FSG in Flensburg : „W.B. Yeats“ für Irish Ferries: Stapellauf einer Hoffnungsträgerin

W.B. Yeats auf der Wasserrutsche: Dienstbeginn für die Passagierfähre zwischen Dublin und Cherbourg ist der 12. Juli.

W.B. Yeats auf der Wasserrutsche: Dienstbeginn für die Passagierfähre zwischen Dublin und Cherbourg ist der 12. Juli.

Ein Statement für Europa und die Flensburger Werft: „W.B. Yeats“ für Irish Ferries ist seit Freitag in ihrem Element.

shz.de von
20. Januar 2018, 07:00 Uhr

Es war der vermutlich erste lyrische Stapellauf Freitagmittag auf der Werft – und den zelebrierte Ricki Rothwell aus Dublin. Die junge Frau zitierte den großen irischen National-Dichter William Butler Yeats aus seinem Gedicht „A prayer for my daughter“, kurz bevor die Sektflasche am Bug zerschellte: „May she be granted beauty“ – „möge ihr Schönheit gewährt werden“, sagte Rothwell und wenig später war die große Halle voller Jubel. Die Baunummer 771, die pünktlich um 13 Uhr als „W.B. Yeats“ ins Wasser glitt, ist kein gewöhnlicher Neubau. Sie ist eine Hoffnungsträgerin.

Das klang an in den Worten von Eamonn Rothwell, Vater der Taufpatin und Chef der Irish Continental Group, die diese neue Personenfähre für ihre Tochter Irish Ferries in Auftrag gegeben hat. Und zwar im Mai 2016, vier Wochen vor dem britischen „Nein“ zur weiteren Mitgliedschaft in der EU. Dieses große Schiff, so Rothwells Erwiderung auf den Brexit-Schock, sei ein „Statement“, ein Ausrufezeichen.

Die „W.B. Yeats“, ausgelegt für fast 2000 Passagiere, 1200 Autos oder 150 Lkw-Trailer, ist ein Schiff des Handels und freien Personenverkehrs in Zeiten nationaler Abschottung. Den größten Teil ihres Verkehrs wickelt Irish Ferries über den zweitgrößten britischen Fährhafen in Holyhead/Wales ab – dort könnte ab März 2019 das Geschäft schwieriger werden. Fachleute zählen den Hafen zu den größten Verlierern des Brexit. Vor diesem Hintergrund ist das Millionen-Investment sowohl Wagnis als auch Manöver, um Turbulenzen abzufedern. Die „W.B. Yeats“ wird zwischen Dublin und Cherbourg fahren. Ihre Zuversicht dokumentierten die Iren, indem sie am 1. Januar bei der FSG eine zweite Order über ein noch größeres Fährschiff platzierten.

FSG-Geschäftsführer Rüdiger Fuchs kam am 1. Juli 2016 eine Woche nach dem „No!“ der Briten zur FSG – als Sanierer einer Werft mit ungewissen Aussichten. „Wir waren am Boden“, meinte er am Freitag am Rande des Stapellaufs. Dieser Auftrag aus Dublin war in einer fast hoffnungslosen Situation der Hauch einer Chance. Fuchs ist dankbar dafür. Denn die FSG hatte im Bau großer Passagierschiffe mit 500 Kabinen und zigtausend Quadratmetern öffentlicher Flanier- und Vergnügungszonen zu dem Zeitpunkt noch keinerlei Erfahrung. Fuchs bezeichnet den Neubau heute als „das komplexeste Schiff der FSG-Geschichte“. Und das soll erst der Anfang sein. Wenn alles gut läuft, hofft er, könnte die „W.B. Yeats“ der Einstieg in eine neue erfolgreiche Produktlinie sein. „Vielleicht wird man sich an diesen Tag so erinnern, wie man sich an jenen Tag vor 20 Jahren erinnert, als das erste RoRo hier vom Stapel gelaufen ist.“

Die „W.B. Yeats“ hat in Flensburg noch viel vor. Bis zum Abgabetermin im Juni muss sie das Referenzschiff für einen Weltmarkt werden, den sich die FSG noch erschließen muss. „Es ist nicht das Ende der Sanierung“, mahnt Fuchs. „Aber ein Anfang ist gemacht.“ Aktuell stehen noch vier weitere Aufträge in den Büchern, die australische TT-Lines hat eine Absichtserklärung für den Bau zweier Fähren abgegeben.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert