsverbot nicht mehr möglich. Ausweichmöglichkeiten, so Zollinger, gibt es so gut wie keine. „Ich weiß nicht, wie ich das lösen soll. Das ist ein harter Treffer, der uns weit, weit zurückwirft.“

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