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Wo Flensburg wächst: Tarup : Wachstum auf der grünen Wiese: Aus Dorf wird Stadt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neubaugebiet Tarup Südost bildet jetzt den Flensburger Stadtrand

Das Dörfliche wird gern und häufig vorangestellt, aber ein Dorf ist Tarup schon lange nicht mehr. Der Dorfkrug Tanneneck ist längst weg, die Dorflinde gefällt, wo beide mal standen, verfällt seit Jahren das alte Dorfzentrum in Gestalt eines leer stehenden Supermarkts, nur noch wenige Häuser entlang der Hauptstraße erinnern an die Zeit, als hier im Südosten Flensburgs Landwirtschaft die prägende Kraft war. Hundert Jahre später ist das ehemalige Bauerndorf längst eingemeindet und Vorstadt geworden. Flensburgs am schnellsten wachsender Stadtteil ist das letzte große Siedlungsreservoir – und auch das stößt gerade an seine Grenzen.

Das ursprüngliche Tarup ist schnell abgefahren. Richtung Ortsausgang stehen beidseits der Taruper Hauptstraße ein paar kleinere Katen, dann folgt noch der große Christiansen-Hof, hinter der Bahnüberführung geht’s gleich rechts rein in den Tastruper Weg, links zweigt die Dorfstraße nach Groß-Tarup ab, geradeaus geht’s Richtung Tastrup in eine Gegend, die vorher mal Angeliter Landschaft war. Wo vor zehn Jahren noch Knicks und ausgedehnte landwirtschaftliche Flächen das Bild prägten, steht jetzt Haus an Haus. Hier entsteht Groß-Tarup Süd-Ost, Flensburgs neuer Stadtrand.

Der aktuelle Bebauungsplan umfasst eine Fläche von 33 Hektar, von denen 13,2 ha für das eigentliche Wohngebiet reserviert sind, doch zu erwerben gibt es hier keinen Maulwurfshügel mehr. Das komplette Baugebiet war schon kurz nach Beginn der Vermarktung 2014 ausverkauft. Zu verteilen gab es 33 Baugrundstücke westlich und 71 Grundstücke östlich des Tastruper Wegs, ferner vier Grundstücke für 100 Wohnungen im Geschosswohnungsbau, vier Grundstücke für 14 Reihen- und Kettenhäuser. Auf der zum Bahndamm gelegenen Seite der Erschließungsstraße Hochfelder Landstraße (K8) plant der Selbsthilfe Bauverein darüber hinaus in 34 bis zu fünfstöckigen Gebäuden 286 Wohneinheiten.

Die Stadt spürt den Siedlungsdruck auf allen Ebenen - seit langem schon. Flensburgs Stadtplaner i.R. Hans Friedrich Kroll hat das Wachstum als Taruper miterlebt und verantwortlich mitgestaltet. In den frühen 80er Jahren, da war Tarup gerade nach Flensburg eingemeindet worden, begann die Stadt den stattlichen Flächenzuwachs an ihrem Rand für Wohnbebauung zu nutzen. Das Bauerndorf war mit neun landwirtschaftlichen Betrieben mit zusammen über 400 ha Fläche eingemeindet worden, die ersten Neubürger bauten in Richtung Norden (Engelsby) und nach Süden in Richtung Richtung Bahnlinie. Im nächsten Schritt wurde in den 90er Jahren Tarup-Südwest entwickelt, dann wanderte das Wachstum über die Ringstraße nach Sünderup, 2010 von dort schließlich über die Bahnlinie aufs Hochfeld, wo 188 Grundstücke bebaut wurden. Mit Stichtag 1.7. diesen Jahres hat Flensburgs dörflicher Rand eine beachtliche Entwicklung hingelegt. 4519 Menschen leben aktuell im „Dorf“, am 1.7.1995 waren es nur 1682 gewesen. Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. „Etliche Bauten sind noch in der Herstellung und im dritten Bauabschnitt kommen noch einmal 286 Wohneinheiten hinzu. Die Einwohnerzahl wird also noch einmal einen kräftigen Sprung nach oben machen.“ Theoretisch ist noch mehr möglich, aber das hängt von der Lösung eines Riesenproblems am Ortsausgang ab.

Die Baugebiete südöstlich der Bahnlinie werden durch die Hochfelder Landstraße erschlossen, die den neuen Siedlungsraum mit der Osttangente verbindet und – so ist jedenfalls die Planung – ab 2019 mit dem Anschluss an die nach Kappeln führende Landesstraße 21 eine Umgehungsstraße für den alten Ortsteil Tarup bilden soll. Drei Bauabschnitte der mit 85 Prozent Landesmitteln üppig geförderten Umgehung sind fertig, der letzte, entscheidende, ist Gegenstand einer juristischen Auseinandersetzung, in der die Stadt inzwischen ein Enteignungsverfahren betreibt. Als die K 8 geplant wurde, ging man im Technischen Rathaus offenbar davon aus, dass alle benötigten Flächen problemlos zu beschaffen sind – ein Irrtum. Das letzte Grundstück ist unverkäuflich. Der Eigentümer, alt eingesessener Landwirt, hat keine Lust, 50 Meter von seiner Terrasse entfernt die Umgehungsstraße nebst Lärmschutzwall vor Augen und Ohren zu haben. Die Stadt drängelt, hat die rasche Zwangseinweisung von rund 11 Ha beim Land beantragt. Denn an der Vollendung der Straße hängt viel. Die Erschließung eines weiteren Neubaugebiets, die Anbindung der vorhandenen an den ÖPNV – der seit Eingemeindung nicht in Schwung gekommen ist – und die Versorgung der neuen Stadtbewohner mit Einkaufsmöglichkeiten. Ein Versorgungszentrum an der Hochfelder Landstraße ist zwar geplant, wohl wegen des einkalkulierten Durchgangsverkehrs aus Angeln bis heute aber nicht in Schwung gekommen.

Ende der zwölfteiligen Serie

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erstellt am 20.Jul.2017 | 15:52 Uhr

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